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Der Israelit · 1897-02-04 · Heft 10 (4.2.1897) · page 10

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Journal
Der Israelit
Volume
38 (1897)
Issue
Heft 10 (4.2.1897)
Date
1897-02-04
Page
– (sequence 10)
Language
German
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m T?r.- , ..^|| . -»•' - - ^--, m'W r^gw.'-H»agwpi4 178 vorchristlichen Zeit unter den alexandrinischen Juden allgemein verbreitet, wie aus P h il o und I o seph us mehrfach erwiesen ist. Damals propagirten die Juden die mosaische Lehre unter den Griechen und in Hellen Schaaren strömten ihnen die Proseliten zu. Auch damals wurde den Convertiten blos der Glaube an die Einheit Gottes und die Annahme des jüd. Moralgesetzes zur Bedingniß für den Uebetritt ins Judenthum gemacht, ohne alle Verbindlichkeit des Ritualgesetzes. Und was war die Folge davon? Diese Propagandisten waren unbewußt die Vorläufer und Vorarbeiter des nachmaligen Christenthums, dem sie die Wege in die breiten Volksschichten des Heidenthums ebneten; denn das ursprüngliche Christenthum war auch nichts anders als ein Judenthum ohne Ritual- und Ceremonialgesetz, das sich vom wirklichen Judenthum nur dadurch unterschied, daß eS die Messianität ihres Stifters proklamirte, mit dem Aufgeben des Religionsgesetzes aber fiel es vom Judenthum gänzlich ab. Auch der Streit zwischen den Saduzäern und Peruschim galt nichts anderem als der Beibehaltung oder Außerkraftsetzung des religiösen Ceremonialgesetzes, und wir sollen heutzutage ein solches Ziel anstreben, mit welchem der jüdische Nationalstaat so jammervoll geendet ha!?! Denn gesetzt, es gelänge das Ziel zu erreichen und durch die Preisgebung des jüdischen Rituals die Mafien für das Judenthum zu gewinnen, so wäre das Schisma unausbleiblich und eine gründliche Scheidung zwischen „Jung-Jsrael" und dem rabbanitischen Judenthum würde sich bald vollziehen, weil es immer Menschen geben wird, die das Bedürfniß haben werden, ihre religiöse Neigung durch Symbole zu bethätigen. Wir, Alt-Israel, stellen uns die messianische Zeit andere vor. DaS Judenthum wird stets so bleiben, wie eS ist, es wird mit seinen Ceremonialgesetzen bestehen, bis ans Ende der Tage. Auch die Völker der Erde werden sich nicht zur jüdischen Religion bekennen. Hingegen werden wir als cro roVee als Priesterreich Gottes eine Ausnahme von den übrigen Völkern bilden; die Ausnahme, daß wir in Allem verbunden und verpflichtet sind, das Gottesgesetz ganz zu erfüllen, das Erbe unserer glorreichen Väter zu hüten und zu bewahren, ein vrnp r: heiliges Volk zu sein. Alle Völker der Erde werden uns als 'Ti & das Volk Gottes anerkennen, das von Gott von allen Nationen erwählt wurde, seine heilige Thora zu empfangen, der Welt das Heil zu lehren und zu künden; sie werden einsehen und erkennen, daß sie den Glauben an einen Gott, die Grundlagen der Moral und Sittlichkeit, alles Gute und Edle und das, was sie zu guten und edlen Menschen macht, dem Judenthum, dem Gottesvolke zu danken haben. und sie werden es nach Gebühr achten, hochschätzen und verehren. Das ist die Hoffnung „Alt- Israels." Rabb. H. Galan baue r. Zeitungsnachrichten und Correspondenzen. Deutschland. Köln, 2. Febr. Im Verein für jüdische Geschichte und Literatur hielt Herr Di', med. Wallach aus Jerusalem einen hochinteressanten Vortrag über „Die Juden in Jerusalem." Der Redner, ein geborener Kölner, welcher seit mehr als 6 Jahren eine überaus segensreiche Thätigkeit als Arzt in der heiligen Stadt ausübt, ist ein genauer Kenner der Lage unserer Glaubensgenoffen, und ist es wohl diesem Umstande zu verdanken, daß der Vereinssaal bis auf den letzten Platz gefüllt war. Mit Entschiedenheit trat der Redner den ausgestreuten Verleumdungen entgegen, daß die Juden in Jerusalem arbeitsscheu wären und nur betteln wollten. Daß dieses nicht der Fall ist, beweist schon allein die Thatsache, daß das ganze Handwerk in Jerusalem ausschließlich von Juden betrieben wird; aber auch für den Ackerbau zeigen die Juden Jerusalems große Lust und Liebe und bewähren sich überall da, wo ihnen die Mittel dazu gegeben werden. Ganz in der Nähe von Jerusalem befindet sich das jüdische Dorf „Colonia" mit dem biblischen Namen „Mozah" dessen Bewohner durchweg Juden aus Jerusalem sind, die Alle fleißig den Boden bearbeiten. Die ausführlichen Mittheilungen über Colonia waren ganz besonders interessant, da diese Colonie unter dem Schutze des hiesigen Vereins zur Unterstützung und Förderung der jüdischen Ackerbaukolonien in Syrien und Palästina steht. Aber auch in der Colonie „Pethach Tickwa" sind viele Juden aus Jerusalem als Ackerbauer und Tagelöhner thätig. Die jetzt in Jerusalem herrschende große Armuth und die fürchterliche Noth unter den jüdischen Bevölkerung ist nur dem einen Umstand zuznschreiben, daß in den letzten 8 Jahren ca. 17,000 arme jüdische Emigranten, zumeist aus Rußland verjagt, in der heiligen Stadt eine Zufluchtsstätte suchten. Die Nachfrage nach Arbeit entspricht bei Weitem nicht dem Angebot, und die Löhne sind so gedrückt, daß sie selbst für den permanent beschäftigten Arbeiter kaum zum trockenen Brot hinreichen. Ergreifend war es, als Redner die Wohnungen der armen Leute schilderte. In finstern Kellern, ohne Luft und Licht, besteht die Einrichtung aus einigen alten Holzkiften, die als Bett Tisch und Stuhl dienen. Zufrieden sind die Meisten schon, wenn sie ein Stück Brod zu ihrer Mahlzeit haben, und überglücklich diejenigen, die eine Frucht oder eine Zwiebel dazu erschwingen können. Abgehärmt

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