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Der Israelit · 1897-02-04 · Heft 10 (4.2.1897) · page 4

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Journal
Der Israelit
Volume
38 (1897)
Issue
Heft 10 (4.2.1897)
Date
1897-02-04
Page
– (sequence 4)
Language
German
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172 Baues des neuen Heims Gormannstraße 3 im Jahre 1895 ruhte, 2611,701 Portionen verabreicht, darunter 1301,084 Portionen gegen Entgelt zu verschiedenen, nach dem Gebotenen abgestuften Sätzen von 25 bis herab zu 3 Psg. die Portion und außerdem 310617 Portionen ganz unentgeltlich an Arme und Nothleidende. Der tägliche Besuch der Küche belief sich während des Jahres 1896 im Durchschnitte Mittags und Abends auf ungefähr 2000 Personen, unter diesen befinden sich etwa 120 Personen, welche unentgeltlich gespeist wurden. In dem „Altenheim," in dem alte, jüdische Eheleute und alleinstehende Frauen, die einer eigenen Häuslichkeit entbehren, und in dem Mädchenheim, in dem alleinstehende junge, jüdische Mädchen Aufnahme finden, wohnten während der Verwaltungsjahres 168 Personen. Die Anstalt hat einfache, aber hell und behaglich eingerichtete Wohnzimmer, einen Speisesaal, ein Gesellschafts- und Musikzimmer und mehrere Badezimmer zu den Gebrauche der Insassen. Die Pension beträgt alles in allem für alte Leute 37 Mark, für junge Mädchen 32 M. monatlich. Gegenwärtig sind für das Heim 47 Zimmer eingerichtet, 10 für das Altenheim und 37 für das Mädchcnheim. In demselben haben 75 Personen Wohnung genommen. Der „Volkskindergarten" wurde durchschnittlich von 50 bis 60, der Volkskindcrhort von 30 bis 35 Knaben und Mädchen besucht, meist Kindern armer, Tags über außerhalb des Hauses beschäftigter Eltern. München, im Jan. Im Verein für jüdische Geschichte und Literatur hielt Herr Landtagsabgeordneter Professor Dr. Günther am 17. Januar einen Vortrag über :DieBedeutungdesmittelalterlichenJudenthums für exa kteWissenschaften und Naturforschung. Der große und schöne Saal der Mustumsgesellschaft, in welchem die Vorträge dieses Vereines abgehalten werden, war diesmal besonders gut besucht und das zahlreich erschienene Publikum folgte mit athemloser Spannung den Ausführungen des geistreichen, gewandten Redners. Es war aber auch ein Genuß seltener Art, einen Mann der Wissenschaft von klangvollem Namen, einen Gelehrten, der nicht unseres Stammes und Glaubens ist, über die wissenschaftlichen Leistungen der mittelalterlichen Junden mit unverhohlener Anerkennung sprechen zu hören. Da das Nrtheil eines solchen Mannes auch für weitere jüdische Kreise von Interesse sein wird, so wollen wir hier versuchen, aus dem reichen Inhalt des gediegenen und gelehrten Vortrages, Einiges mitzurherlen. Der Vortragende begann nach einigen einleitenden Worten mit dem Geftändniß, daß er selbst zu seinem Bedauern nicht unmittelbar aus den jüdischen Quellen schöpfen konnte, da die hebräische und rabbinische Sprache ihm fremd sei. Bei seinen Forschungen auf diesem Gebiete stützte er sich auf die Arbeiten vonZunz, Steinschneider, Güdemann, Schapiro und Wertheim und auf mündliche Auskünfte, die ihm von dem seligen Dr. Grünbaum, Rabbiner in Ansbach, wie von dem bekannten Mäcen, Abraham Merzbacher von hier, zu Theil wurden. Ungetheilte Anerkennung und Bewunderung verdient es, nach dem Vortragenden, wie die Juden, trotz aller Verfolgungen und Bedrückungen dennoch den Kopf immer oben behielten und mit unverwüstlicher Liebe die Wissenschaften pflegten. Dabei waren es nicht etwa praklische Interessen, die zu einer solchen Beschäftigung anregten, denn gerade die exakten Disziplinen, wie Mathematik, Astronomie wurden von ihnen mit besonderer Vorliebe gepflegt. Wir können uns heute gar keine Vorstellung davon machen, mit welchen Schwierigkeiten die Gelehrten und Wiffensdurstigen damals zu kämpfen hatten, welche Hindernisse zu besiegen waren, um zu den Quellen der Erkenntniß vorzuoringen. Druckwerke gab es nicht, Handschriften konnte man nur unter großen Kosten und Schwierigkeiten erlangen, da mußten die Schüler zu Füßen eines berühmten Meisters sitzen, um aus seinem Munde Belehrung zu empfangen und die „Kollegienhefte" hatten zu jener Zeit eine ganz andere Bedeutung als h<ute. Gleich den fahrenden Schülern des Mittelalters mußten auch die jüdischen Weisheitsjünger von Olt zu Ort wandern — und wie beschwerlich und gefahrvoll war das Reisen dazumal, namentlich für Juden! — um die Lehrhäuser berühmter Männer aufzusuchen. Unter den Juden Deutschlands finden wir wenige Männer, die sich dem Studium der exakten Wissenschaften Hingaben. Umsomehr verdient ein Mann hervorgehoben zu werden, Moses ben Chisvai aus Tachau in Böhmen, den man zu den Deutschen zählen darf, der in seiner Polemik gegen die rationalistischen Ansichten des berühmten Iben Esra merkwürdige Ansichten über die Bewegung der Erde kundgibt, die mit dem kopernikanischen System auffallende Berührungspunkte haben. Aehnliche Ansichten hat ein indischer Weiser schon viel früher gelehrt und es bleibt für uns ein Räthsel, auf welchem Wege diese Lehren nach einem entlegenen Winkel Europas gedrungen sein solle::. In Spanien, Italien und Frankreich war die Beschäftigung mit den eracten Wissenschaften eine viel häufigere und intensivere unter den Juden und namentlich in dem heißen Spanien traten zwei Sterne erster Größe auf, deren Namen jedem Juden geläufig sind: Abraham ibn Esra und Moses Maimonides. Sie standen auf der Höhe der zeitgenössischen Bildung und in mancher Beziehung waren, sie ihrer Zeit vorausgeeilt. Ibn Esra war ein tüch-

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