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Der Israelit · 1897-02-08 · Heft 11 (8.2.1897) · page 7

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Journal
Der Israelit
Volume
38 (1897)
Issue
Heft 11 (8.2.1897)
Date
1897-02-08
Page
– (sequence 7)
Language
German
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199 „likum? Heute Vormittag." „Woher weiß Du deml schoit das Alles so geuatt?" „Woher? Au der Börse steht's angeschlagen; jedes Kind kann Dir's erzählen." „Dlt warst doch nicht an der Börse, woher weißt Dn's beim?" „Ich sag Dir ja, die Spatzen ans den Dächern erzählen cs." „Aus die Spatzen kann man keine Kaschjo fragen; aber wie kann ein Mensch, der seinen vollen Sechel hat, solche Rarrischkeiten für baar Geld nehmen? Ich frage nicht, wie kann inan von heute Morgen bis Nachmittag 4 Uhr 40,000 Mann tobt schlagen, so und so viel Gefangene machen, genau ausgerechnet so und so viel .Kanonen und Fahnen wegnehmen, das frage ich nicht, tveil ich noch in keiner Schlacht war uild nicht weiß, wie schnell oder langsam das geht. Aber ich frage Dich, wie hat man die Todten uub Gefangenen von beute Morgen bis jetzt nur zählen können, und bat's noch hierher telegraphieren können und Du weißt's effchor schon zwei Stunden?" Ans einen so vernichtenden Einwand war Rabbi Ioöl allerdings nicht gefaßt. Er versilchte nur einige Allsreden, um tvenigstens pro forma \id) mit Anstand ans der Patsche 511 ziehen und entgegnete: „Du weißt's jedellfalls wieder besser; turnt die Preußen gesiegt hätten wärett alle Deine Kaschjcs geentfert ibeantwortet); cs ist Schade für die Zeit, die wir mit diesem Hewel Hawolim verbringen." Mit dieselt Worten schlttg Rabbi Jo6l seine Folianten auf, nahm eine kräftige Prise, als Zeichen, daß mit dem einleitenden profanen Borpostengefecht geschlossen und das eigentliche Studium begonnett wurde. Aber Rabbi Moscheh war doch nachdenklich getvordcn. Ettvas konnte möglicherweise doch an der preußischen Niederlage seilt. Er wollte sich für den Fall eitler Bestätigung der Nachricht auf alle Fälle den Rücken deckelt und bemerkte: „Angenommen es wäre alles so, lote Dl: da sagst. England hat aber auch noch ein Wörtchen in der Sache mitzureden, und England steht fest gu Preußen." „So? uub ich sag' Dir, alle meine Sonnim sollen so fest stehen, wie das Bündrliß zwischen England und Preußen. Hast Du nicht die Geschichte von der goldenen Wiege gelesen?" „Ich weiß nicht's von einer goldenen Wiege; was ist das wieder für eine Schmno?" fragte lächelnd Rabbi Mosche, der wobt wußte, daß es sich wieder um eine Aufschneiderei halldelte, die man nicht beweisen und nicht widerlegen konnte, und mit deren Hilfe sein Partner wieder als Sieger hervorgeherl lverde. „Dlt weißt lticht was in der Welt vorgeht uub redest aber doch mit, wie eitler der Alles weiß. Also, die Prinzessin von Wales hat einen Jungen bekommen, cs ist ltoch keine acht Tage her, die Prinzessin ist noch im Wochenbett. Als die telegraphische Nachricbt nach Berlilt kam, hat ihr die Königin voll Preußen sofort durch einen Courrier Massol tof sagen lasten und hat ihr als Kindbettgeschenk eine goldene Wiege geschenkt. Und was meinst Du, was sie in London gethatt haben? Mit nmgewandter Post haben sic die Wieg' wieder nach Berlin geschickt! Da hast Du die Freundschaft zwischen England und Preußen. En Ehidusch, daß Preußen gern mit England gut stehen möcht', aber England will von Preußen nichts wissen." Die Münchhaufiade war llun })iabbi Moscheb doch zu bunt. „Woher weißt Du denn wieder diese Maase? die dürfte im Iemach David stehen." „Was' im Zemach David? In allen Zeitungen ist sie gestanden, aber Du siehst nur, was Dir in Deiner Politik paßt; von Politik kann man mit Dir nicht redctl. Wir wollen jetzt lernen." Und sie lertlteit; lvie mir sie ja bei unserem Eintritt in die Klaus antrafen. Das Stück Gemoro war schlver, Raschi nicht zu verstehen, Tosephot macht sicb ltichts wissen, aber ein Mahram Schiff war da, der schien absolttt nicht lösbar zu sein. Man wtlßte lticht, was ihn: schwierig war, uub noch weniger wußte man sich die Antwort, die er gab, zurechtzu legen. Oesterreich uub Preußen, ihre Siege und Niederlagen, England uub alle seine goldenen Wiegelt waren jetzt versunken und vergessen. Wenn Rabbi Ioöl und Rabbi Moscheh ein Königreich zu verschenkett gehabt hätten, sie hätten es leichten Herzens demjetligen gegeben, der ihnen Peschat tu dem Mahram Schiff sagte, aber so, daß beide davon befriedigt waren. Aber da der Gelehrte noch nicht geboren war, der es beiden hätte recht machen können, so versuchten sic in ihrer Weise die Schwierigkeit zu lösen. Die Politik war zwar jetzt abgethan, aber eine gewisse Gereiztheit war noch von dem einleitenden Wortgeplänkel geblieben. Deshalb war cs für jeden doppelt schwer für seine Lösung des Räthsels auch die Zustimmung des anderen zu gewinnen. Rabbi Joel hatte eine ganz neue, von Raschis Erklärting abweichende Auffassung des schwierigen Themas versucht. Aber kaum hatte er begonnen, so fiel ihm Rabbi Moscheh in die Rede mit dem bloßen Wort: „Chalaumcs!" „Laß mich nur einmal wenigstens ausreden." „Ich weiß schon, lvo Dlt hinatts willst, es sind Ehalaumes." „UndI wenn es Ehalaumes sind, so höre ein-

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