Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 38 (1897)
- Issue
- Heft 11 (8.2.1897)
- Date
- 1897-02-08
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
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r llXTBI, Jahrgang. Leilayr M M 11 des „Israelit". Zeitungsnachrichten und Correfponderrzerr Deutschland. Berlin. Der vor Jahresfrist hier gegründete „Vereiil selbstständiger jüdischer Handwerker" entfaltet eine gedeihliche Wirksamkeit. Wie ans dem soeben erschienenen Jahresbericht zu entnehmen ist, gehören ihm bereits 16<> Mitglieder, und zwar aus den verschiedensteil Zweigen des Handwerks an, darunter Schlosser, Tapezierer, Maler, Buchdrucker, Tischler, Sattler, Klempner, (Glaser, Bürstenmacher, Buchbinder, Barbiere u. a. Der Zweck des Vereins ist ein zweifacher, einmal die Förderung des Handwerks unter den Inden, sodann die gegenseitige Unterstützung in Nothfällen. Hamburg, im Jan. Merkwürdig ist, das; in bcn vieleil Berichten über hiesige Gemeindezustände, selten oder garnicht von der Thätigkeit die Rede ist, welche die Portugiesisch-Jüdische Gemeiilde Hierselbst entfaltet. Um so mehr wurde es mit lebhafter Freude begrüßt, das; hier vor Kurzem ein Vortrag über diese interessante und in ihrer Art einzig dastehende Gemeinde Deutschlands abgehalten wilrde und werde ich Ihnen demnächst ausführlich darüber berichten. Die Gemeiilde steht, wenn mall bereu Mitgliederzahl in Betracht zieht, noch lange nicht ans dem Aussterbeetat. Aber auch abgesehen voll derverhältnißmäßig inlinerhiil sehr kleinen Seelenzahl, entwickelt die Gemeiilde gerade in letzter Zeit eine Rührigkeit, die den Gedanken einer Auflösung garnicht aufkommen läßt. Reben dein Vorsteher Herrn I s a a e (5 a s s u t o, der sein Amt in mustergültiger Weise verwaltet, ist es ganz besonders Herr Jacob Lohe n, Stiftungsrabbiner der Portngiesischcil Klause in Altona, der durch seine fesselnden Vorträge die ffeiue Gemeinde für nrn und n-nsy begeistert. Ls ist dieses um so mehr anzuerkeilnen, als Herr Jacob (Lohen, wenngleich selber Portugiese, sein Domicil in Altona hat, trotzdem aber weder Wind noch Wetter scheut, allsabbatlich in Hamburg Vorträgeabzuhalten. Nicht in der Synagoge alleiil, auch außerhalb derselben ist Herr Jacob Cohen eifrig bemüht, bei der Jugend Interesse für 'kt und 'rn •rs'b zu erhalten und zu fördern. Erwähnt sei noch, daß der vor einigen Jahren aus Amsterdam — daselbst eristirt bekanntlich eine große Portugiesisch-Jüdische Gemeinde — herberusene Chasan auch ein tüchtiger ist, wie ein solcher wohl selten sich zum zweiten Mal findet. Angesichts dieser Thatsachcn darf man im Vergleich zu den früheren Verhältnissen der Portugiesch- Jüdrschen (Gemeinden jetzt lvohl allsrufen: rsc ps Altona, 26. Jan. (Israelitischer A u sstattuilgSvereill). Vor einigen Tagen fand die jährliche Verloostuig des Israelitischen Ansstattungsvereins statt, welche für die gewinnende Neuvermählte eine Beibülfe von 1200 Mk. statutenmäßig ist. Allsnabmsweise fauben dieses Jahr zwei Verloosuilgeil statt, da durch die größere Mitgliederzahl das Capital sich gesteigert. Während im vorigen Jahre (1895) nur eitle Cillnahme voll 11'»0Mk. sich ergab, war dieselbe dieses Jabr (1806) 1900 Mk. — Dieses günstige Resultat, welches seit dem 52jährigeu Besteheil dieser Verein nicht gehabt, ist unstreitig der tüchtigen Führung seines Vorsitzenden Herrll Braunschlveiger zu danken, was and) in der Versammlung allseitig anerkannt lvurde. Jena, 4. Febr. Der hiesige „medizinische Verein" hatte am schwarzen Brett seine Statuten angeschlagen, in denen der Passus enthalten war: „Wir nehmeil Angehörge der mosaischen Religion nicht aus." Der derzeitige Prorektor Professor Dr. Linck lies; den Anschlag abnehmen. Nunmehr schlug der „medi zinische Verein" an: „Wir nehmen auf christliche Studenten deutscher Nation." Auch dieser Anschlag wurde entfernt. Auf eingelegte Beschwerde des „nredizinischen Vereills" an das Staatsministerium wurde er von diesem an den akademischen Senat verwiesen. Dieser erklärte sich für unzuständig, im Nebrigen aber mit den Maßnahmen des Prorektors einverstailden. Der „lnedizinische Vereiil" will sich jetzt beschwerdesührend au das Staatsmiuisterium wenden. Aus Baden. Im Großherzogthllm Baden erhalten die Geistlid)en der verschiedenen Confessionen bis zu einem gewisien Maximum eineil Gehaltszuschus; aus der Staatskasse, wodurch cs ermöglicht ist, auch tu kleinen isr. Gemeinden unb Bezirken dem Rabbiner eill a ng e rn essen es Fixum zu sichern. Denn in der stieget sind auf dem Lande keine diesbezüglichen Fonds vorhandeil unb es würde ohne Staatszuschuß den immer kleiner werdenden Landgemeinden schwer fallen, wenil sie außer der Ausbringung von Mitteln zur Besoldung des Lehrers, Vorsängers?c., auch noch einen dem Stande des Geistlichen entsprechend würdigen Gehalt aus eigener Kasse aufzubringen hätten. Die in ileuerer Zeit hier und da austauchenden Besorgnisse, es könnten mit dem Jahre 1899, der vom Landtage gesetzten Frist, die für Geistlichen bestimmten staatlichen Zuschüffe aufhören, scheinen nach den Erklärungen der Regierung und der nationalliberalen Partei auf dem letzten Landtage nicht begründet, lieber den weiteren Zuschuß ist etwas Endgiltiges überhaupt noch nicht bestimmt und die