Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 38 (1897)
- Issue
- Heft 12 (11.2.1897)
- Date
- 1897-02-11
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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- ymgyg".- ft*??' 226 nicht gestört zu werden und schloffen es zur größeren Vorsicht noch ob. „Warum schließest Du ab?" fragte Rabbi Moscheb. „Wir haben doch keine Sforim hier für den Fall, daß wir etwas einzusehen nöthig haben?' „Für das, was ich Dir zu sagen habe, braucht es keine Bücher. Aber eins muß ich Dir voraus schicken. Ich weiß, daß Du manchesmal Zweifel in die Wahrheit meiner Worte setzest; auch wo Du es mir nicht sagst, sehe ich's Deinen Augen an. Aber-" Rabbi Moscheh unterbrach seinen Freund mit einer verbindlichen Entrüstung über eine solche Voraussetzung. Aber Rabbi Joül wußte ganz wohl, was er redete und auch wie ihn Rabbi Moscheh beurtheilte und fuhr fort: „Aber diesesmal in alles bitterer Ernst, für deffen wörtliche Wahrheit ich meinen Kops einsetze. Unser Vater hat es uns in seiner Scheidestunde gesagt, es ist nie über meine Lippen gekommen, aber Dir wollte ich's schon lange offenbaren. Als uns unser guter Vater verlassen sollte, sammelte er uns um sein Lager, legte jedem segnend zum letzten Mal die Hände aufs Haupt und ermahnte uns zu allem Frommen und Guten. Dann fuhr er fort: Ihr müßt frömmer und braver sein, als alle Menschen, denn Euch hat Gott ein Wunder durch mich erwiesen, das er selten Jemand erweist und das ich Euch zum Abschied erzählen will, damit auch Ihr es einst Euren Kindern erzählt, wenn über hundert und zwanzig Jahre die Stunde schlagen sollte, die Euch von ihnen ruft. „Du weißt," fuhr Rabbi Joül fort, „daß mein Vater, der Friede sei mit ihm, keiner Unwahrheit fähig gewesen wäre; Du kannst Dir denken, daß er es in seiner Todesstunde noch weniger war, und daß ich mich an seinem Andenken versündigen würde. wollte ich für seine Redlichkeit und Wahrhaftigkeit erst Zeugniß ablegen. Obwohl schon dreißig Jahre seitdem verfloffen sind, ist mir keines seiner Worte verloren gegangen und ich erzähle Dir die ganze G schichte mit seinen eigenen Worten wieder:" „Es war kurz vor Peßach im zehnten Jahre unserer Verheicathung; ein hartes, theures Jahr. Wir wohnten damals noch in der Entengaffe, in einem kleinen, baufälligen Häuschen, an deffen Hinterseite ein großer, leerer Bauplatz stieß. Auf diesem Platz lagen Steine und Geröll in Hülle und Fülle und in der rechten Ecke stand ein großer Kirschbaum, der fast jedes Jahr Kirschen trug, die uns gehörten. So schwer wie dieses Jahr, war es noch nie gefallen, die Mittel für den Peßach zusammen zu bekommen. Mazzos, Wein, Kleider für Kinder, alles war unerschwinglich theuer; und das Geschäft warf nichts ab. Aber mit Gottes Hilfe, der uns gute Leute schickte, konnte ich von verschiedenen Seiten so viel zusammentorgen, daß wir den Peßach bekowed feiern konnten. Als wir am ersten Seder-Abend zu Tisch saßen, sah Niemand unserem Tisch an, daß wir die Mazzos und den Wein noch schuldig waren, die ihr Kinder euch so gut schmecken ließet. Ihr wart noch alle klein und ihr schlieft durch den ungewohnten Genuß des Weines frühzeitig ein. Euere Mutter und ich waren am Ende noch allein wach, und als ich zum Schluß der Sederfeier mein Chumesch in die Hand nehme, Schir Haschirim zu sagen, rang sich ein schwerer Seufzer aus der Brust euerer Mutter, die euch das alles bestätigen kann. Ich blicke erschreckt zu ihr hin; sie aber sagte: „Es war nichts. Unser Sedec war so schön und ich denke mit Schrecken an die Zeit, wenn Peßach vorbei sein wird und wir unsere Schulden bezahlen müffen, ohne zu missen, woher wir das Geld nehmen sollen." (Schluß folgt.) Der „JSraelit" erscheint wScheatlieh zweimal, Montag« and .Donnerstags, jedeSmal in mindestens zwei Bogen. Preis pro Vierteljahr bei der Post 3 Mark ohne Bestellgeld. Man abonnirt ganzjährig, halbjährig oder vierteljährig. Alle Buchhandlungen und Postämter nehmen Bestellungen an. — Der Kuchhandel verkehrt dnrch «. f. Ktrivacker, -etpstg, Koßptatz 16. — Inserate 25 Pfennig die 4spaltige Petitzeile oder deren Raum. Preis der Zelle im Reclamethell 75 Pfennig. — Directe Francozusendung unter Streifband pro Jahrgang für Deutschland und Oesterreich 14 Reichs-Mark oder 8 fl. österr., für's Ausland 16 Reichs-Mark, an die Expedition franco einzusenden. Cits* Rücksendung von an die Redaktion eingesandten Manuskripte« findet nicht statt, man bittet deshalb, sich von allen Einsendungen eine Copie znrückznbehalten. Inhalt (Hauptblatt) Leitender Artikel: Samson Raphael Hirsch und die Israelitische Religionsgesellschaft zu Frankfurt a. M. — Zeitungsnachrichten und Correspondenzen: Deutschland: Berlin. Magdeburg. Jarotschin. Hannover. Fürth. Würzburg. Aus Baden. Oesterr.-Ungar. Monarchie: Prag. Italien: Neapel. Frankreich: Paris. Rußland: Riga. — Bcremsnachrjchtkn. — Feuilleton: Woher Rabbi Joels Neichthnm stammte. Bon R. H. (Fortsetzung.) Inhalt der ersten Beilager Leitender Artikel: Sabbat-Ausgang. — Zeitungsnachrichten und Correspondenzen: Deutschland: Berlin. Wiesbaden. Aus Bauern. Dänemark: Kopenhagen. — Personalien — Vermischtes. Inhalt der zweiten Beilage: Zeitungsnachrichten u. Corrcspondenzen: Deutschland: Berlin. Lobsens. Oesterr.- Ungar. Monarchie:?Wien. — Vermischtes. Pädagog Beilage. Wer soll noch jüd. Rcligionslehrer werden? Zeitbetrachtnng von Lehrer Elias Gut—Cöln. Extra-Beilage: Spcndenverzeichnisse. Verantwortliche Redaction: Oscar Lehmann in Mainz. — Expedition des „Israelit", Schottstraße Nr. 2, Mainz. Druck und Verlag der Joh. Wirth'fchen Hofbuchdruckerei-Actien-Gcscllschaft in Mainz. Hierzu vier Beilagen.