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Der Israelit · 1897-02-11 · Heft 12 (11.2.1897) · page 7

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Journal
Der Israelit
Volume
38 (1897)
Issue
Heft 12 (11.2.1897)
Date
1897-02-11
Page
– (sequence 7)
Language
German
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225 Keuilletott. Wlyn maböt M'-ls DIWAN flammte. Von R. H. -») Ihr Minchagcbet verrichteten heute die Helden unserer Erzählung nicht mit der Andacht, die sie sonst erfüllte, und noch den ganzen Abend, ja die flacht hindurch beschäftigte sie der Gegenstand ihrer Unterhaltung in so hohenr Grade, das; sie ganz davon eingenommen waren. Rabbi Joäl war Abends vor Maarim an der Reihe Mischnajis vorzutragen; aber er war so zerstreut, dß ihn einer der jüngsten Eollegen schon beim ersten Tosphot Jom tob schachmatt gimacht hatte, ohne daß ihm R. Moscheh zur Seite gestanden Hütte. Dieser rüstete sich mit hieb- und schußfesten Waffen für den geistigen Ringkampf, der ihm morgen bevor stand. R. Joifl will ihm über allen Zweifel beweisen, daß man an die Bedeutsamkeit der Träume glauben müsse? Wie ist das möglich? Nach dem frugalen Abendbrod nahm er sich seine Broches-Gemoro vor, schlug den letzten Perek ans, das die Ansichten unserer Weisen über Träume ausführlich behandelt; cs war alles so wie er gesagt hatte. Daraus konnte Rabbi Joöl nichts beweisen. Allerdings sagt Rabbi Channa im ersten Perek: „Wenn sogar der Herr der Träume dem Menschen sagt, daß er morgen sterben müsse, soll man die Hoffnung auf Gottes Erbarrnen nicht ausgeben." Dieses „sogar" spricht den Träumen allerdings eine große Bedeutung zu; aber Rabbi Joifl mußte doch wiffen, daß der Mharscho zur Stelle in diesem „sogar" ganz anders Peschat lernt und geradezu das Gegentheil daraus folgert. Obwohl Träume Schaume sind, so führt er ja aus, gibt es doch nichts so Gleichgilüges, das uns nicht bestimmen sollte, es zum Gegenstand des Gebets zu machen. Sogar, wenn der Herr der Träume dem Men chen seinen baldigen Tod ankündigt, so soll uns das doch bestimmen Gottes Erbarmen anzurufen, obwohl die Träume nur Eitles verkünden. Sollte es Rabbi Jcml wieder mit einem seiner Phantasiestückchen versuchen wollen? Rabbi Moscheh ließ sie alle Revue passiren. Das stärkste war die Erzählung vor der Schlacht bei Waterloo, an die R. Joel, weil er sie schon viele Jahre unzählige Rial erzählt halt', selber so fest glaubte, daß er es keinem verziehen hätte, wenn Jemand durch das leisteste Lächeln einen Zweifel daran verrieth. Im Lauenburg'schen sei er damals stationirt gewesen und habe in später Nachtstunde über seinen Folianten gescssen, als ein Reiter in fliegendem Galopp an sein Häuschen herangesprengt kam und ungestüm Einlaß begehrt habe. „Ihr seid der berühmte Rabbiner Katzenellenbogen?" „Mein Name ist Katzenellenbogen, womit kann ich Ihnen dienen?" „Lernt einen Schiur für mich, ich habe morgen eine große Schlacht zu schlagen, von welcher Sein und Nichtsein, von Völkern und Ländern abhängt. Hier habt Ihr einen Beutel mit Dukaten für Eueren Dienst. Wollt Ihr ihn mir erweisen?" „Mit wem habe ich die Ehre zu sprechen?" „Mein Name ist gleichgiltig, wollt Ihr oder wollt Ihr nicht? Die Zeit ist knapp, also?" „Wie kann ich einen Schiur für Euch lernen, wenn ich Eueren Namen nicht kenne; ich muß sogar den Nam-m Eures Vaters oder noch bester den Eurer Mutter wissen." Da riß der fremoe Reitersmann seinen Mantel auf, und indem er ihm den kaiserlichen Stern auf der Brust zeigte, flüsterte er leise: „Ich heiße Napoleon'' Rabbi Jo<R hatte Geistesgegenwart 'genug, sofort die Bivcho zu sprechen, die beim Anblick geklönter Häupter vorgeschrieben ist. nahm den Schiur an, wies aber das Geld zurück, und erbat sich nur die Gnade, um freie Passage bei seinen verschiedenen Reisen. In Folge der vielfach aufgestellten französischen Postenketten war der Verkehr sehr^schwerZmd nicht ungefährlich. Napoleon brachte einige französische Worte zu Papier, händigte sie Rabbi Joel ein, una verschwand so rasch, wie er gekommen war. Jahre lang hatte Rabbi Joöl das Papier ausbewahrt; cs hatte ihm treffliche Dienste geleistet. Wo er es vorzeigte, öffnete mm ihm Thoren, Thüren und Postenketten. Ein Blick auf daffelbe, hatte sofort die Weisung zur Folge: „Katzenellenbogen passirt!" Diese und ähnliche Rabbi Joöl'schen Schnurren gingen Rabbi Moscheh durch den Kopf. Es mar ihm klar, Rabbi Joül mußte z. B. dieses Begegniß einmal in einem lebhaften Traume gehabt haben; es hatte sich aber bei ihm so festgesetzt, daß er im Laufe der Jahre nicht mehr Wahrheit von Dichtung zu unterscheiden vermochte. Sollte der morgen zu erbringende Beweis sich in ähnlichen Enkeln bewegen? Aber Rabbi Jobl war nur in allgemeinen, politischen und ähnlichen Gebieten ein Phantast, der dann den Mund voller nahm, als er cs vor seinem gesunden Menschenverstand verantworten konnte. Im persönlichen Verkehr und gar im Thorastudium war er der rechtlich!'e, wahrheitsliebende Mann, der mit Bewußtsein kein Haarbreit von der Wah.heit abgewiesen wäre. Als Rabbi Moscheh nach dem Frühgebet am andern Morgen in die Klaus kam, erwartete ihn bereits Rabbi Joäl. Sie gingen zusammen in das I an die offizielle Klaus stoßende Nebenzimmer, um

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