Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 38 (1897)
- Issue
- Heft 11 (8.2.1897)
- Date
- 1897-02-08
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/2446951-2448705-2448717--43341-2492385- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
. MVMWWMWWM! 195 gleichen. Der aufmerksame Beobachter wird dann von selbst auf die Unsumme von Wahrheitswidrigkeiten geführt, die auf diese harmlose Weise gedankenlos produeirt wird und dann!vie jede Lüge zur Verdunkelung der Wahrheit im allgemeinen und der Wahrheiten des Judenthums insbesondere inlnier inehr uub mehr führt. (Schluß folgt.) Zeitungsnachrichten und Correspondenzen. Deutschland. Berlin. (I s r a e l i t i s ch e r M i e t h e - Hilfs- Verein). Das 25. Stiftungsfest vereinigte am 27. Januar eine stattliche Anzahl der Mitglieder, Freunde und Gönner des Vereins, der im ersten Vierteljahrhundert seines Wirkens Großartiges geleistet und tausende armer jüdischer Familien vor denk größten Elend geschützt hat. Das Concert des Philharmonischen Orchesters unter Pros. Manstädt bot wie immer Ausgezeichnetes, und besonders war die Auswahl des Programms der Feierlichkeit würdig angemessen. Aus die Sololeistungen der Herren Violinvirtuosen Coneertmeister Witek (Violine), Simon van Beuge (Cello), Otto Müller (Harfe) erübrigt es nicht näher einzugehen, da dieselben in unserer Stadt durch die Tagesblätter genügend als Künstler ersten Klanges gekannt sind. Da§ Publikum spendete diesen Herren und der Coneertsängerin Frl. Willy Arendts stürmischen Beifall. 'Den Glanzpunkt des Abends bildete die Ansprache des Herrn Dr. Hirsch Hildesheimer, der ein von Herrn Dr. I. Lehmann verfaßter und von Frl. Normanu, Mitglied des Theaters des Westens, zum Vortrag gebrachter Prolog voranging. Herr Dr. Hildesheitner, dessen Beredsamkeit in den hiesigen jüdischen Kreisen zur Genüge bekattitt ist, schilderte in schwungvoller Rede die Ziele und Zwecke des Vereins, forderte in warmherzigen Wortett auf, die wahrhaft edlen Bestrebungen desselben durch Rath und That zu unterstützen und dankte im Namen des Vorstandes allen denen, die in Liebe und Treue an dem Werke der Barmherzigkeit und Bruderliebe mitgearbeitet haben. Zum Schlüsse seiner Ansprache bemerkte Redner, cs sei ein merkwürdiges Zusammentreffen des 25.Stistungstagesdes Vereinsmit dem Tage, an dem der deutsche Kaiser, der Schirmherr des Friedens, seinen Geburtstag feiert. Mit dem begeistert aufgcnoulmenen Rufe, Se. Majestät Kaiser Wilhelm II., Er lebe hoch! schloß Herr Dr. H. Hildesheimer seine herrliche Ansprache. Hierauf wurde die Nationalhymne gespielt, die stehend mitgesungen wurde. Ein Ball vereinigte bis zuni frühen Morgen die tanzlustige Jugend. Es ist wohl anznnehmen, daß dieses schöne Fest dem Vereine einen namhaften Ueberschuß für seine Armen und Nothleidenden abwerfen wird. Wie er in den 25 Jahren seines Bestehens so manche Thräne getrocknet hat, so möge es ihm auch vergönnt sein, im nächsten Vierteljahrhundert unter der verdienstvollen Leitung seines Vorstandes Edles und Gutes zu wirken zur Ehre des jüdischen Namens. In der Gruppe X. und X. 0. des „Central- Vereins deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens" sprach am Montag Abend Herr R. Wohlberg über das Thema: „Die Juden und die National-soziale Partei." Im Anschluß an den zur Vorlesung gebrachten Brief des Realschullehrers Marx und des Antwortschreibens des Pfarrers Naumann suchte Redner durch das Programm der national-sozialen Partei und durch die in seinen: Briefwechsel sich anschließenden Meinungsäußerungerl verschiederrer Parteimitglieder nachzuweisen, daß die Inder: gut darar: thur: würden, der neuen Partei gegenüber eine abwarterrde Stellung einzunehmen, da ir: derselben vorläufig noch viele antisemitische Elemente vorhanden seien, die dem Juden eine prakische Mitarbeit bzw. einen formellen Arrschluß an die neue Partei zur Zeit rroch unmöglich machte::. In der Diskussion wurde dieser Standpunkt von allen Rednerr: getheilt. Büren (Wests). Von hier wird der „M. Volksztg." Folgendes geschrieben, das die Runde durch die Presse macht: „Am vorletzten Dienstag kam der Kausmanrr Moses Aronstein in Berlin unter einen Wagen der elektrischen Straßenbahn und war sofort eine Leiche. Damit ist gewissermaßen eine große Tragikomödie zirm Abschluß gekommen. Moses Aronstein wurde vor 45 Jahren in Büren als Sohr: jüd. Elterr: geboren, besuchte die jüd. Schule und danach eine höhere Schule, aus welcher er sich die Berechtigung zum einjährig-freiwilligen Dienst erwarb. Daraufhir: wurde er Kaufmann. Er genügte später seiner freiwilligen Dienstzeit und wurde nach Jahren sogar Offizier der Reserve. Später tvurde er für irre erklärt und kam in die rheinische Irrenanstalt Siegburg. Man hörte lange Jahre nichts mehr von ihm, bis es vor einiger! Jahren hieß: Moses Aronsteiu ist nicht mir katholisch geworden, sondern sogar katholischer Priester und zwar in Jerusalem. Wirklich erschien einige Zeit darauf der katholische Priester aus Jerusalem, jetzt Joseph Stein (Viesen Namen hatte er nach seiner Taufe bekommen) in verschiedenen westfälischen Städten, z. B. auch in Paderborn, sowie in seiner Vaterstadt Büren im Talare eines deutschen katholischen Priesters, jedoch mit einem langen, schwarzen Vollbart. Er las ir: Büren die Meffe, predigte, trug bei der Frohnleichnamsprozession das Allerheiligste usw. Wieder vergingen mehrere Jahre, da verlautete neuerdings: der katholische Priester Rektor Joseph Stein in Jerusalem, ans Büren ge-