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Der Israelit · 1897-02-08 · Heft 11 (8.2.1897) · page 11

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Journal
Der Israelit
Volume
38 (1897)
Issue
Heft 11 (8.2.1897)
Date
1897-02-08
Page
– (sequence 11)
Language
German
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203 und Kleidung zu schaffen. Frau Leon zu Paris hat ihrerseits die Kosten einer Mahlzeit für eine Anzahl Kinder in zwei anderen Schulen der Alliance in Konstantinopel auf sich genommen. Alle diese Bemühungen verdienen die größte Dankbarkeit und dürfen nicht mit Stillschweig n übergangen werden, selbst angesichts der großartigen Gründung der Baronin Hirsch. Uebrigens finden dieselben noch immer ihre Verwendung, und das Central - Comits beabsichtigt dasjenige, was eigene Initiative und Großherzigkeit in dieser Richtung geschaffen, zu erhalten und zu befestigen. Schließlich muß man noch die Knabenschule von Tunis hervorheben, woselbst nahezu 300 arme Kinder täglich eine warme Mahlzeit erhalten. Die großen Kosten dieses Werkes werden zum Theil durch die freiwillige Gaben und wöchentliche Sammlungen bestritten. Die Frau Baronin Hirsch hat diese großmüthige Sitte verallgemeinern wollen, um den größten Theil der ärmeren Schuljugend daran Theil nehmen zu laffen. Infolge einer Nachfrage hat sich die Verwaltung davon überzeugt, daß für die geringe Summe von 10 c. es möglich sein würde eine gute Brühsuppe oder ein kräftiges Gemüse mit großem Brotstück zu liefern. Schon von jetzt ab nehmen 1300 Kinder Theil an diesem Werke der Menschenliebe und physischen Regeneration. Man könnte schwerlich hier, den Enthusiasmus und das Glück beschreiben welche diese gute Nachricht bei den Direktoren, den Schülern und auch bei den meisten Gemeinden hervorgerusen. Unter den Briefen, die der Frau Baronin Hirsch von allen Seiten zugegangen sind, geben einige in reizender bis zu Thränen rührenden Worten die Dankbarkeit der armen Kleinen wieder, die sich vielleicht zum erstenmal in ihrem Leben satt effen durften. In mehreren Gemeinden suchte man eine Ehre darin, den edlen Gedanken der Wohlthäterin durch Thaten zu beantworten; man hat sich bemüht an Ort und Stelle Mittel aufzutreiben, um die Zahl der kleinen Pensionäre zu vergrößern, oder das Menu zu verbessern; es bieten sich Damen als Köchinnen, um die Kosten zu sparen, anderwärts liefern sie täglich eine gewiffe Menge Fleisch; der Eifer ist ein allgemeiner, und dieser Erfolg hat bei der Baronin Hirsch große Befriedigung hervorgerufen. Die Direktoren ihrerseits sehen einen ihrer größten Wünsche erfüllt; sie sehen sich in ihrer so schweren Aufgabe unterstützt und sie werden alles daran setzen, ein so unendlich wohlthätiges Werk zu unterstützen. England. London. (Daß eher die Christen als die Juden eine Blutfehde aufrecht erhalten), will der berühmte englische Schriftsteller I. Zangwill im Londoner „Daily Chronicle" Nachweisen. In einer Rezension bringt Zangwill einen Beitrag zur Geschichte des Blutmärchens aus seinem eigenen Leben: „Als ich sieben Wochen alt war — wir lebten in Bristol —, war meine Mutter genöthigt, mich für einen Tag ganz der Aufsicht eines christlichen Kindermädchens von 16 Jahren zu überlaffen; doch wurde sie ängstlich und kehrte plötzlich und viel früher zurück, als man erwartete. Sie traf das Mädchen auf der Straße, das ihr die Versicherung gab, ich schliefe ruhig. Doch bestand meine Mutter darauf, sich persönlich davon zu überzeugen, und als sie in das Zimmer trat, fand sie mich erbärmlich schreiend in der Wiege, den Kopf mit einem Kiffen zugedeckt, das Gesicht ganz blau, den Mund voll Blut. Das Mädchen gestand hernach, daß sie,umden Tod des Stifters der chr. Religion zu rächen, mit einer Radel dasZeichen des Kreuzes auf meine Zunge eingeritzt hätte. Das Interessanteste an der Sache ist, daß sie sich an einem Jom-Kippur ereignete. Um den Tag im Tempel zubringen zu können, hatte meine Mutter mich dem Kindermädchen überlassen; wäre sie nicht früher zurückgekehrt, so hätte ich wahrscheinlich heute nicht das Vergnügen, dieses Buch zu recensiren. Die Handlungsweise des ungebildeten, unwissenden Geschöpfes ist verständlich und verzeihlich. Um chretwillen das Christenthum des systematischen Kindermordes anzuklagen, wäre ebenso ungerecht, wie die Blutanklage, wenn irgend ein Jude gar wirklich irgend ein christliches Kind getödtct hätte." vermischtes. Süd Afrika Bei der Preisvcrtheilung des South African College, der Universität von Süd-Afrika, erhielt ein jüdischer Student, Morris Alexander, den ersten Preis, die goldene Medaille, für seine Leistungen in dem philosophischen Fache. Außerdem erhielten noch H. G. Lewis und R. Levy Preise. Der Preisvcrtheilung präsidirte der Sprecher des Parlamentes der Kolonie und nach englischer Sitte hielt er bei dieser Gelegenheit eine Rede, in der er seine Genugthung darüber ausdrückte, daß jetzt auch wieder Hebräisch in die Kurse des College ausgenommen sei. — In Ondtshorn hat Mr. A. B. Balenzki eine Leichenhalle aus seine Kosten einrichten lassen und der jüdischen Gemeinde geschenkt. Diese will auf ihre Kosten ein Schulgebäude bauen und hat zu dem Zweck schon 4000 Mk. gesammelt, mit welcher Summe und mit entsprechender Unterstützung seitens der Regierung sie auszukommen hofft. Bprechsaal. Ist es nothwcndig, daß der üfW theoretische Kenntnisse von den Thierkrankheiten hat, welche die moderne Wissenschaft als übertragbar auf den Menschen durch Fleischgenuß erklärt, oder haben die in der Praxis Gelegenheit genug, diese Thierkrankheiten kennen zu lernen. Ich

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