Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 38 (1897)
- Issue
- Heft 10 (4.2.1897)
- Date
- 1897-02-04
- Page
- – (sequence 20)
- Language
- German
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188 / "Vi •*Z/a*-t, st ,v r sprossen, der dem Russen ein Abscheu ist. Er war vielleicht von ähnlichen Gefühlen gegen seine Stammesgenossen beseelt und haßte sie bitter. Aber nun stand sie da die Erinnerung an seine erste Kindheit, an die Stätte, wo seine Wiege gestanden, an dem Augenblick, wo er gewaltsam aus den Armen seiner Mutter gerissen worden, und nahm um so mächtiger von ihm Besitz, als sie durch eine lange Reihe von Jahren in seinem Innern geschlummert hatte. Wahrend Maria Petrowna die Reise nach Modlin fortsetzt, fährt er in feiner Equipage nach Bialystock. 'Ein glänzender Empfang wird ihm seitens der Militärbehörde bereitet. Niemand ahnt seine Vergangenheit und was in seinem Inneren vorgeht. Unerkannt und im Geheimen zieht er Erkundigungen nach seinen Eltern ein, erfährt, daß sie noch am Leben sind und läßt die Mutter vor sich kommen. Diese erkennt ihn augenblicks, denn das treue Mutterauge sieht zu scharf. Ueberwältigt von Freude und Schmerz, sinkt sie ohnmächtig zu seinen Füßen nieder. Da geht plötzlich eine Wandlung mit ihm vor, vergleichbar der mit Saulus von Tarsus auf seiner Reise nach Damaskus, nur in umgekehrter Form: Aus dem reuigen Paulus wird ein eifriger Saulus — aus Pawel Petrowitsch wieder der frühere Joseph Isaak Rabinowitsch. — Sein Entschluß steht unwandelbar fest. Glanz und Ehre und ein geliebtes Weib will er im Stiche lassen und wieder zu seinen Brüdern rechten Pfad zu leiten. Aber alle ihre Bemühungen sind erfolglos und scheitern an seinem entzündeten Glaubenseifer. Maria Petrowna konnte den Schmerz nicht überwinden und erlag demselben bald. Da er sich in den österreichischen Staaten nicht ganz sicher fiihlte, flüchtete er nach der Moldau-Wallachei. In dem Stäbchen Leova ließ er sich nieder und heirathete eine Jüdin, seine noch lebende Frau, mit der er sechs Kinder hat. und t'~nf ^3 if£, S*-'/-*- Py „J, (S''f JA * v>-vt -i ^U~ ~W zurückkehren. Doch im heiligen Rußland ist ein solcher Schritt nicht möglich. Mit Hilfe eifriger Glanbengenossen gelingt es ihm, die österreichische Grenze zu überschreiten und Brodli zu erreichen, wo er mit offenen Armen empfangen wird. Er bekannte sich offen zum Judenthum. Die jüdische Bevölkerung Brody's war lauter Entzücken und verehrte ihn wie einen Heiligen. Die russische Regierung drang auf seine Auslieferung und auch seine Angehörigen, vor Allem Maria Petrowna setzten Himmel und Hölle in Bewegung des Ungetreuen wieder habhaft zu werden und ihn womöglich wieder auf den lebte streng nach den Gesetzen Mosis. Aber auch hier war er vorden Fängen der russischen Geheimpolizei nicht sicher, und er flüchtete ein Jahr nach seiner Verheiratung nach Paris. Dieser merkwürdige Fall beschäftigte damals die gesummte Judenheit Europa's. Wie abstoßend auch die Konsequenzen waren, zu denen er führte, so erblickte doch die gebildete jüdische Welt in ihm einzig und allein ein unglückliches Opfer zarischer Barbarei, dem sie ihre Sympathie zuwenden zu müssen glaubte. Männer, wie Cremienx, Fould, Rothschild, Montefiore, die Mitglieder der Alliance Israelite Universelle ja man kann sagen die gesammte geistige Aristokratie des damaligen Judenthums, statteten ihn mit Unterstützungen und Empfehlungen aus, die sich noch im Besitze des Rabinowisch befinden. Für unsere Leser von besonderen Interesse mögen die Zeugnisse von Lehmann, Hirsch und Hildesheimer sein, weshalb wir sie in photographischer Verkleinerung hier wiedergeben. Ein anderes dieser Schreiben, von dem bekannten Gelehrten und Eonsistorial-Präsidenten Albert Eohn an den Fürsten Eusa gerichtet, theilen wir der Euriosität wegen hier wörtlich mit: Paris, le 5. Juillet 1861. Consistoire Israelite I)e la Circonsription de la Seine. Object de la lettre: A Son'Altesse. Jean I Couza, Prince des Principautes reunies de Moldo-Vollachie. ALTESSE! Le sort du sieur Joseph Isaac, qui aura rrJ' A