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Der Israelit · 1897-01-28 · Heft 8 (28.1.1897) · page 10

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Journal
Der Israelit
Volume
38 (1897)
Issue
Heft 8 (28.1.1897)
Date
1897-01-28
Page
– (sequence 10)
Language
German
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ISS so viel Tradition sei, als auch heute noch jeder Lehrer seinen Schülern tradirt, aber nicht auswärts, nicht vom Sinai empfangene Tradition sei, — abs ehen, sondern sich nur aus die wissenschaftliche Würdigung beschränken, also die Richtigkeit und Z u länglichkeit der Th at suchen prüfen zu wollen, auf welchen die Charakteristik der Lehrer und der Lehren basirt werde. Da weist er nun dem Vers. Schritt aus Schritt nach, wie rein vom Standpunkte der Wissenschaft „diese Geschichte sich als ein Produkt der verwerflichsten Leichtfertigkeit und der leichtsinnigsten Ungründlichkeit darstelle, so daß es als heilige Pflicht erscheine, die Ergebnisse dieser Prüfung in ungeschminkter Thatsächlikeit dem Publikum vorzulegen." (Das. S. 50.) Dieses Urtheil begründet er in eingehendster Weise in einer Reihe von Abhandlungen, in denen er die Grundlosigkeit bezw. Wahrheitswidrigkeit der einzelnen Behauptungen und Darstellungen unter steter ausführlicher Anführung der Belegstellen aus den Quellen nachweift. Es ist natürlich, daß dieser Nachweis des wissenschaftlichen Unwerthes dieses Bandes im Lager der Anhänger seines Verfassers äußerst unangenehm empfunden wurde. Dazu kam, daß derselbe als Lehrer an einer Bildungsstätte für Rabbiner eine hervorragende Stellung einnahm. Eine Widerlegung war nicht möglich. Da half man sich, wie leider so oft, mit dem Mittel der Verdächtigung und frechen Entstellung, ut quid fecisse videatur, um dem Publikum sagen zu können, man habe den unbequemen Kritiker widerlegt. Schon bald nach der Veröffentlichung des zweiten Artikels erschienen in der „Allgemeinen Zeitung des Judenthums" Schmähartikel, die an skrupelloser Lügenhaftigkeit und Verdächtigung nicht leicht übertroffen werden können. Um die Kritik unwirksam zu machen, läßt man ihren Verfasser Dinge sagen, von denen in den Artikeln auch nicht die leiseste Spur enthalten war. Der Herr, er nannte sich mit vollem Namen, erzählt seinem Leserkreise, Grätz sei Hirsch ein „Ketzer" und nochmals ein „Ketzer", denn Hirsch gehöre zu jenen „Zionswächtern mit den giftigen Pfeilen", die „in jedem Worte Apostasie wittern", er sei ein „Großinquisitor, der sich in majorem dei gloriam Verdrehungen und Andichtungen erlaube" rc. rc. Er selbst dichtet ihm dann die verächtlichsten Motive an und hat die Stirn seinen Lesern zu erzählen, daß Hirsch „mit unmotivirten (sie!) hingeworfenen Phrasen ein dogmatisches Urtheil in der Absicht fälle, um einen Gelehrten zu verdächtigen, weil er in einer, dem Recensenten nicht beliebigen Anstalt lehre —" Aus der Erwiderung Samson Raphaels Hirsch's halten wir für Recht, wenigstens eine Stelle hier anzuführen, umsomehr als in der Biographie von Grätz, die dem ersten Hefte der i. 1.1893 begonnenen Lieferungsausgabe seiner Geschichte beigegeben ist, von dieser Kritik des vierten Bandes in feindseliger und gehässiger Weise gesprochen wird. Ein wirkliches Gewicht hat allerdings diese Aeußerung nicht, vielmehr läßt der Herr Biograph, ganz unabsichtlich natürlich, den Werth und die Bedeutung der Kritik dadurch in's hellste Licht treten, daß ihr sachlicher Inhalt ein noli me tangere für ihn ist. Dafür wird von „mehreren hundert Druckseiten" gesprochen, die „aufgewendet wurden, das Buch zu kritisiren, zu vernichten", von dem „lieblosen bösen Tone", von dem" schier unerschöpflichen Schimpfwörterlexikon der deutschen Kritik, aus dem H. die heftigsten herausgegriffen und gleichsam ganze Eimer kritischer Lauge über den Autor ergossen" habe. Da höre man nun folgende Erwiderung, mit der Samson Raphael Hirsch die erwähnten Verdächtigungen in markiger Apostrophirung zurückwies: „Hierher, Herr **! Im Angesichte eines jeden redlichen Mannes, von welcher religiösen Partei und Farbe auch immer, dem die Wahrheit noch nicht §u nichts bedeutender Floskel geworden, im Angesichte der Oeffentlichkeit, vor welcher meine Artikel und Ihr Pamphlet offen liegen: Was hat Sie berechtigt, uns diesen sittlichen Schmutz in's Angesicht zu schleudern? Wo haben wir ein dogmatisches Urtheil über Dr. Grätz's Glaubensansicht gefällt? Wo haben wir ihn der Ketzerei angeklagt? Wo haben wir mit unmotivirten Phrasen um uns geworfen? Wo haben wir auch nur ein einziges seiner Worte deshalb verurtheilt, weil es mit einem im Judenthum sanktionirten oder mit einem von uns dafür gehaltenen Dogma nicht übereinstimmt? Wo haben wir uns Verdrehungen und Andichtungen erlaubt? W o haben wir seine Persönlichkeit verkleinert, wo sind wir seiner Persönlichkeit zu nahe getreten, w o haben wir es überall mit seiner Persönlichkeit und seinen dogmatischen Meinungen und Ansichten zu thun gehabt? Wo haben wir uns als verketzernder Großinquisitor gerirt? Ein Großinquisitor verdammt, aber beweist nicht. Ein Großinquisitor prüft die dogmatische Wahrheit, aber nicht die wissenschaftliche Wahrheit einer Schrift. Ein Großinquisitor kennt nur den Canon des Dogmas, aber nicht denMaßftab wissenschaftlicher Objektivität. Wir aber haben nirgends verdammt und immer b ewiesen, haben es nirgends mit der dogmatischen Wahrheit und immer mit der wissenschaftlichen Wahrheit der Grätz'schen Schrift zu thun gehabt, haben nirgend den Maßstab des Dogmas, sondern überall den Prüfstein der Congruenz mit den historischen Quellen gehandhabt, aus denen diese Schrift geschöpft haben will. Wir haben das Grätzsche Buch zur Hand genommen, wie wir es denn

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