Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 38 (1897)
- Issue
- Heft 12 (11.2.1897)
- Date
- 1897-02-11
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
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228 in solche» Gemeinden z» leiden, wenn ihnen die Heiligkeit des Sabbat höher steht, als der Beifall des großen Trosses. Ilm sich einige Minuten früher an einer Cigarre oder an einer Taffe frischen Kaffee delektiren zu können, dekretirt die Maffe den Eintritt der Nacht und den Ausgang des Sabbat und stimmt auf eigene Faust -p- -mb und 1212 an. Nicht jeder Lehrer hat die Geistesgegenwart und die Selbstständigkeit wie derjenige, der in einer neu angetretenen Stelle auch diesen Mißbrauch vorfand und ihn auf folgende Weise abstellte. Als man ihn drängen wollte das Abendgebet vor völligem Eintritt der Nacht zu verrichten, wandte er sich am Borbeterpult um, der Gemeinde zu, und sagte: „Wenn Sie mich drängen wollen den Schabbos vor seinem richtigen Ausgang zu schließen, so bin ich als Ihr Beamter genöthigt, mich Ihrem Drucke zu fügen. Aber ich gebe Ihnen Folgendes zu erwägen: Unsere Weisen sagen, daß selbst die zu den Höllenqualen des Gehinnom verurtheilten Abgeschiedene» am Sftbhst von ihren Qualen befreit sind. Diese Freiheit dauert so lange, bis die Gemeinde das Maarivgebet am rav verrichtet hat, dann treibt der Engel Duma die zum Gehinnom Verurtheilten wieder zu ihren Qualen mit den Worten zurück: BW mtr. „Die Schlechten sollen wieder in ihre Gruft zurück!" Unsere heiligen Schriften berichten in ergreifender Weise, wie die zum Gehinnom Bestimmten, bei jedem Sabbatausgang mit jeder Minute geizen, mit der sie den Sabbat zu verlängern und die neue Woche hinauszuschieben bemüht stktd. Wie viele Leute könnten bei ihren Lebzeiten dafür sorgen, daß ihnen jene Qualen verkürzt werden, wenn sie es sich nur angelegen sein ließen, daß man in ihrer Gemeinde den rav möglich spät schließt, und wie viele Leute bereiten sich diese ewige Strafe um so qualvoller, indem sie sich durch allzufrühen Schluß des Sabbat die Ruhepausen kürzen, die Gottes Gnade selbst den zur Gehinnomstrafe Verurtheilten gewährt hat. Wenn die göttliche Vergeltung rr® -i:;d rrro Maß gegen Maß mißt, so ist diese Kürzung des Sabbat ein Vergehen, das sich an denjenigen, die die Hand dazu bieten, rächt, wenn sich längst das Grab über ihnen geschloffen hat." Mit der Ausführung dieser Gedanken war die Zeit bis zum richtigen Ausgang des Sabbat hingegangen, aber am nächsten Sabbat-Ausgang brauchte er das Mittel nicht zu wiederholen. Die Gemeinde wartet seitdem nicht nur die Nacht ab, sondern dehnt den Sabbat noch ein Stück in die Nacht hinaus aus. Es ist dies ein Umstand, der auch leider vielfach unbekannt ist, daß nämlich der Sabbat tatsächlich nicht mit Eintritt der Nacht, sondern erst nach Eintritt derselben schließt, wpnun 21c orc rav rccnn. Die Ausdehnung von Sabbat und Jom tob auf die Zeit vor ihrem Anfang und auf die Zeit n a ch ihrem Verlauf, ist von der Thora vorgeschrieben. Wie die Sonne vor dem Anfang durch ihr Morgenroth den Himmel mit feuriger Gluth umsäumt, und noch nach ihrem Untergang ihr Abendroth das Firmament mit ihrem gluthrothen Widerschein verklärt, so hat auch Gott die von ihm eingesetzten Sabbate mit derselben Eigenthümlichkeit ausgestättet. Sie beschränken sich nicht auf die ihnen zugemeffene Tagesspanne, sondern werfen ihren lichtvollen Nestex auf die sie vorwärts und rückwärts einfriedigende Zeitgestade. Dieses Uebertragen der Sabbatweihe, der Sabbatruhe, des Sabbatfriedens und des Sabbatglücks auf die Woche, ist in verjüngtem Maßftabe die Verwirklichung des Ideals jener Zeit rov toav, die ganz Sabbat ist. Wer aber vom Sabbatgeist nicht nur nichts mit hinüber in die Woche nimmt, sondern vom Sabbat selber noch ein Stück abbricht und es zur Woche fügt, der hat der Erreichung dieses Hochziels nicht nur nicht vorgearbeitet, er hat für seine Person und den Kreis das Gegentheil gethan. Diese ruhelose Haft, die den Sabbat nicht früh genug abschütteln kann, bezeugt demjenigen, der sie erfüllt, daß der Segen und die Heiligung des Sabbat spurlos an ihm vorübergegangen ist. Es giebt Leute, die zwar den Sabbat nach Vorschrift durch Einstellung ihrer Werkthätigkeit feiern, aber sie thun es mißvergnügt und erbittert durch den Gedanken an die Einbuße von Geld und Erwerb, die jeder rav bedeutet. Diese Erwägungen lassen sie nicht heitern, frohen Muthes den Sabbat antreten. Ihnen kredenzt jeder Sabbat seinen Pokal, aus welchem sie mit der Sabbatseele, den Geist, den Muth und die Heiterkeit trinken, der sie freudig auf irdische Güter verzichten läßt, wenn sie die Errungenschaften des Sabbat dafür in den Kauf nehmen. Und es giebt wiederum Leute, die den Sabbat nicht ohne Wehmuth scheiden sehen und sich nur bangend und zagend zum Eintritt in die neue Woche mit ihren alten Kämpfen und Sorgen entschließen können. Ihnen reicht der Sabbat wieder seinen Becher und läßt sie Hoffnung und Muth daraus trinken, für alle Begegniffe und Fahrniffe, die das Leben außerhalb des Sabbat so vielfach bietet. Wem es aber so gelingt, das werkthätige Leben mit hinüber in den Sabbat und den Sabbat wieder mit heraus in die werkthätige Woche zu nehmen, für den hat der Contrast zwischen dem Sabbat und der Woche, der einst rov bav vb aushören soll, in Wirklichkeit jetzt schon aufgehört. Er erblickt in jedem Sabbat X2n nSiy pro einen Widerschein der künftigen Welt, ja er besitzt bereits dasjenige, was sie charakterisirt und indentisirt: er ist X2n nSiy Snj. Was ihn in rauher Weise an den Abstand erinnert, der zwischen