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Der Israelit · 1897-02-01 · Heft 9 (1.2.1897) · page 3

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Journal
Der Israelit
Volume
38 (1897)
Issue
Heft 9 (1.2.1897)
Date
1897-02-01
Page
– (sequence 3)
Language
German
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PflSPP «WWWWMWWWWMWWWMWWWWWMMM^MMWWWWM 151 die profanen Wissenschaften waren, in welchen die damaligen Talmudlehrer so erfahren waren, daß sie darin zu den bedeutendsten Männern ihrer Zeit gehörten? (Ich erinnere hier nur an Rabbi Elieser ben Chisma und Rabbi Jochanan ben Gudgada, die in allen Naturwissenschaften bewandert waren.) So lasset denn, ihr jüd. Eltern, dies euere vorzüglichste Aufgabe des Lebens sein, festzuhalten an dieser Thora, festzubalten durch unser frommes Beispiel, durch Beobachtung der göttlichen Gebote und vor allem durch gediegenen Unterricht euerer teuersten, von Gott anvertrauten Kleinodien, euerer Kinder in der Thora, damit sie die Träger und Erhalter, aber auch die Ueberlieferer derselben an ihre künftigen Geschlechter werden und bleiben, damit so das Wort der Schrift in Erfüllung gehe: Rabbi Elasar sagte im Namen von Rabbi Chanina' Die Gesetzeslehrer fördern den Frieden in der Welt, denn es heißt: Und alle deine Kinder werden gelehrt sein von Gott und die Glückseligkeit deiner Kinder wird groß sein." Lese nicht bonajich (deine Kinder), sondern baunajich (deine Erbauer). In welcher Reihenfolge und zu welchen Zeitabschnitten die talmudischen Fächer dem Kinde beigebracht werden sollen, das sagen uns unsere Weisen in den „Pirkei aboth." Daselbst heißt es: „Zu fünf Jahren soll das Kind zum Lesen der Thora, zu zehn Jahren zum Lesen der Mischna, zu dreizehn Jahren zur Befolgung der in diesen heiligen Büchern enthaltenen Gebote und zu fünfzehn Jahren zum Lernen des Talmud angehalten werden." Zeitungsnachrichten und Eorrefpondenzen. Deutschland. Mainz, im Januar. Ein Frankfurter Herr A. K—hn, der sich eben auf einer Geschäftsreise in Italien befindet, erhielt dort von einem Israeliten, der, wie er selbst schreibt, noch ein frommer, guter Jehudi ist, einen Artikel in italienischer Sprache mit der Bitte, denselben „einer verbreiteten jüdischen Zeitung übergeben zu wollen, welche für das gesitzeStreue Judenthum in die Schranken tritt." Herr K—hn hatte nun die Freundlichkeit uns diesen Artikel zukommen zu lassen, den wir hier in getreuer deutscher Uebersetzung in extenso mittheilen. Bei meinen wiederholten Geschäftsreisen in Italien, besonders in der letzten Zeit, habe ich mich von der schmerzhaften Wahrheit überzeugt, daß der religiöse Zerfall der Israeliten hierzulande größtentheils von ihren Rabbinern abhängt, die mit nur wenigen Ausnahmen, durch ihre Unwissenheit in religiösen Dingen und ihren großen Unglauben, die von ihnen geleiteten Gemeinden auf einen abschüssigen Weg führen, wobei sie ihnen mit ihren schlechten Beispielen und ihrer Gleichgiltigkeit vorangehen. In der That in Italien kann man jetzt schon an den Fingern einer einzelnen Hand die Rabbiner abzählen, die, wenn sie z. B. eingeladen werden, in einem fremden Hause zu speisen, die Einladung nicht annehmen, wenn sie nicht mit Sicherheit wissen, daß es dort koscher zugeht, da die meisten derselben es von der leichten Seite auffassen, und sich um die Küche und die Küchengeräthe nicht im Geringsten kümmern. Sie erkundigen sich blos oberflächlich nach dein Stande der Schechita, der Fleischbank und des Gasthauses, und so nicht nur ein Beispiel von ihrem Jndiffentismus geben, sondern zugleich auch ihrer Heerde zeigen, daß man sich um das Kaschrus keine allzugroße Sorgen zu machen braucht. Ich will hier gar nicht davon sprechen, wie sie die Sifre Thorat und andere religiöse Schriften, wie: Tephilin, Mesusoth und Ketuboth behandeln und so diese Schriften zu einer einfachen Parodie machen. Mehrere dieser Rabbiner sind wohl verheirathet und dabei auch noch jung; sie leben jedoch in Gemeinden, wo dieMikwah gänzlich fehlt und kümmern sich daher auch nicht um das Karet (rra), das ihnen bevorsteht. Auch inachen sie oft Minjan mit den Kindern, die das 13. Lebensjahr noch nicht errreicht haben. Ebenso gestatten sie, d. ß man in den Synagogen Instrumental-Musik mache und dies sogar am Sabbat und Jom-Kippur, wobei die Instrumente von Israeliten selbst gespielt werden. Fragt man dann, wie geht es in Italien zu, wenn man einen neuen Rabbiner autorisirt, so stehen Einem wahrlich die Haare zu Berge. Man gibt ganz einfach Rabbiner-Diplome für eine bestimmte Summe Geldes oder aus purem riaan (das heißt, damit der Anverwandte eine Stelle erhalt") und sogar an solche Personen, die man vor einem halben Jahrhundert kaum noch in dm untersten Klaffen einer Talmud-Thoraschule als Lehrer angestcllt hätte. Einige Rabbinats-Candidaten, die von ihren Lehrern das betreffende Diplom nicht erlangen konnten, suchten dasselbe von einem anderen Rabbiner zu erhalten, was ihnen meistens durch ihre Zudringlichkeit auch gelang. Sollen wir nun auch von den Rabbiner-Seminarien sprechen d Run so höre man, daß in denselben mit entblößtem Haupte studirt wird. Die Rabbinerdiplome giebt man den jungen Leuten, die während ihrer Studienzeit am Sabbat geschrieben haben, und die auch alles Wissens bar sind. Und die Professoren? Bar eines jeden religiösen Gefühles geben sie ihren Schülern selbst ein schlechtes Beispiel. So kenne ich eine italienische Stadt, in der ein solches Rabbiner- Seminar eristirt und wo mm die Jsreliten selbst,

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