Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 38 (1897)
- Issue
- Heft 8 (28.1.1897)
- Date
- 1897-01-28
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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133 mittelt wurden. Haber's Unternehmungsgeist verdankt das Großh. Badenseine bedeutendsten Fabriken(Ettlinger Spinnerei und Weberei, Karlsruher Maschinenfabrik, Waghäusler Zuckerfabrik). Großherzog Karl ernannte ihn zum Hofbankier und Großherzog Ludwig verlieh ihm 1829 den erblichen Adel. Er starb im Jahre 1840. Als ein Sohn desselben Moritz von Haber sich mit einem Offizier, Freiherrn von Göler, duellirte und dieser fiel, erregte dies in Karlsruhe großen Unwillen und v. Haber mußte fliehen. Ein anderer Sohn, Louis v. Haber, hatte durch den Tod seines Schwiegervaters eine Zuckerfabrik in Böhmen übernommen. Er war Begründer bedeutender industrieller Institute in Oesterreich. In Anerkennung seiner Verdienste hat ihn der Kaiser von Oesterreich in den erblichen Freiherrnstand erhoben und ihn zum Mitglied des Herrenhauses berufen. Welche Verdienste hat doch der semitische Stamm um das Wohl seines Vaterlandes sich stets erworben! W. Loslau, 24. Januar. Unter Betheiligung aller Bevölkerungsklafien wurde heute hierselbst ein trefflicher Mann zu Grabe getragen; der im Alter von fast 81 Jahren verstorbene Kaufmann Kirchner. Der Verstorbene war aber nicht nur Kaufmann, sondern auch ein streng frommer Jehudi und ein hervorragender Talmudist. Seine Autorität hat in unserer kleinen Gemeinde die Glaubenstreue gefördert und zumal die Sabbatheiligung befestigt. Magistrat und Stadtverordnete' erlaffen folgenden Nachruf: „Seit fast 50 Jahren war er Mitglied der Stadtverordnetenversammlung, lange Jahre Stadtverordneten-Vorsteher-Stellvertreter, und hat er in dieser Zeit mit seinem reichen Wissen, seinen großen Erfahrungen und seiner unerschütterlichen Pflichttreue sich hervorragende Verdienste um unsere Stadtgemeinde erworben. Wir verlieren und betrauern in dem Dahingeschiedenen einen erprobten Mitarbeiter und treuen Berather, dessen Andenken in Ehren gehalten werden wird." So lebte und wirkte der orthodoxe Jude im Dienste der Oeffentlichkeit. Möge das gesegn.te Andenken des Heimgegangenen den Geist der Glaubenstreue bei seinen Kindern und in der Gemeinde Loslau wachhalten! mrr Vermischtes. M. Aus der Provinz Posen. Am Sonntag den 30. d. M. findet in Posen eine Versammlung der Synagogenvorstände unseres Regierungsbezirks statt, behufs Gründung eines Gemeindeverbandes, welcher insbesondere die Frage des Religionsunterrichts in kleineren Gemeinden, wie auch die der Heranbildung von □'Bmc? und D’jrn in Betracht ziehen wird. Auch für den Regierungsbezirk Bromberg hat sich ein Verein mit gleicher Tendenz am 17. d. Mts. konstituirt. Lirmich, im Januar. (Durch Versehen unlieb verspätet.) Soeben kommen wir von einem traurigen Gange, von dem Begräbnisse einer wahren?Ti ntPN (Biederfrau) zurück. Frau Helene Levenbach, geb. Levi, die nach nur kurzem Krankenlager in hohem Alter gestorben, besaß die edlen Tugenden einer echt jüdischen Frau, die ihr nicht genug nachgerühmt werden können: hauptsächlich war eS die Gastfreundschaft, die sie im größten Maßstabe ausübte, oftmals über ihre körperlichen Kräfte. Die größte Freude war es ihr. wenn sie Gelegenheit hatte arme Leute bewirthen zu können. Sie hat in ihrem Alter noch den besten Beweis hierfür dadurch geliefert, daß sie in ihrem Wohnorte eine arme, alte und kranke Frau fast allein gepflegt und unterstützt hat, so daß diese von keinen! Andern etwas nehmen wollte. N. B e h r. Feuilleton. Aus finsterer Zeit. Geschichtliche Erzählung von Rud. Lacher. 8) (Alle Rechte Vorbehalten.) (Schluß.) Als nun Ruhe eingetreten war, fuhr der Ritter fort: „Ihr habet nun alles gehört. Wohl weiß ich, daß manche unter Euch weilen, so aus Aberglaube oder Vorurtheil die Schuld an der schweren Pest, die uns heimsucht, den Juden beimeffen mögen, ich weiß ferner, daß viele unter Euch vorurtheilsvoll genug sind, jene Nichtsthuer, die Geißler als Märtyrer zu achten, doch glaubet mir, getreue Bürger, es sind nicht die glaubenswüthigen Verhetzungen dieser Mönche, noch die ruchlosen Anschläge jener Flagellanten, gegen unterdrückte, wehrlose Juden, die dem Frieden unserer Stadt einträglich sind. O, nein! In einer Zeit wie die jetzige, da sollte fürwahr der Geistliche dem Weltlichen die Hand in christlicher Nächstenliebe reichen, und anstatt an Verfolgung und Gewaltthat, an das Heil seiner Seele, an das Heil unserer Stadt denken. Ihr solltet bestrebt sein, mit vereinten Kräften die Ruhe in unseren Mauern zu wahren und solltet es als frommes Werk auffaffen, Aberglaube und Zwietracht zu bannen. Wisset, Ihr Getreuen alle, daß meine Hand, die in mancher schweren Schlacht das Schwert geführt, noch heute nicht erlahmt ist, daß ich und mein Haus im Falle der Roth, mit gewappneter Macht gegen jene ziehen werde, so durch Zwietracht und Mordthaten den Frieden unserer Stadt zu erschüttern suchen. Nicht an Grausamkeiten hat der Herr Wohlgefallen. Des seiet eingedenk. Beherziget meine Worte, auf daß sie gute Thaten zeitigen mögen. Das walte Gott!" — Noch standen alle unter dem tiefen Eindruck, welchen diese großherzigen Worte gemacht, die vom Herzen kamen und zum Herzen gingen, als vonlder Straße her tobender Lärm und laute Rufe ertönten.