Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 38 (1897)
- Issue
- Heft 7 (25.1.1897)
- Date
- 1897-01-25
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
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123 Druckerei-Firma. Dort stellte er eine Art Verhör an; ob er aus eigener Initiative gekommen war oder in höherem Auftrag, ob er vielleicht gar vermitteln wollte, daß die fragliche Firma sich dem „Preisausschreiben" anschließen wollte, das der Deutsche Verein erlassen, wissen wir nicht bestimmt. Jedenfalls nahm der Herr Kriminal-Polizei-Commissar ein s. hr lebhaftes Interesse an der Sache und besonders schien es auch ihm — gleich dem Deutschen Verein — nicht ganz glaubhaft, daß die Antisemiten so etwas gethan haben sollten. Die Druckerei-Firma, eine der größten der hiesigen Stadt, ist die fiühcre Verlegerin des — „Frankfurter Journals" —, das sie heute noch druckt. Sie hat den löblichen Hinweis nicht beachtet, sondern schreibt j tzt im Einverständnis mit anderen Adressaten, selbstständig eine Belohnung von 200 Mark aus, indem sie gleichzeitig ein Facsimile der Handschrift beifügt. So wird es hoffentlich den angeftellten Bemühungen gelingen, den Schuldigen zu ermitteln um nachzuweisen, daß es Keiner von den edelsten aller Parteien — der antisemitischen — gewesen ist, der sich solcher Niederträchtigkeiten gegen seine christlichen Mitbürger schuldig machen konnte. Hamburg, im Januar. (Warnung.) rrrn -T wo SrrrSsfn pirS ran -Sxtri rnpm! Von befreundeter kaufmännischer Seite in London auf die wenig Vertrauen erweckenden Geschäftsmanipnlationen mancher ztveifelhaften Firmen allfmerksam gemacht, warne ich besonders die nach London arbeitenden Fabrikanten vonPeßachwaaren, speziell Mazzothbäckereien, Ordres nicht ohne vorherige Anzahlung mindestens der Hälfte des Kaufpreises zu effeetuiren. Nach den factisch vorliegenden Erfahrungen, die erste Handelshäuser gerade in den letzten Jahren mit dem Export von Peßachwaaren nach London gemacht haben, dürfte es sich zunl weiteren Schutze der betheiligten Kreise empfehlen, den Nest des Betrages bei Lieferung der Maaren pr. Nachnahme zu erheben. Zur Jllustrirung des Thatbestandes unterlasse ich nicht zu erwähnen, daß nach Aussage eines glaubwürdigen Zeugen, vor zwei Jahren deutsche Mazzoth mit 1 Pence " 8'/, Pfennige pr. Pfd. verkauft wurden, da die Maare bis zum letzten Augenblick der Abnahme harrte, und der größte Theil bis nach Peßach liegen blieb und dann zu diesem Schleuderpreise losgeschlagen wurde. Dieses im Jntereffe des gerechten und ehrlichen Handels. Ein Freund des Rechts. Heidelberg, 18. Im. Im hiesigen Erematorium wurden im Jahre 1896 69 Männer und 26 Frauen, im Ganzen also 9ü Personen bestattet. Davon treffen 13 auf Heidelberg selbst und 82 auf auswärtige Städte. Der Konfession nach waren l8 kathrlisch, davon 6 altkath., 3 Israeliten, die übrigen bis auf 2 Freirelig. Protestanten. Bei den 12 Römisch-Katholischen fand, da die römische Kirche jede Assistenz bei Feuerbestattung versagt, geistliche Assistenz entweder durch den evangelischen oder den altkatholischen Geistlichen statt. O e st e r r. U n g a r. Monarchie. Budapest, im Januar. Herr Salomon K o h n, ein alter, einst ein in der Hauptstadt Budapest allgemein bekannter, reicher Mann, hat am 13. Januar als gebrochener Greis in Armuth und Elend die müden Augen für immer geschloffen. Salomon Kohn, geboren zu Worms am 13. Juli 1826, war das Kind armer Eltern, sein Vater war ein großer Talmud-Gelehrter, der auch seine Kinder sowohl im Hebräischen, als auch in den profanen Wissenschaften unterrichten ließ; da aber Salomon, der älteste Sohn, nichts lernen wollte, gab er ihn zu einem Kaufmann in Berlin in die Lehre. Zu damaliger Zeit waren die Juden noch sehr religiös, da aber der junge Salomon alles, nur nicht fromm war, wurde er aus dem Hause gejagt. Er kam nach vielen Entbehrungen nach Ungarn, war Lehrling und dann Commis in verschiedenen Geschäften und ersparte sich so viel, daß er sich in Altofen ein Manufactur-Geschäft errichten konnte. Dasselbe bestand Jahre hindurch, hatte einen schönen Kundenkreis, doch sein Eigenthümer wollte mehr Reichthümer haben, als das Geschäft abwerfen konnte, er machte Geldgeschäfte, spekulirte und hatte solches Glück, daß er binnen Kurzem ein reicher Mann wurde; er übersiedelte nach Pest, kaufte sich Liegenschaften und Häuser und betrieb mit Realitäten seine Spekulationen. Im Jahre 1873 ruinirte ihn der große Krach vollständig. Kohn wunderte dann als blutarmer Mensch, seine Frau war gestorben, Kinder hatte er keine, nach Serajewo, wo er mit Zündhölzchen handelte. Vom Millionär zum Zündhölzchen-Mann war eine zu grelle Illustration seiner Lebensbahn er vermochte auch deßhalb nicht lange in diesen kümmerlichen Verhältnissen in dieser Stadt auszuhalten, wanderte weiter bis ihn das Schicksal nach Großwardein verschlug. Von dort kam er zurück nach Pest, wo er als armer Bettler, der Freitag von Thür zu Thür geht Almosen verlangend, starb. Wohl ihm, wohl seiner Seele. Sein Vater warnte ihn und als gvttesfürchtiger Mann sagte er immer: „Raar Hojisi" — Ich war jung, bin alt geworden und habe nie gesehen, daß der Fromme wäre verlassen und seine Kinder hätten betteln müssen, um Brot" wohl ihnl, daß er keine Kinder hatte. Josef Spitzer. Pesth. Der Bankerott des hiesigen Rabbinerseminars wird in dem Reologenblatt „E. G." ganz unverblümt tingestanden. Es ist wohl nicht vom finanziellen, sondern vom moralischen Bankerott die Rede; denn erftereut ist ja durch eine parteiische Ver-