Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 38 (1897)
- Issue
- Heft 10 (4.2.1897)
- Date
- 1897-02-04
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
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179 und verhungert, in Lumpen gehüllt, so scheu die Enkel der einstigen Herren desselben Landes aus.' Selbst am Sabbat besteht die Mahlzeit zumeist nur aus Brod; und dennoch sind die armen Leute an diesem Tage kaum zum Wiedcrerkennen. Ihr unbedingtes Gottvertrauen, ihre große Bescheidenheit und ihre wahrhaste Frömmigkeit, ermöglichen diese Verwandlung. In Wirklichkeit sind die armen Menschen dort vielleicht die Zufriedensten der ganzen Welt, solange nämlich als keine Krankheiten im Hause einziehen; dann aber ist das Elend unbeschreiblich. Ohne jegliche Pflege, ohne Lnft und Licht — die Hauptbedingungen für eine Genesung — kann der Arzt, kann Medicin auch nicht helfen, und so wälzen sich diese armen Leidenden auf einer mit Lumpen bedeckten Kiste in den schrecklichsten Qualen — Wer, rief der Redner sittlich bewegt aus, kann unter solchen Umständen den armen Menschen verdenken, wenn sie in dieser Roth die Hilfe der englischen Mission in Anspruch nehmen, die geräumige Krankenhäuser — mit streng ritueller Küche — unterhält, aber nur um Seelen zu fangen. Sind doch die meisten Judentaufen auf diese Weise zustande gekommen. Das, was die Glaubensgeroffen der ganzen Welt für die armen Juden in Jerusalem thun, ist ja viel, reicht aber bei Weiten: nicht aus. Die Unterstützung beträgt 20 Francs pro Jahr und Kopf und nicht mehr. Die 3 jüdischen Krankenhäuser mit zusammen ca. 180 Betten reichen für die 30,000 jüdische Einwohner, von denen ca. 27,000 also '-'ho der Bevölkerung, ohne Unterstützung nicht existiren können, bei Weitem nicht aus. Nur eine dauernde Hilfe giebt es für die armen Juden in Jerusalem, nämlich die Kolonisation und die damit verbundene Industries Je mehr die Kolonisation an Ausdehnung gewinnt, destomehr schwinden die Armen, destomehr schwindet die Armuth aus Jerusalem. Vorläufig aber müffen Krankenhäuser geschaffen werden, die sind jetzt am dringendsten nöthig. Dieses hat man auch schließlich eingesehen und Dank der Wohlthätigkeit unserer deutschen Glaubensgenossen, wird auch jetzt ein großes Krankenhaus in Jerusalem errichtet. (Wie wir noch hinzufügen wollen, ist das Zustandekommen dieses großes Werkes in erster Reihe Herrn Dr. Wallach mitzuverdanken, der die ganze Zeit seines Aufenthaltes tu Deutschland, seine Erholungsreise, ausschließlich diesem Zwecke gewidmet.) Jeder Jude, so schloß der Redner, der Sinn für sein Judenthnm, der Sinn für Zion hat, muß hier mithelfen. Rauschender kann: endenwollender Beifall lohnte den Redner für seinen herrlichen Vortrag, der auf sämmtliche Zuhöhrer einen tiefen Eindruck hinterließ. Der Vorsitzende, Herr Dr. Frank, dankte dem Redner und meinte, daß der beste Dank wohl der wäre, wenn sich auch hier in unserer Gemeinde ein Konnte, wie solche schon in Frankfurt, Berlin x. fi">r den Bau des Krankenhauses eziftiren, aus dem Literaturverein heraus bilden würde. Sogleich meldeten sich 10 Herren aus der Versammlung hierzu, die demnächst ihre Thätigkeit beginnen werden. Zum Schluß sprach noch Herr Dr. Frank. Anknüpfend an das im Laufe der Diskussion erwähnte Grab der Erzmutter Nahet, erinnerte er an eine Midraschftelle, in welcher erzählt wird: Als die Kinder Israels gefangen ins Exil geführt wurden, entstieg die Erzmutter Rahel ihrem Grabe und weinte über das Unglück ihrer Kinder. Da rief ihr eine göttliche Stimme zu npr, e" „Hoffe auf ein gutes Ende. Deine Kinder werden erlöst zurückkehren." Diese Worte, so führte Herr Dr. Frank in meisterhafter Rede aus, sollen wir dem scheidenden Herrn Dr. Wallach, der schon diese Woche zurück nach Jerusalem geht, als Gruß der n^a ya der Kinder der Diaspora, für unsere armen Brüder in Palästina mitgeben. Hoffen wir auch, daß der tiefe Eindruck, welchen die Rede Dr. Wallach's hinterlasscn, zu einem guten Ende führen wird. Düsseldorf, 31. Januar. Der vorigen Monat hier verstorbene Bankier D. F l e ck, alleiniger Inhaber der alten Firma Fleck und Scheuer, hat neben einer Stiftung von 500,000 M. an die Stadt Düsseldorf für gemeinnützige Zwecke aller Art und ohne daß der Unterschied der Glaubensbekenntnisse in Betracht kommen darf, zur Unterstützung von Wittwen, Waisen und anderen Hilfsbedürftigen, sowie zur Beihilfe an begabte Personen, welche sich der Wissenschaft, Technik oder Kunst widmen, ein Legat von 300,000 Mark der jüdischen Gemeinde mit der Beftiinmung auSgesetzt, dieses Kapital zum Bau eines israelitischen Krankenhauses in Düsseldorf zu verwenden, und zwar im Stile des Asyls in Köln. Der Erblasser bestimmte ausdrücklich, daß in dieses Krankenhaus auch Andersgläubige ausgenommen werden sollen. Außerdem erhielten die Düsseldorfer jüdische Gemeinde zehntausend Mark, der Verein zur Verbreitung des Handwerks unter den Juden fünftausend Mark. Einen gleichen Betrag erhielt das erwähnte „Asyl" in Köln. Je 0000 Mark sino der jüdischen Gemeinde in Gre venbro (dem Geburtsort des Testators), dem evangelischen und katholischen Krankenhause zu Düffeloorf zugewiesen worden. Breslau, 28. Jan. Im Alter von 76 Jahren hat Oberstlieutenant a. D. H. v. Blankenburg, der ehemalige Redakteur der „Schlesischen Ztg.", in so völliger Vergessenheit sein Leben beschlossen, daß selbst ein früheres Blatt mit wenigen Zeilen des Nachrufes sich abfinden konnte. Er war einer der Väter der berüchtigten Antifemiten-Petition v. I. 1878, welche die Judenhetze in Deutschland cinleitete. Die „Schles. Ztg.", welche in der Conflictszeit die erste