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Der Israelit · 1897-02-15 · Heft 13 (15.2.1897) · page 11

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Journal
Der Israelit
Volume
38 (1897)
Issue
Heft 13 (15.2.1897)
Date
1897-02-15
Page
– (sequence 11)
Language
German
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11 253 Barbara erhielt und sich mit Niclas Lueger zum zweitenmale verehelichte, ist die Stammmutter des heutigen Judenhassers und ersten Vicebürgeisters von Wien ©r. Karl Lueger. Und aus dieser Abstammung wird auch Manches im Wesen und Charakter des Dr. Karl Lueger klar. Es hat eine Zeit gegeben, in der Dr. Lueger fast ausschließlich mit Juden verkehrte, den Juden Mandl seinen besten Freund und Lehrmeister nannte und eine ihm von Juden gespendete Busennadel mit den zehn Geboten in hebräischen Lettern trug. In seinem Privatverkehr steht der Mann, der sich noch nicht darüber im Klaren ist, ob man die Juden hängen ooer köpfen sollte, mit vielen Juden auf dem Dutz-Fuße. Die Nachwirkung des Blutes der jüdischen Stammmutter ist da unverkennbar. Dann kam die große Wandlung, Herr Lueger wurde Antisemit uns predigt die Ausrottung der Juden. Wieder ist es der Geist der jüdischen Ahnfrau, der da in ihm lebendig ist, jener Frau, die ihren jüdischen Gatten in der Todesnot!) verließ, von ihren Glauben abfiel und uneingedenk der Pflichten gegen Gott und ihr Volk sich einem ihrer christlichen Bedränger hingab. Die Jüdin Schebelein, nachmals Barbara Lueger, ist das Prototyp jener Wankelmüthigkeit, jener Charakter- und Gesinnungsschwäche, welche das bezeichnendste Merkmal der Persönlichkeit des Dr. Karl Lueger ist. (M.) Triest, int Febr. Eine wichtige Lebensodcr vielmehr Todesfrage ist nun an unsere Cultusgeuteiude herangetreten und heischt eine baldige Lösung. Der hiesige jüdische Friedhof, der schon seit länger als füttfzig Jahre seinem frommen Zwecke dient, ist schon so überfüllt, daß nur noch für wenige Jahre genügender Raum in demselben vorhanden ist. Die Chewrah Kadischa hier hat sich in der letzten Zeit oft mit dieser Angelegenheit beschäftigt, und durch weise Maßregeln war cs ihr bisher auch gelungen, immer tieuen Raum für Grabesstellen zu schaffen, obgleich das ihr ztt diesem Zwecke zttr Verfügung stehende Terrain schon vor Jahren eine Erweiterung bedurft hätte. Auch hat sie schon den Plan entworfen, durch den Erwerb neuer Grundstücke den Friedhof bedeutend zu erweitern, doch werden für diese Grundstücke solch horrende Preise gefordert, daß man vor deren Ankauf förmlich zurückschrack. Sie hat daher den Entschluß gefaßt, sich mit einem Appell an die Mitglieder unserer Gemeinde zu wenden, damit diese durch ihre Privatspenden den Ankauf des erforderlichen Terrains ermöglichen sollen. Rußland. Petersburg, 2. Febr. (Zur Iudenfrage) Das Oekonomiedepartement des Ministeriums des Innern hat angcordnet, daß durch Vermittlung der Communalverwaltungcn der Städte und Flecken Daten über den Handel und die Gewerbcthätigkeit von Personen mosaischer Confession angesammelt werden. Die Daten beziehen sich auf: 1) den Gesammtwerth des Jmmobilienbesitzes der Juden in Städten und Hakelwerken, wie er für die Erhebung der Kronsabgaben im Jahre 1695 festgestellt wurde— und auf die Zahl der von Juden gelösten: a) Handels¬ und Gewerbescheine, b) der Billetc für Handels- und Gewerbescheine-Etablissements; gleichzeitig ist die Höhe der ans diesen Documenten zum Besten der Krone entfallenden Summe anzugebcn. Kowno. Ueber die Auswanderungsbcwegung unter den „Ebräern" schreibt man der „Libauschen Zeitung": Aus den Städten des Kownoschen Gouvernements: Salantcn, Krettingen und Dorbina sind im letzten Decennium ganz besonders viele Ebräer ausgcwandert, mehrere nach Amerika, die meisten jedoch nach Afrika. Sie habet: in der Regel guten Erwerb gehabt. Beweis dafür ist, daß sie ihre hier gebliebenen Familienglieder häufig mit Geldsendungen unterstützen. Die Männer senden ihren zurückgebliebenen Frauen, die Söhne ihren hier domilicirenden Eltern erkleckliche Beiträge. In der Regel kommt schließlich eine große Sendung als Reisegeld behufs Uebersiedelung jenseits des Oceans. Ein junger Ebräer, der vor ca. 6 Jahren mit seinem jüngeren Bruder, nachdem ihr Vater von einem Lithauer erschlagen ward, nach Afrika auswanderte, retounirte im vorigen Herbste, indem er sich zum Militärdienste stellte. Er wurde als tauglich befunden und eingereiht. Sein mitgebrachtes Baargeld — man sagt, es sei ein beträchtliches Sümmchen — hat der angehende Kriegsmann in einer Bank niedergelegt. Nach Ausdienung seiner Militärjahre will er zurück in sein zweites Heimathland, schließlich jedoch nach Dorbina wiederkehren. Das bleibt der sehnlichste Wunsch aller in die Fremde Gegangenen: zuallerletzt die Tage ihres Alters da zu verbringen, wo ihre Wiege gestanden. Odeffa, Ende Januar. Seit längerer Zeit heißt cs in gewiffen Kreisen, daß die Juden von Odessa lediglich Kauflente, Händler, Commissionäre, Agenten :c. sind; daraus ist denn das Vorurtheil entstanden, daß die Juden den Gesammthandel von Odessa an sich gezogen. Eine gründliche Prüfung der öffentlichen Statistiken vom 1. Juli 1896, durch den Municipalrath von Odessa beweist genau das Gegentheil: Die Zahlen beweisen, daß die Juden sich in allen Zweigen bethätigen; in den Handwerken und Manufakturen dominirt das jüdische Element. Anbei die officiellen Ziffern: Die jüdische Bevölkerung von Odessa beträgt:

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