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Der Israelit · 1897-01-28 · Heft 8 (28.1.1897) · page 8

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Journal
Der Israelit
Volume
38 (1897)
Issue
Heft 8 (28.1.1897)
Date
1897-01-28
Page
– (sequence 8)
Language
German
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186 Nothdurft nicht vergessend!" Und dort heißt es auch: „Gericht fällt er unter den Völkern. — Eine Fülle von Leichen. Er zerschmettert die Häupter auf weitem Lande. Der trinkt aus dem Bache am Wege, der zu hoch das Haupt erhoben."- Weiter betete der Greis und weiter. Die Sonne stieg gen Mittag und noch immer stand der Greis in Gedanken vertieft auf der Felszacke, die hinaus ragt über das Haupt des Altkönigs. Da ertönte ein Schrei, den nur die höchste, seligste Freude oder der tiefste bitterste Schmerz ausgestoßen haben konnte. Rasch drehte sich Abraham um. Er traute seinen Augen nicht, denn zwischen den niederen Büschen, welche die Spitze des Altkönigs umsäumen, kam ein von Dornen blutig gekratzter Jüngling daher, dem Rahel entgegeneilte und um den Hals fiel. Es war Juda. — Er überbrachte Abraham die fürchterliche Kunde des letzten Tages. Er erzählte nun der glücklichen Rahel, wie entsetzlich es für ihn gewesen, als er wohl wissend, daß seine Brüder draußen kämpften und starben, unfähig in dem Keller des ehrbaren Schultheißen gefangen gewesen wäre. Wie die ganze Judenstadt dem Boden gleich gemacht worden sei und wie nach auSgetobtem Kampfe um Mitternacht der alte Marpurg ihn habe entfliehen lassen, wie er geflohen sei, gehetzt wie ein wildes Thier und Tag und Nacht hindurch ohne Raft gewandert und geklommen, bis er hier endlich, endlich angelangt. _ Herr Marpurg habe ihn beauftragt, nach Ablauf von drei Tagen Rahel und Abraham nach der Burg des ihm befreundeten Ritters Herrn Ebbo von Cronberg zu führen, von wo er sie unter sicheren! Schutz werde nach Heidelberg geleiten lassen. Und so geschah es. Noch einmal sorgte der großherzige Schultheiß Frankfurts für Abraham, den jüdischen Medikus, seine Enkelin und deren Bräutigam. Noch waren die Bäume# grün und belaubt, als Abraham bereits durch seine Gelehrsamkeit und seine Geschicklichkeit als Arzt die Liebe und Verehrung seiner Glaubensbrüder und die Achtung aller Nichtjuden Heidelbergs erworben hatte. Die gute alte Mirjam war glücklich. Tag und Nacht arbeitete sie. Da wurde gar manches genäht, gar vieles gesäumt, gestickt. Denn es sollte ja bald eine Hochzeit stattfinden. Die Hochzeit ihrer inniggeliebten Rahel mit Juda, dem eben so bescheidenen als tapferen Jüngling. Zu jener Zeit, und unter den Leiden, die während des ganzen Brautstandes die Liebenden zu erdulden gehabt hatten, da war diese Hochzeit ein Ereignis, an dem mehr denn je die ganz jüdische Gemeinde mit vollem, bewegten Herzen Antheil nahm. Und als Ausdruck dieses Gefühls wurde dem jungen Ehepaar am Hochzeitstage unter anderen reichen Geschenken ein sauber geschriebenes hebräisches Gedicht überreicht, das ein armer Schreiber gar fein säuberlich auf schneeig weißes Pergament geschrieben. Es lautet: Zu Ende ist die Leidenszeit, Zu Ende das große Sterben Es konnten unsere Gottestreu' Die Leiden nicht verderben. Wie auch gemartert und verfolgt Wir wurden allerorten Es ist uns unser höchstes Gut Doch nicht entrissen worden. So schwer uns Gott auch hat geprüft: Es zeigte sich auf's Neu', Daß wir für ewig unsrem Gott Und unsrer Lehre treu! Der ,3<ractit* erscheint wöchentlich *weimal, Monteurs und Donnerstags, jedeSmal {» mindesten! zwei Bogen. Preis pro Vierteljahr bei der Post 3 Mark ohne Bestellgeld. Man abonnirt ganzjährig, halbjährig oder vierteljährig. Alle Buchhandlungen und Postämter nehmen Bestellungen an. — Per -uchhan-et verkehrt durch € $. -tetuacker, Leipzig, Poßplatz 16. — Inserate 25 Pfennig dreispaltige Petitzeile oder deren Raum. Preis der Zelle im Reclamethell 75 Pfennig. — Directe Francozusendung unter Streifband pro Jahrgang für Deutschland und Oesterreich 14 ReichS-Mark oder 8 fl. österr., für's Ausland 16 Reichs-Mark, an die Expedition franco einzusenden. Tine MUfftttttma tum an die Redaktion eingesandten Manuferipten findet nicht statt, man dittet deshald, sich von allen Einsendungen eine Eopie zurückrubehatte«. Inhalt (Hauptblatt). Leitender Artikel: Drei inhaltsschwere Worte.— Zeitungsnachrichten und Correspondenzen: Deutschland: Berun. Aus Baden. Loslau. — Vermischtes. — Feuilleton: Aus finsterer Zeit. Geschichtliche Erzählung von Rud. Lacher. (Schluß) Inhalt der ersten Beilage r Leitender Artikel: Samson Raphael Hirsch und die Israelitische Religionsgesellschaft zu Frankfurt a. M. — Zeitungsnachrichten und Correspondenzen: Deutschland: Berlin. Oesterr. Ungar.-Monarchie: Prag. Frankreich: Paris. — Sprechsaal. — Vermischtes. Inhalt der zweite« Beilage: Literarischer Bericht. — Zeitungsnachrichten und Correspondenzen: Deutschland: Berlin. Aus Baden. Indien: Bombay. Verantwortliche Redaction: OScar Lehmann in Mainz. — Expedition des „Israelit", Schottstraße Nr. 2, Mainz. Druck und Verlag der Joh. Wtrth'schen Hofbuchdruckerei-Actien-Gesellschaft in Mainz. Hier»« zwei Beilagen.

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