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Der Israelit · 1897-02-08 · Heft 11 (8.2.1897) · page 10

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Journal
Der Israelit
Volume
38 (1897)
Issue
Heft 11 (8.2.1897)
Date
1897-02-08
Page
– (sequence 10)
Language
German
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202 Nationalliberale Partei hat sich bekanntlich außerdem aus eigener Initiative erboten, einer Aufbesserung der unzulänglichen Pfründen näher zu treten. Herr Wacker, Führer des Centrums in Baden, hat für diese Initiative seinen Dank ausgesprochen. Der Verwirklichung werden sich bei der günstigen Finanzlage des Staates keine Schwierigkeiten entgegenstellen. W. Schweiz. Zürich. Sr. Ehrwürden Herr Rabbiner Ehrenfeld, Mattersdocf, welcher auf seiner Durchreise nach Paris in unserer Stadt längeren Aufenthalt nahm, erfreute am *c ntr® rzv die hiesigen gesetzestreuen Juden, mit dem Vortrag einer talmudischen Abhandlung. — Im Hause des Herrn Leopold W e i l l, Mitglied und Mitbegründer der isr. Religionsgesellschaft, wo seit einer Rcihe von Jahren allwöchentlich am res» „Lernvortrcige" gehalten werden, halten sich die Mitglieder der Religionsgesellschaft und des Talmud-Thora-Vereins zahlreich eingefunden, um den Vortrag des seltenen Gastes zu hören. In diesem schönen Vortrag verstand eS der Redner durch geistreiche Erklärungen verschiedener Bibel- und Talmudftellen — die hohen Ziele einer echten jüdischen Gemeinde den Anwesenden ans Herz zu legen. — Als der geehrete Vortragende den Mitgliedern der isr. Religionsgesellschaft für die bisher erstellten Institutionen seinen tiefgefühlten Dank Ausdruck gab, und zum Schluß den Wunsch aussprach, es möge der allgütige Vater im Himmel, auch fernerhin, die Bestrebungen der Religionsgesellschaft segnen und gedeihen lassen, auf daß sie ihre hohen und schönen Ziele erreichen — da erweckte er allgemeine Begeisterung für die heilige, jüdische Sache. Mögen diese aus dem liefen Herzen kommenden Worte — eine nachhaltige Wirkung erzielen, auf fruchtbarem Boden die schönsten Blüthen und Früchte gedeihen laffen! — Allgemeine Anerkennung und Dank verdient der Vorstand des Talmud-Thora-Vereins, für seine eifrige Thätigkeit, das Ansehen des Vereins zu heben und sein Gedeihen zu fördern. Seiner Bemühung ist es gelungen, Herrn Bezirksrabbiner Dr. E h r m a n n (Baden) für einen Vortrag zu gewinnen. — Sonntag den 10. Januar wurde uns dieser seltene Genuß zu Theil. Der geehrte Vortragende ist den Lesern dieses Blattes bekannt, und es wäre vom Schreiber dieser Zeilen zu viel verlangt, über diesen inhaltsreichen, meisterhaft gehaltenen Vortrag, in kurzen Worten zu berichten, und die hinreißende Beredsamkeit des geehrten Redners zu schildern. Solche Begeisterung für das echte, unverfälschte jüdische Leben, wie es in diesem Vortrag, in diesen Worten bekundet wurde, machte es den Zuhörern erklärlich — daß die Institutionen der Nachbargemeinde, des Kium-Hoeuttlnoh-Vereins, das vor Kurzem durch Herrn Jagues Lang neueingerichtete wncn ro, das Gepräge der echten Orthodoxie tragen, — unv daß sie so herrlich gedeiben. Nur selten wird im Kampfe gegen Reform und Verfall solch unerschrockener Muth an den Tag gelegt, nur selten so unernrüdlich solche offene Worte gesprochen. Wie man im allgemeinen über Vorträge auch denken mag, solche Worte werden nie fruchtlos verhallen — so aus dcm tiefen Herzen kommend, gehen sie auch zu Herzen. Frankreich. Paris. (Ein Ernährungswerk.) In den Schulen der Alliance gab es eine große Lücke. Eine Frau, deren Seelengröße, deren Intelligenz und Großherzigkeit weitgehende Spuren der Wohlthätigkeit hinterlafsen wird, hatte die rührende Idee diese Lücke auszufüllen. Die Frau Baronin Hirsch hat dem Ccntral-Comite eine oedeutcndc Subvention zur Verfügung gestellt, um den ärmeren ^Zöglingen der Allianceschulen eine warme Mahlzeit zu liefern. Man kann sich schwer eine Vorstellung machen von dem furchtbaren Elend, welches die Israeliten des Orients und Nordafrikas erdulden. Um etwas ähnliches zu finden, muß man nach Rußland oder Galizien gehen, inmitten jener furchtbaren Ansammlungen von Juden, wo die Armuth schrecklich, sozusagen allgemein ist. Die Unruhen der letzten Monate haben die bereits sehr traurige Lage noch verschlimmert. In Marocco haben schlechte Ernten eine plötzliche und bisher unbekannte Theuerung herbcigeführt. Von allen Seiten erhielt das Central-Comi16 Klageberichte über die Entbehrungen, denen die armen Schulkinder ausgesetzt sind. Viele von ihnen mußten sich zur Mittagszeit mit einer harten Brotkruste begnügen, einige sogar hatten gar nichts zu effen! Alljährlich hat das Ccntral-Comite eine bestimmte Summe auf seinem Budget, die zur Anschaffung von Kleidungsstücken für die ärmeren Kinder bestimmt ist, und welche unter die meist bevölkertsten Schulen vertheilt wird; aber was läßt sich in dieser Hinsicht vornehmen bei einem Credit von 4 oder 5000 Frs.? Die Geschicklichkeit und Hingabe einiger Direktoren hat nun freilich die Unterstützung von außen nicht abgewartet, um es zu versuchen, an Ort und Stelle ein Ernährungswerk zu gründen. Unter diesen Lehrern, die sich so zu sagen als die moralischen Eltern ihrer Zöglinge ansehen, muß man vor Allem die hervorragende Leiterin der Mädchenchule zu Adrianopel Frl. Ungar, Frau Nabon und Herrn Fresco, die Leiter der Schulen zu Constantinopel-Haskeuy nennen. In anderen Schulen, so namentlich in Konstantinopel-Galata und Ortakeuy haben ich Damenvereine gebildet, auch solche von ehemaligen Schülerinnen, um den ärmeren Kindern Nahrung

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