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Der Israelit · 1897-02-08 · Heft 11 (8.2.1897) · page 6

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Journal
Der Israelit
Volume
38 (1897)
Issue
Heft 11 (8.2.1897)
Date
1897-02-08
Page
– (sequence 6)
Language
German
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198 Herr Rabbiner Meiß hielt eine prächtige Leichenrede, die so gut gefallen hat, daß die hiesigen politischen Zeitungen große Auszüge aus derselben bringen. Am Grabe sprach noch ein Lieutenant im Namen der Kameraden in überaus ergreifender Weise. Die ganze Feier dauerte über 4 Stunden. L. F. aus F. Rußland. Moskau (D i e Juden in Rußland.) Seit den Berathungen des Ministeriums über die Lage der Juden in Rußland beginnt sich dieselbe zu bessern. Dies geschieht freilich in dem langsamen Tempo, das hier jede Reformmaßregel ausweist, aber ein neuer und besserer Geist ist doch in dieser Richtung sehr bemerkbar. So hat die Regierung eben in einzelnen Bezirken das Gebiet, in dem Juden sich ansiedeln dürfen, erweitert, auch der Senat hat wieder ein Votum zu Gunsten der Juden verlautbart. In Kiew wurde ein Kaufmann jüdischen Glaubens von der dortigen Polizei ausgewiesen, nachdem er stch etwa sechs Wochen dort aufgehalten hatte. Ec petitionirte, ihm einen sechsmonatlichen Aufenthalt zu gestalten, die Kreisregierung in Kiew entschied, daß ein so langer Aufenthalt nicht vom Polizeimeister, sondern nur von höheren Autoritäten der Regierung bewilligt werden könne. Der Senat entschied nun dieser Tage, daß jüdische Kaufleute erster Gilde das Recht beständigen Aufenthaltes in Kiew haben, daß der Bescheid der Gouvernements-Regierung zu annulliren sei und der Petent keiner besonderen AufenthaltS-Erlaubniß bedürfe. Türkei. (ft.) Kottstantiiropel, 27. Januar. Die heute hier eingelangten arabischen Blätter aus Damaskus und Beirut bringen die Nachricht von einer furchtbaren Wetterkatastrophe, die vor einigen Tagen über die Stadt Tiberias (Tebarjeh) hereingebrochen ist und dieselbe fast gänzlich zerstört hat. In Palästina ist jetzt bekanntlich die Regenzeit, die mehrere Wochen andauert. Im Norden Palästinas gab es jedoch mehrere Wolkenbrüche und ein solcher ging auch über Tiberias und die benachbarten Ortschaften nieder. Die Fluthen verwandelten binnen wenigen Minuten die Stadt in einen See, wäbrend die Bevölkerung aus den Terrassen der Häuser ihre Zuflucht suchte. Zwei arabische Frauen, die eben vom Markte heimgekehrt waren, wurden von den Fluthen überrascht und weggeschwemmt. Auch mehrere Kinder sind ertrunken. Der Pascha von Jerusalem hat sogleich zwei Beamte nach Tiberias mit Geld und Lebensmitteln beordert und werden diese auch eine Untersuchung über den vom Wetter angerichteten Schaden anstellen. Vermischtes. Wien, ^ii Fvllw eines allerhöchsten Winkes, daß der Kaiser den Ball der Sladt Wi>n nicht besuchen könnte, wenn jüdische Mitbürger nicht «ungeladen würden, cthielten nunmehr alle Wiener Inden, die sonst cingcladen zu werden pflegten, Einladungskarten. Wien. Einen charakteristischen Beschluß hat die antisemitische Mehrheit des niedcrösterrcichischen Landtages heute gefaßt. Danach sollen die evangelischen Schulen die bisherigen Subventionen nur linier der Bedingung weiter einpsangen, daß sie keine jüdischen Kinder inchr aufnchmen. Warschau, 4. Februar. Aach offizieller Angabe macht sich in letzter Feit eine besonders alissallcndc Auswanderung der Juden aus dei'.l Königreich Polen nach Afrika bcmerkbar. Die Answandernngsbewcgung ist so groß, baß viele Gegenden buchstäblich feinen einzigen männlichen Juden mehr aufwcisrn und sich Frauen lind Kinder mit dem Handel beschäftigen müssen. Feuilleton. Woher ßubbi Mir Leichthin» Kämmte. Von R. A. 2) Als Rabbi Moscheh ganz kalt blieb und nichts daraus crlviederte, fühlte sich Rabbi Jobl verpflichtet, den Eindrltck seines Berichts noch ditrch ein paar kräftige Worte zu unterstützeli, indeni er die Möglichkeit audentete, daß noch eine solche Schlappe genügte, um den Krieg zu beendigen. Rabbi Moscheh, der seinen Freund kannte und wohl lvußte, daß cs ihm in politischen Dingen um eine Handvoll gewom neuer oder verlorener Schlachten nicht ankam, glaubte diese offenkundigen Münchhausiaden nicht besser, als durch völlige Nichtbeachtung widerlegeil zu können. Er that so vertieft in einer schweren Mahram Schiss, als ob er von alledem kein Wort gehört hätte. Rabbi Jobl deutete dieses Schtveigcn als Zeichen der Unfähigkeit dieser Macht der Thatsachcn gegenüber etwas zu entgegnen, holte triumphirenv seine Genioro, schlug sie etwas lauter aus den Tisch als er es zu thun pflegte, wenn kein Bericht einer verlorenen Schlacht vorangcgangen war, uitb murmelte halblaut zu seinem vis ä vis hinüber: ,,n' Spaß, .‘J0,ooo Todte!" Jetzt richtete Rabbi Moscheh seine klugen Augen aus seinen Freund und Berichterstatter. Um den Mund spielte ein überlegenes Lächeln, das sich schlechterdings nicht als Zeichen der Demüthigung und Niedergeschlagenheit über die preußischen Verluste deuten ließ. „Wann war eigentlich die Schlacht, von der Du da erzählst?"

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