Mannheim
Compact Memory

Der Israelit · 1897-02-04 · Heft 10 (4.2.1897) · page 5

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
38 (1897)
Issue
Heft 10 (4.2.1897)
Date
1897-02-04
Page
– (sequence 5)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/2446951-2448705-2448716--43316-2492359
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

5 entity mentions

173 tiger Mathenratiker, der in dieser Wissenschaft verschiedene Werke verfaßte. Um ein gemeinverständliches Beispiel zu geben, zeigte der Vortragende den Weg, wie Jbn Esra die sogenannten vollkommenen Zahlen, bei denen die Theilungsprodukte gleich der ganzen Summe ist, ltub die magischen Quadrate berechnete. Die Quadratur des Kreises, ein Problem, das bis auf unsere Tage zahllose Mathematiker beschäftigte, wurde auch von jüdischen Gelehrten versucht. Doch schon Maimonides schreibt, daß dieses Problem eine vollkommene Lösung nicht gestattet, eine Erkenntniß, die erst in unserer Zeit unwiderleglich dargethan wurde. Der pytagoräische Lehrsatz war natürlich den jüdischen Gelehrten geläufig und auch den Werth der Wurzel 2 haben sie annährend richtig bestimmt. Ueber die Gestalt der Erde und über den Kreislauf der Sonne herrschten theils verworrene, theils richtige Anschauungen, ja wir finden im Soharbuche eine Anführung aus dem Buche des Nab Hamnuna, die erst neuerdings das Erstaunen und die Verwunderung der Gelehrten hervorgerufcn hat. Asaria de Rossi in seinem Werke „Meor Enajim" führt diese Stelle au und sie wurde erst vor Kurzem von Professor Wackerbart in Upsala einer Besprechung unterzogen. Was Kopernikus Jahrhunderte später auf Grund seiner Beobachtungen und Berechnungen mit genialem Geiste entdeckt hat, das wird hier, wenigstens in Bezug auf unsere Erde, mit dürren Worten gelehrt: Die Drehung der Erde^ der Wechsel von Tag und Nacht, die Stellung der Antipoden und die langen Tage und Nächte an den Polen. „Die ganze Erde," heißt es daselbst 3. B. M. 4. 1, „dreht sich wie ein runder Ball, diese sind oben, jene sind unten, alle diese Menschen sind verändert in ihrem Aussehen, je nach dem Klima ihres Landes, es giebt daher immer einen Ort auf der Erde, wo es Tag ist, rvenn anderswo Nacht herrscht, hier ist es hell und dort dunkel. Es giebt auch Orte, wo es stets Tag und nur kurze Zeit Nacht ist." Die Pflege der Wissenschaft, so schließt der Redner seine interessanten Allsführungen, von denen wir nur einen kurzen, lückenhaften Abriß geben konnten, sie bildet ein festes, unzerreißbares Band, welches die Menschen einigt, mögen sie auch durch die Verschiedenheit des Glaubens und der Abstammung getrennt sein. Die Juden haben von jeher an den Fortschritten der Cultur und der Wissenschaft redlich mitgearbeitet und die höchsten geistigen Interessen gefördert. Möge es auch in Zukunft so bleiben; über das widrige uub niedrige Treiben ihrer Gegner und Verleumder mögen sie sich erheben. Durch die Liebe zur Wissenschaft, durch das ihnen angeborene Streben nach geistiger Erleuchtung und Aufklärung! Rauschender Beifall lohnte den Redner für seinen lehrreichen, anregenden Vortrag. -n- England. London. In dem großen Saale der jüdischen Freischule batte sich am Dienstag 26. Januar eine glänzende Versammlung zusammen wfuiwen, um der Ueberreichung der Adresse zu seinem siebzigsten Geburtstag an Herrn F. D. Mocatta beizuwohnen. 900 Einladungen waren ergangen und die Mehrzahl der Eingeladenen war dem Rufe gefolgt. Wie dem Komitee selbst Juden und Christen augehörten, so fanden sich auch in der Festveisarumlung Juden und Christen zusammen, um dem Gefeierten ihre Glückwünsche darzubringen. Lord Rothschild eröffnete die Versammlung mit einer herzlichen Ansprache, in der er rühmte, wie sich Mocatta jederzeit ganz und gar in den Dienst der gemeinnützigen Arbeit gestellt und seit Jahrzehnten seine ganze Thätigkeit nur der Allgemeinheit in selbstlosester Weise gewidmet habe. Dann pries Mr. William Boussillo die Leistungen des Jubilars in den Londoner Spitälern, für die Schulen und Kindergärten der Hauptstadt rc. Lord Dorchester wies auf die Sammlungen zu dem Hilfsfonds für die indischen Hungerleidendeu hin, bei denen sich Mocatta neue Verdienste erworben habe. Alsdann überreichte Lord Rothschild die prachtvoll ausgestattete Adresse. Dieselbe feiert Mocatta als denjenigen Mann unter den englischen Juden, dessen gemeinnützige Thätigkeit ihm den erste Platz in der Achtung uub der Liebe aller Juden erworben habe. Mocatta habe sich gleichmäßig als Engländer und als Jude ausgezeichnet, aber seine Liebe zu devl jüdischen Stamm und zu der jüdischen Religion reihe ihn ganz besonders würdig ben großen Ahnen an. Mocatta dankte herzlich allen Rednern und der ganzen Versammlung, er habe nicht umsonst gelebt, wenn er sich so viele Liebe und Achtung erworben habe. Der Oberrabbiner und Reverend Marks feierten den Jubilar für seine speziell jüdische Thätigkeit und mit einem kurzen Schlußwort des Lord Rothschild endete die herzerhebende Versammlung. London. In der humanitären Liga fand eine Versammlung statt, in der ein Herr Forwood die Schechita augriff. Er fand aber kräftigen Widerstand; eine ganze Anzahl Redner, jüdische Schächter ebensogut wie christliche Gelehrte und andere traten ihm auf Grund wissenschaftlicher und praktischer Erfahrung entgegen. Ein Gutachten des berühmten Lord Lister zu Gunsten der SchechtMethode wurde verlesen, und besonders verdient hervorgehoben zu werden, daß der Vorsitzende Mr. John Colam, Sekretär des großen englischen Thierschutzvereins, betonte, dieser große Verein, ebenso wie er selbst, sehe in der jüdischen Schlachtmethode keine

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.