Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 38 (1897)
- Issue
- Heft 6 (21.1.1897)
- Date
- 1897-01-21
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
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100 Kirchen der freien Reichsstadt, als Abraham sich erhob und, nachdem er fein Morgengebet verrichtet, sich aufmachte nach dem Römerberge. Obwohl es noch sehr früh am Tage war, herrschte bereits reges Leben vor dem Rathhause. Mit besorgten Mienen berichteten die ehrsamen Bürger sich gegenseitig über die immer häufiger werdenden Fälle oer furchtbaren Pest. Hier und da hörte man auch wohl, wie sich eine Meinung hören ließ, wonach die Juden an dieser Plage Schuld trügen, doch waren diese Ansichten vereinzelt, und es ward denselben stets von allen Seiten widersprochen. Abraham gelangte ungehindert in das Haus des Edlen vcn Marpurg, der gerade den Morgenimbiß im Kreise seiner Familie einnahm. Er bat Abraham, den greisen Medikus, sich eine kleine Weile zu gedulden. Abraham hatte indeß nicht lange zu warten, denn alsbald hatte man das Frühmahl beendet. Die Anwesenden, mit Ausnahme des Hausherrn, erhoben sich und verließen schweigend das Gemach. Als der wohledle Bürgermeister mit Abraham allein war, fragte er in seiner ruhigen, wohlwollenden Art: „Nun, Abraham, welch' ernste Sache führet Euch heute zu so früher Stunde schon in mein Haus?" „Herr", erwiederte der Greis, „seit mehr denn vierzig Jahren kenne ich Euch und Euer Gottgesegnetes Haus. Stets wäret Ihr gut und gerecht gegen mein verfolgtes, unterdrücktes Volk, deshalb komnie ich heute mit schwerem Herzen zu Euch, um Eure Hilfe zu erflehen. Die Geißler haben beschlosien, durch Lift unser Volk zu vernichten. Als Mönche verkleidet, wollen sie in hiesiger Stadt einen Brand stiften, die Schuld alsdann aus die Juden wälzen, um dadurch das gemeine Volk gegen meine armen Glaubensbrüder zu hetzen." „Und woher wisset Ihr alles das?" fragte Herr von Marpurg ernst. „Mein Schwiegersohn hat durch Zufall Herrn Kunz von der Ange und zwei Johannitermönche belauscht, als ne diesen entsetzlichen Plan entwarfen. Ich weiß, Ihr glaubet mir. Ich habe keinen Grund edler Herr, anders zu denken. Doch da ich wohl weiß, wie gerecht Ihr seid, und welche Macht Ihr besitzet, so bin ich gekommen, Euch anzuflehen, meinen armen Glaubensbrüdern beizustehen und uns, meiner Enkelin, meinem Schwiegersohn und mir freien Abzug zu gewähren, da am meisten wir dem Haß der Verfolger ausgesetzt sind. Seit langen Jahren verfolgt ein Johannitermönch, namens Sibicho, meine Schwester, die deßhalb durch List, mit der edlen Hülfe Eures großherzigen Sohnes entflohen ist. — Doch nicht wir allein möchten fliehen, nein, bevor ich dieser treuen alten Heimath den Rücken kehre, möchte ich Euch bitten, mir die beruhigende Versicherung zu geben, daß Ihr meinen Glaubensbrüdern beiflehen wollet und sie schützen werdet gegen die rachsüchtigen Verfolgungen der Flagellanten." — Erregt harrte der Greis der Antwort des Bürgermeister«!'. Doch dieser stand mit verschränkten Armen, den Kopf gesenkt, sinneno da. (Fortsetzung folgt.) Der -JSraelit" erscheint wöchentlich zweimal, Montag» und Donnerstags, jedesmal ln mindestens zwei Bogen. Preis pro Vierteljahr bei der Post 3 Mark ohne Bestellgeld. Man abonnirt ganzjährig, halbjährig oder vierteljährig. Alle Buchhandlungen und Postämter nehmen Bestellungen an. — Der Duchhan-el verkehrt durch «. /.Ktetuacker, Letpfig, Doßplah 16. — Inserate 2o Pfennig die Ispaltige Petitzeile oder deren Raum. Preis der Zeile im Reclametheil 75 Pfennig. — Directe Francozusendung unter Streifband pro Jahrgang für Deutschland und Oesterreich 14 Reichs-Mark oder 8 fl. Üsterr., für's Ausland 16 Reichs-Mark, an die Expedition franco einzusenden, «ine «ückfendnng von an die Redaktion eingesandten Mannscripten findet nicht statt, man bittet deshalb, stch von allen Einsendungen eine Eopie zurlickznbehalten. Inhalt (Hanptblatt) Leitender Artikel: Samson Raphael Hirsch und die Israelitische Religionsgesellschaft zn Frankfurt a. M. — Zeitungsnachrichten und Correspondenzen: Deutschland: Kolberg. Rußland: Petersburg. Rumänien: Bukarest. — Literarische Rotiz. — Vermischtes. — Feuilleton: Ans finsterer Zeit. Geschichtliche Erzählung von Rud. Lacher. (Fortsetzung.) Inhalt der ersten Beilage r Leitender Artikel: Von den Ufern der Reiva. — Zeitungsnachrichten und Corre spondenzcn: Oesterr. Ungar.-Monarchie: Lemberg. — Personalien. Inhalt der -wetten Beilage: Literarisches. — Zeitungsnachrichten und Correspondenzen: Deutschland: Mainz. Berlin. Saarbrücken. — Vermischtes. Extra-Beilage: Spendenverzeichnisse._' _ Verantwortliche Redaction: Oscar Lehmann in Mainz. — Expedition des „Israelit", Schottstraße Nr. 2, Mainz. Druck und Verlag der J oh. Wirt h'schen Hofbuchdruckerei-Actien-Gesellschaft in Mainz. Hierzu drei Beilage«