Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 38 (1897)
- Issue
- Heft 7 (25.1.1897)
- Date
- 1897-01-25
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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118 wurde dann noch bemerkt, daß zwei sehr angesehene Doktoren, Gemeindemitglieder, die runn mm besitzen, sich entschieden gegen jede Aufnahme von Aschenresten 7712,rn mn ausgesprochen hätten, ferner, daß bei Avlehnung der Gemeindesrieden in keiner Weise ge fährdet erscheine, da selbst ein Interesse für die Bestattung der Aschenresten z. Zt. kaum nachweisbar sei. Aus den Einwand, daß der Oberrabbiner die Beerdigung doch erlaubt und man sich damit zufrieden geben könne, wurde erwiedert, daß der Oberrabbiner einen Fall anzunehmen scheine, wobei die Gemeinde gezwungen wäre, und daß auch dann nicht von einem Begraben im Sinne einer regelrechten rituellen Beerdigung, sondern nur von einem Dergraben an abseits gelegener Stelle die Rede sein könne. (Diese Interpretation hat der Oberrab^iner nachträglich als zutreffend erklärt.) Uebrigens brauche man nicht grade Alles zu thun, was bedingungsweise erlaubt sei; man solle in erster Linie nicht thun, was der 22 verbiete und das hätte man früher bei anderen Begräbnißfragen beherzigen sollen, damals lagen auch Gutachten der Kownoer und Londoner Öberrabbiner vor, die man unbeachtet gelaffen. Der Kownoer Rabbiner habe seine Responsen dem Druck übergeben, die hier angczogene Entscheidung finde sich nicht darunter, daher sei das Verlangen, letztere im Original einzusehen, durchaus berechtigt. Es wurde ferner darauf hingewiesen, daß die Hamburgischcn Anschauungen andere seien wie die Berliner, Frankfurter (alte Gemeinde), nian möge doch erst mal mit den Gemeindemitgliedern Fühlung nehmen und heute keinen prinzipiellen Beschluß fassen. Demgemäß wurde entschieden, aber auch beschloffen, den Gemeindevorstand um eine gemeinsame Berathung anzugehen. Am vergangenen Sonntag (18.) fand diese nach Erledigung einer Wahlhandlung von 11—3 Uhr statt. Hier wiederholten sich zumeist die beiderseitigen Ausführungen. Der Vorstand schien inzwischen zu einem, der Majorität des Repräsentanten-Collegiums sich anschließenden Entschlüsse gelangt zu sein, denn von seiner Seite schien nur ein Mitglied, ohne diese Ansicht zum unzweifelhaften Ausdruck gebracht zu haben, sich nicht mit der Sache befreunden zu können. Neu wurde seitens der Minorität, die inzwischen von nur zwei auf vier angewachsen war, geltend gemacht, daß der jetzige Gemeinde-Vorstand in anerkennenswerthester Weise überall und insbesondere dem Staate gegenüber für die religiösen Interessen der Gemeinde eingetreten sei, so auch, als es sich darum handelte, einen neuen separaten Friedhof angewiesen zu erhalten. Gestatte nun die Gemeinde die Aufnahme von dem Religionsgesetze entgegen zu Asche verbrannter Leichen auf dem als rituell geltenden Friedhofe, dann könne sie für die Folge mit ihrem Verlangen nach separater Beerdigung kaum Gehör finden, ja noch mehr, sollte einmal m die obligatorische Leichenverbrennung jur Sprache kommen, dann würden die Einreden der Gemeinde vom religionsgesetzlichen Standpunkte leicht als hinfällig zurückgewiesen werden können. Warnend fügte der Führer der Opposition hinzu: „Mit Ihrer Zustimmung, meine Herren, besorgen Sie das Geschäft eines Institutes, welches Ihnen auf diesem Gebiete schon Concurrenz bietet, Sie gewinnen Asche und verlieren Menschen. — Nachdem die Debatte geschlossen, zog sich der Vorstand zur Berathung zurück und legte auch bald darauf dem Repräsentanten - Collegium ungefähr folgenden Antrag vor: Auf dem israel. Friedhöfe zu Ohlsdorf soll ein besonderer Platz zur Bestattung von Särgen, enthaltend Aschen^ crematorisch verbrannter Israeliten angewiesen werden. Das Nepräsentanten- Collegium nahm mitM^von 13 Stimmen diesen Antrag unter der Hinzufügung, daß auf den Leichensteinen keine die Verbrennung verrathende Inschriften angebracht werden dürfen, an. Die Minorität behielt sich vor, ihre motivirte Ablehnung zu Protokoll zu geben. — Wie sich das Publikum zu diesem Beschlüsse verhalten wird, bleibt abzuwarten, v'vrn 22^212 rmn. H. B. Feuilleton. Aus finsterer Zeit. Geschichtliche Erzählung von Rrrd. Lacher. 7) (Alle Rechte Vorbehalten.) Rach einer langen Pause, die dem alten Abraham eine Ewigkeit däuchte und ihn bereits Böses ahnen ließ, sagte Herr von Marpurg ruhig, indem die Falten seiner Stirn sich während des Sprechens glätteten: „Wohlan! Abraham, nehmet immerhin mein ritterliches Wort mit auf den Weg, daß ich versuchen werde, jedes Unheil von Euren Brüdern abzuwenden. Euch und Eurer Enkelin gewähre ich freien Abzug und werde Euch bewaffneten Schutz mitgeben, soweit Ihr solchen gebrauchen möget, Euren Schwiegersohn indessen muß ich noch einige Tage hierbehalten, da ich gesonnen bin, ein strenges Verhör vorzunehmen, wegen des heimtückischen Planes dieser Flagellantenrotte. Folget meinem Rathe und verlasset die Stadt noch heute. Ziehet gen Cronberg und lagert vor der Stadt bis zum Einbruch der Nacht. Dann machet Euch auf und steiget jenen steilen Felsen hinan, der Allkönig genannt wird. Hoch oben auf der Spitze dieses Felsens findet Ihr