Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 38 (1897)
- Issue
- Heft 9 (1.2.1897)
- Date
- 1897-02-01
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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155 wurde auch äußerst freundlich empfangen und die *n;n fand größten Beifall, auch wurde dem Künstler 150 Gulden als Belohnung eingehändigt. Außerdem gab Carl Wilhelm Befehl, daß die m;n in einen Prachtband gebunden und der Hofbibliothek einverleibt werde. Dort wurde sie auch als seltenes Kunstwerk den durchreisenden Künstlern gezeigt. Nun begann Pinhas sich der Portraitmalerei zu widmen, und zwar mit einer Ausdauer und Liebe, daß er sich auch hierin bald außergewöhnliche Fertigkeiten aneignete. Er begab sich auf Reisen und verblieb einige Jahre in Mecklenburg, wo er sich durch seine Kunst und durch sein liebenswürdiges Benehmen viele Freunde erwarb. Es soll hier gleich bemerkt werden, daß Pinhas nicht nur ein edler Charakter, sondern auch ein ganzer Jude war; er hielt sämmtliche jüdischen Gesetze, trotzdem dies bei seinen Verhältnissen nicht eben leicht war. Er kehrte nach Ansbach zurück und wurde vom Markgrafen als Hofmaler angestellt, und zwar mit einem Gehalt von 200 Gulden?) Jedoch nicht lange behielt er diesen Posten, denn er hatte nun Gelegenheit, Carl Wilhelm Friedrich näher kennen zu lernen, und es ist oben schon erwähnt, welch' eigenartiges Wesen dieser Regent hatte. Obwohl man zu jener Zeit an einer gewiffen Despotcnwirthschaft — und dies war nicht allein im Ansbachischeu der Fall — gewöhnt war, entsetzte man sich doch über die barbarischen Grausamkeiten, welche sich Carl Wilhelm zu Schulden kommen ließ und Pinhas hatte insbesondere durch ein Vorkommniß die Lust zu längeren! Aufenthalt am markgräflichen Hofe zu Ansbach verloren. Carl Wilhelm Friedrich hatte nämlich den bekannten Jsaae Nathan, vulgo Jscherlein an seinem Hofe als „Hoffaetor" angestellt; es war dies die höchste Stufe, die ein Jude jener Zeit erklimmen konnte und wir finden an fast sümmtlichen Höfen des vorigen Jahrhunderts Hofjuden, Hoffactore re. 2C. in Funktion. Sie genossen großes Vertrauen seitens ihrer Fürsten, waren jedoch in Hofkreisen trotzdem nichts weniger wie geachtet, wenngleich sie von ihren Glaubensgenossen als eine gewisse Autorität betrachtet wurden. Dieser Hofjude Nathan war beim Markgrafen plötzlich in Ungnade gefallen und zwar, wie Lang berichtet, infolge eines Diamantenbetruges.") Trotzdem Nathan seine Unschuld betheuerte wurde er auf die Wülzburg bei Weißenburg a. Sand geschleppt, wo er seinen Tod durch Henkershand gefunden haben soll?) Auch noch verschiedene Mißhandlungen, die der 4) Sulamith, V. Jahrg. II Bd. S. 291. 5) Hacnle gicbt eine andere Ursache, weshalb N. in Ungnade gefallen ist, an (Gcsch. d. Jud. im Fürst Ansb. 92 ) 6) Auch dies stellt Haenle als unwahrscheinlich hin. Fürst Juden — meist unschuldigerweise — zukämuteü ließ, trugen nicht dazu bei, Pinhas AufenthalXuügenehm zu machen, so daß jener nun den Entschuld faßte, ein anderes Domizil zu suchen. Auch sein Vater in Lehrberg war völlig damit einverstanden, daß Pinhas Ansbach verließ und so begab dieser sich nach Bayreuth, wo damals Markgraf Friedrich residirte. Desien Hofnialer, Hien, ein wegen seines Talents und seiner Rechtschaffenheit bekannter Künstler protegirte Pinhas beim Hof und bewirkte deffen Anstellung als zweiter Hofnialer mit einem Gehalt von 400 Gulden. Markgraf Friedrich von Bayreuth war ein Förderer der Kunst und Wissenschaft und da Pinhas sich seiner besonderen Gnade erfreute, war er nunmehr mit seinem Loos recht zufrieden. Er hatte als Jüngling einem Mädchennamens Mindel, geb. Salomon, in Lehrberg versprochen, sie zu heirathen, sobald er eine sichere Existenz gefunden habe, und dieses Versprechen gedachte er nun zu erfüllen. Ein erbetener Urlaub vom Markgrafen war ihm gewährt und er reiste nach Ansbach, wo die Hochzeit mit seiner Braut stattfand. Alsbald kehrte er nach Bayreuth zurück, wo ihm Markgraf Friedrich eine Überraschung in der Weise bereitete, daß er ein Haus, das mit allen nöthigcn Mobilien ausgestattet war, für Pinhas Herrichten ließ, und diesem zum Geschenk machte; außerdem erhielt Pinhas von nun an eine jährliche Gehaltszulage von 400 Gulden. Auch die Tochter des Markgrafen, Friedrike Wilhelmine, die unglückliche Gemahlin des Herzog Carl von Württemberg nahm besonderes Interesse an ihm. Für sie malte Pinhas verschiedene Bilder, die zum Theil noch heute eristiren und die ein Beweis seines Talents sind; auf ihre Empfehlung wurde Pinhas von Friedrich dem Großen nach Berlin an den preußischen Hof berufen, um den König, dessen Brüder, die Prinzen Heinrich und Ferdinand, den Konprinzen und den damaligen Statthalter Prinzen von Dramen zu malen. Er wurde in Berlin mit größter Achtung behandelt und seine Werke fanden die größte Bewunderung. Er blieb 11 Monate in Berlin, während welcher Zeit er ein schönes, vom Hofe angewiesenes Logis bei dem dortigen, rühmlich bekannten Bankier Abraham Markuse inne hatte, woselbst er auch speiste?) Bei seinem Abschied wurde Pinhas reichlich belohnt, auch seine Reisekosten wurden ihm vergütet; auch machte ihm Friedrich der Große den Vorschlag, für immer in Berlin zu bleiben. Pinhas lehnte jedoch in Anbetracht der vielen Wohlthaten, die ihm durch Friedrich von Bayreuth erwiesen 7) In Dolms Werk über die bürgerl. Verbesserung der Juden wird (S. 293 II Bd.) erwähnt, daß in einer deutschen Stadt einem jüdischen Maler der Einritt in die Gallerten versagt wurde: es ist nicht unmöglich, daß dieser Maler mit Pinhas identisch ist, da in jener Zeit eine eigenartige Ansicht über d. Juden existirte. v[)0^