Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 38 (1897)
- Issue
- Heft 7 (25.1.1897)
- Date
- 1897-01-25
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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119 eine feste Mauer, die vor langen Jahren einst, zur Zeit des Römers Cäsar, dort errichtet worden. Sie diente als Schutz für eine Festung, die nun allerdings verschwunden. Doch unter der Erde werdet Ihr geräumige Casematten mit steinernen Böden und steinernen Bänken finden. Dort könnt Ihr sicher und einige Zeit auch wohl bequem wohnen. Nehmet Nahrung für einige Wochen mit. Von Zeit zu Zeit werde ich Euch einen Boten senden, dem gebet Eure Aufträge. Ich werde Euch schicken, was Ihr brauchet. Nach vollendetem Verhör wird auch Juda Euch folgen. Und nun, Abraham, lebet wohl. Der Herr behüte Euch.'" Mit thränenden Augen verabschiedete sich der greise Jude. Er fand nicht viele Worte, und was er sprach, war dem großmüthigen Ritter von Marpurg unverständlich, denn Abraham murmelte im Weggehen mit vor Rührung und Dankbarkeit bebenden Lippen-' „ Jeforeclieclio Ad .. ai wejiselimerecho. Joer Ad .. ai ponow eleclio Wichunecco Iisso Ad .. ai PonoAv eiecho Wejoseni lecho Scholom.“ 7 Kapitel. Als Abraham aus dem Thor des bürgermeifterlichen Hauses trat, da bot sich ihm ein anderes Schauspiel dar, als dasjenige, das er bei seiner Ankunft auf dem Römerberge wahrgenommen hatte. Es hatte sich nunmehr eine große Volksmenge in der Mitte des geräumigen Marktplatzes gesammelt, die stumm, in sichtbarer Spannung, einem Lanzknechte lauschte, der von einem grausigen Mönchsgemetzel berichtete, das in der Nacht außerhalb der Stadlwälle stattgefunden haben sollte. Niemand, als die Geißler konnten die entsetzliche Blutthat verübt haben, meinte der Berichtende. Während er sprach, drängte sich ein anscheinend sehr wohlhabender Bürger in die Mitte des Kreises und widersprach dem Knechte. Er behauptete, von der Thorwache zu kommen, woselbst die beiden Johannitermönche, die bald nach ihrer Auffindung zum Bewußtsein gekommen, ausgesagt hätten, sie hätten sich in einen Spaziergang vor dem Thoren ergangen, als sie Plötzlich von zwei Unbekannten von hinten niedergeschlagen worden seien. Sie wüßten nicht, wer solch' schmähliche That verübt haben könnte, da sie ihres Wissens nach, außer der Judenheit keine Feinde hätten. Alsbald wären die Mönche nach dem Tempelhof ihrem Kloster zurückgekehrt, seien jedoch nach einiger Zeit mit einem Bündel wieder ins Lager der Geißler gegangen, vermuthlich, um allda, wie ihre christliche Bruderliebe es heischt, die Nackten zu kleiden und die Hungrigen zu nähren. |jgä Gespannt undZ erschreckt lauschte Abraham den Berichten der beiden Erzähler. Kein Zweifel konnte darüber wallen, daß die beiden Johanniter, nun noch mehr erbittert, bereits die versprochenen Mönchsgewänder nach dem Lager der Geißler gebracht hätten, und der gestern Nacht geplante Streich nun doch ausgeführt werden würde. Besorgt eilte Abraham seinem Hause zu. Nachdem er Juda seine heutigen Erlebniffe berichtet, forderte er ihn auf, sich sofort zu Herrn von Marpurg zu begeben. Juda war begeistert von der edlen Gesinnung des wackeren Ritters und begab sich, in die vorgeschriebene Judentracht gekleidet, nach dem Hause des verehrten Bürgermeisters. Das Schwerste jedoch stand Abraham noch bevor. Er mußte seine Enkelin auf die eilige Flucht vorbereiten. Noch schlummerte Rahel, noch ahnte sie nichts von der Anwesenheit ihres Geliebten. Abraham hielt es deshalb für das Beste, Juda's gar nicht zu erwähnen, umsomehr als der Abschied von Frankfurt Rahel durch den Gedanken, daß Juda in den bevorstehenden Gefahren zurückgeblieben, nur unnöthig erschwert, oder gar unerträglich geworden wäre. Während Abraham einer Truhe verschiedene hebräische Bücher und Pergamentrollen, sowie seine Kleinodien und die sonst werthvollen Stücke entnahm und sie in einen Sattelsack packte, trat Rahel ein. Heiter begrüßte sie ihren Großvater, und fragte ihn lachend nach der Ursache seiner seltsamen Beschäftigung. „Du wirst doch nicht wieder zum Kaiser Carl nach Speyer reisen, Großväterchen, nunmehr, da der arme Kaiser Günther todt?" sagte sie halb ernst, halb lächelnd. „Nein, mein Kind", erwiederte der Greis, in ernstem Tone, sodaß Rahel plötzlich Unheil ahnte. „Nein Kind, nicht nach Speyer gehet meine Reise; sie geht nach einem Felsenschoß und Du, meine Tochter, wirst mich begleiten. Noch bevor die Sonne im Mittag stehen wird, werden wir die Stadt in sicherem, bewaffneten Geleite verlaffen, denn man plant einen Bubenstrich gegen uns." „Aber wieso denn, Väterchen, wer kann Dir Böses zufügen wollen. Dir, der Du mit engelgleicher Geduld, mit unbegreiflicher Selbstverleugnung allen Menschen gleichermaßen hilfst, sie alle gleich liebend heilest? „O, Vater, giebt es denn so schlechte Menschen? „Ja, mein Kind, es giebt Menschen, die am Schlechten Freude, an Rache Wohlgefallen finden. Es sind Irrende und Gott allein kann und wird sie richten. Doch mache Dich auf. Wir muffen eilen. Auf dem Wege werde ich Dir noch weitere Auskunft geben." „Väterchen, bevor ich Dich verlasse, sage mir noch das eine, wann werde ich Juda wieder sehen?" „Bald mein Kind, bald in glücklicheren Tagen. In ,licht allzu ferner Zeit wirst Du, mit der gütigen