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Der Israelit · 1897-01-28 · Heft 8 (28.1.1897) · page 7

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Journal
Der Israelit
Volume
38 (1897)
Issue
Heft 8 (28.1.1897)
Date
1897-01-28
Page
– (sequence 7)
Language
German
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WSWWWMMWWWWW 135 damit sie bei dem Löschen der Feuersbrunst helfen möchten. Sie halfen dem Pöbel zu rauben, statt zu löschen; zu morden, statt zu retten, wodurch sie sich natürlich die Volksgunst rm Fluge erwarben und die Chronik berichtet, daß noch viele Jahre später die Lieder der Flagellanten mit Andacht im Volke gesungen wurden. Einer ihrer Gesänge ist der folgende: Nun recket auf Euere Hände, Daß sich solch' Sterben wende! Nun recket auf Euere Arme, Daß Gott sich unser erbarme. Ihr Lügner, ihr Meineidsschwörer, Beichtet rein. Beichtet rein Laßt die Sünde Euch reuen So will sich Gott Euch erneuen. Oh weh' Du böser Wucherer Du bringst ein Loth auf ein Pfund, Das senkt Dich in der Hölle Grund. Lieber Herr Sankt Michael Du bist ein Pfleger aller Seel'. Behüt Uns vor der Höllen-Noth. Das thu' durch deines Schöpfers Tod. Derartige Gesänge, Flüche und Wimmern der Frauen und Kinder, Aechzen, Rufen und Kampfgetöse übertönte fast das unausgesetzte Läuten der Sturinglocke, die nunmehr das Volk sammeln sollte, um gegen die Geißler zu streiten.-— Erft als alle Häuser der Juden, bis auf eines, dem Boden gleich gemacht waren, da ernüchterte sich das bessere Bürgerthum einigermaßen, während der Pöbel, mit den Geißlern vereint, den letzten Ansturm auf jenes einzige, heldenmüthig vertheidigte Haus unternahm. Es war die Synagoge. In dem engen Vorhof, auf den abwärts führenden breiten Stufen, stand der Ueberrest der Juden Frankfurts. Mann um Mann sielen sie, verzweifelt kämpfend. Schon brennt das Gotteshaus an allen Seiten. Roch stehen zwei Männer, ein Greis und ein Jüngling, zwei Mönchen gegenüber. Beide ziehen sich, schon schwer verwundet, zurück in das flammende Gebäude. Ein dumpfer Krach — ein hochaufsprühender Funkenregen und dichte Rauchwolken steigen empor aus dem glühenden Schutthaufen, unter dem Kalonymos, mit den Anstiftern der frevelhaften Hetze, mit den Johannitermönchen Franziskus und Stbicho in seinem tapferen Kampfe um Gott, den Märtyrertod gesunden. * * * Auf der friedlichen, luftigen Höhe des Altkönigs, wo seit mehr denn tausend Jahren kein menschliches Wesen gehaust hatte, da gewahrt man noch heute Ueberreste von Wällen, welche die stolzeil Söhne Romas einst hier als Schutz- und Trutzfeste angelegt hatten. Zur Zeit unserer Erzählung, da waren jene Wälle, sowie viele unterirdische Wohnungen noch wohl erhalten. Ein glatter, festgemauerter Gang führte auf eine vorspringende, hochaufragende Felszacke, die man mit Hilfe dreier roh in das Gestein selbst gehauener Stufen zu besteigen vermochte. Dort stand Abraham und spähte weit hinab ins Thal. Es war ein klarer Frühmorgen und sein gutes Auge konnte die Thürme und Zinnen der Stadt Frankfurt wohl erkennen. Er labte sich nicht wie sonst an der herrlichen Aussicht, am Grün des Bergwaldes, am Silber der weit unten sich hinschlängclnden Flüsie. Sein Blick war nicht in die Ferne gerichtet, dorthin, wo er das weißschimmernde Band, den Rhein, wohl hätte erblicken können. Oh nein! Sein Blick ruhte auf einer ganz kleinen Stelle, dort wo es gestern zur Abendstunde blutigrot gewesen war, dort war es jetzt schwarz. Es mußte eine große Feuersbrunst in Frankfurt gewüthet haben und mit Grausen ahnte er, was vorgefallen. Er hatte nicht geschlafen. Roch glühte das Gold der Morgensonne schwächer und gelblicher werdend aus dein nahen Fcldbcrgc. Ein inbrünstiges Morgengcbet war es, das der greise Jude auf menschenleerer Höhe 51t seinem Schöpfer emporsandte, dem er sich näher fühlte als dort unten im hastenden Gewühlc der Welt. Höher kam die Sonne und deutlicher gewahrte Abraham den kleinen schwarzen Flecken am Horizont. Wie unbewußt bewegten sich seine Lippen zu dem inbrünstigen Gebete: „Es möge der Vater der Barmherzigkeit, der Bewohner jener Höhen allbarmherzig gedenken jener Edlen, der Gerechten, der Schuldlosen, jener heiligen Gemeinde, die ihr Leben dahin geopfert für die Heiligkeit des göttlichen Namens. Die, liebreich und gerecht im Leben, auch im Tode nicht wankten, sondern stets leichter denn Adler und muthiger denn Löwen waren, wenn es galt, den Willen ihres Schöpfers, das Verlangen ihres Beschützer'S zu erfüllen! O, möge unser Gott ihrer sowie aller übrigen Frommen der Welt, zuni Guten gedenken und an den Todfeinden rächen das vergossene Blut seiner Diener — denn in der Schrift des Gottesmannes Moscheh, da heißt cs: „Völker, preisend jauchzend sein Volk, denn er rächet seiner Diener Blut, er erwicdert Rache seinen Feinden; und sein Erdreich sühnt sein Volk." Und durch Deine Diener, die Propheten wurde ausgezeichnet: „Ich werde rächen ihr Blut, das ick, noch nicht gerächt, und Gott wird thronen in Zion." - - -- Und in der heiligen Schrift heißt es: „Was sollen die Völker sprechen, wo ist denn ihr Gott" — kund werde den Völkern vor unseren Augen die Sühne für deiner Diener Blut. Ferner heißt es: „Der Blutschuld Rächer hat ihrer gedacht, der armeit

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