Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 38 (1897)
- Issue
- Heft 11 (8.2.1897)
- Date
- 1897-02-08
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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UM hcit und dem Wort der Thora näher zu treten? Vor lauter archäologischen, philosophischen, philologischen und historischen Studien finden fie keine Zeit und Muße zum Studium der Thora. Und glücklich, wenn sie diese Zeit nicht finde». Finden sie dieselbe ja, müssen sie von ihren Meistern hören, daß Halacha le Mosche Mi-Sinai gar nicht vom Sinai stammt, daß man Verfasser und Abfassungszeit ganzer Bücher der Thora noch nicht kennt. Ist dann ihre Unkenntnis; der Thora nicht dieser Discrediticung un) Fälschung vorzuziehen? Und die so in Zweifel, in Unwahrheit und Unglaube Erzogenen sollen nun aus den Hörsälen der Asterwisienschaft heraustreten und als Rabbiner die Gemeinden erziehen! Ist cs ein Wunder, daß sie von den Gemeinden erzogen werden, daß sie sich den Neigungen und der Laune der großen Masse fügen, daß sich an ihnen das alte prophetische Wort bewahrheitet cTnn rx rr fxtfn xbn „Die Schafe führen und weiden die Hirten?' Sie leugnen die Göttlichkeit der Thora und treten dennoch an ihre heiligen Rollen vor der versammelten Gemeinde hin. Die Heuchelei und der Pfaffentrug ist ihnen so zur zweiten Natur geworden, daß ihnen keine Wimper zuckt, wenn sie pathetisch und salbungsvoll die Beracha sprechen. "itrx .m:rn fri; ’n nrx -pa rax min ':b fr; itrx c'oyn ^22 ::a -.na Sie nennen mit dem Munde Gottes Gesetz rax r^r und verleugnen es in ihrem Denk, u, Thun und Lasten, indem sie unbeschuitteue Knaben einsegnen, vor Gott verbotene Ehebündniste vollziehen, kurz thun, was Gott verboten und lasten, was Gott geboten hat. Sie nennen sich Rabbiner und lachen über die Rabbinen, sie erklären öffentlich den Talmud als die Quelle ihre? R.ligion, und lasten keine Gelegenheit vorüb.r gehen ohne Steine und Sand in diese Quelle zu werfen. Ist aber erst die Quelle unserer Wahrheit durch die Lüge in der Weise getrübt, daß statt der r-rr rök eine npr r*rr sich in unseren Reihen Geltung verschafft hat, dann muß das ganze Leben, das aus dieser Wahrheitswidrigkeit erwächst, auf Schr'tl und Tritt von Täuschung und Falschheit, Verkehrtheit und Vernunftwidrigkeit zersetzt sein. Den Spuren dieser Wahrheitswidrigkeil, wie sie sich im jüdischen Leben manifestirt nachzugehen und sie auch nur flüchtig zu skizzircn, würden für ihre Darstellung Bände fordern. Wenn die Thora falsch ist, die der Lehrer, der geistige Führer, der Rabbiner der Gemeinde gelernt hat und nun weiter lehrt, dann wird das ganze praktische jüdische Leben der Gemeinde wahrheitswidrig und falsch. Wenn eine jüdische Gemeinde einen solchen Mann an ihrer Spitze hat, der sich selb.r über das hinw gsetzt, wozu er die anderen durch Wort und Thal anspornen sollte, so hat sie in Wirklichkeit keinen Rabbiner, sondern nur einen in Talar, Barett und Bäffchen sich spreizenden Redekünsiler. Das weiß jedes einzelne Mitglied der Gemeinde. Wer aber diese Wahrheit nur frank und frei ausspricht, der wird als intolerant und fanatisch verfehmt, während der Trug, der unser Gemeindeleben vergiftet, als höchster Ausbund aller Toleranz und Friedensliebe gefeiert wird. Unter dem Regime dieses falschen Friedens büßt das Gemeindewesen täglich mehr und mehr seinen jüdischen Charakter ein. Neben mr, sind n-nayunb oncn n^a; die Säulen, welche die große Menschenwelt tragen, aus welchen aber vor allem die jüdische Gesammtheit und in dieser der Bestand jeder einzelnen Geineinden ruht. In Wirklichkeit sind aber irraj? und D'rcn nfr-ci nur Conscguenzen der nur Wenn die in der Gemeinde gelehrte nur wirklich die göttliche ran rur ist, dann ist auch der in der Gemeinde thätige Gottesdienst, und die von ihr gepflegte thätige Menschenliebe raxa rrraj,* und rcx bv onan r.'d'v;. Im andern Falle sind alle Institutionen nur dem Namen nach, nur zum Schein da und halten nicht das, was sie versprechen. Wenn der Rabbiner kein Rabbiner ist, weil er nicht voll und ganz auf dem Boden der rax rrr steht, sind seine religionsgesetzlichen Entscheidungen, Entscheidungen, die Ehen, die er schließt und löst, sind sie nicht bxia^ nra rna verbunden und geschieden? die nana», in Händen von Schochlim, die von solchen Nabbinen autorisirt sind, ist sie nicht 762;, die Mazzos, der Wein, die Mikwa, die Schule, kurz alle zum rrnayn nwt pitra erforderlichen Institutionen des praktischen, jüdischen Lebens sind sie nicht fletrirt, gefälscht und entsprechen sie ihrer Bestimmung? Wer vermöchte die Ausgeburten der Unwahrhaftigkeit alle nach Gebühr zu würdigen, die ihre Entstehung lediglich dem Umstand verdanken, daß das Wort, das absichts- und gedankenlos gesprochene Wort sich dadurch nicht fern von der Lüge hält, daß es Gedanken und Anschauungen, die in andern Kreisen ihre Berechtigung haben, nun auch unbesehen auf jüdische Verhältniste und Zustände angewendet werden, mit welchen sie ihrem innersten Wesen nach nichts gemein haben. Es entsteht dadurch eine Confusion der einfachsten Begriffe, deren Richtigstellung nur angcbahnt werden kann, wenn man dieser wahrheitswidrigen Bezeichnung bestimmter Begriffe auf den Grund geht. Eine Darstellung im Rahmen dieser Aufsätze kann die ganze Unmasse hierhergehöriger Wahrheitswidrigkeitcn so wenig alle erschöpfend behandeln oder auch nur aufzählen, wie der tadelloseste Staubbesen die Wüste Sahara auszufegen vermöchte. Aber der Hinweis auf einige eklatante Fälle dieser geistigen Falschmünzerei, dürfte denkende Leser anregcn, das Gepräge ihrer Gedanken, wie es im gesprochenen Worte zum Ausdruck gelangt, mit dem inneren Gedankengehalt prüfend zu ver-