Mannheim
Compact Memory

Der Israelit · 1897-01-21 · Heft 6 (21.1.1897) · page 6

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
38 (1897)
Issue
Heft 6 (21.1.1897)
Date
1897-01-21
Page
– (sequence 6)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/2446951-2448705-2448712--43237-2492276
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

98 gänzlich unbekannt war. Der Herausgeber Herr Joseph Friedmann hat diele neue Ausgabe nach einem Exemplar aus der Bibliothek des Salomon Halberstamm veranstaltet und sich damit den Dank aller Freunde der jüdischen Literatur erworben. Es enthält Erklärungen von Stellen aus -pn und den Aussprüchen unserer Str, nach den Parschijoth der Thora geordnet, meistens tibi wi -j-na. Aber fämmtliche Erklärungen sind so zutreffend und oft überraschend, daß sich kein Freund dieser Erklärungsweise unbefriedigt in dieselbe verliefen wird. Das Werk ist approbirt von den ersten rabbinifchen Größen, die zur Zeit feines ersten Erscheinens lebten und auch der neuen Ausgabe geht eine Approbation des Rabbiners Salomon Halberstamm n voran, welche die Bedeutsamkeit des Buches in gedrungenen Zügen darlegt, daß es genügt auf dieselbe zu verweisen, um dem Buche zahlreiche Freunde zu sichern. vermischtes. Johannesburg. Der Berichterstatter der „Weekln Sun" sendet über die Juden in Johannesburg folgende interessante Notiz: „Es sind etwa 6000 Juden hier. Die Juden haben die meisten Bankgeschäfte hier, sind aber auch die Ersten, wenn es Wohlthätigkeit zu üben gilt. Der katholische Bischof in Eapstadt theilte mir mit, daß er der beste Freund der Juden sei; ähnliche Bemerkungen machte man in Nazareth Hause und in anderen Institutionen." Süd-Afrika. Der bekannte jüdische Industrielle Dav. Harris in Kimberley hat in seiner Eigenschaft als Oberstlieutenant der Kimberley-Schützen die Offiziers-Auszeichnung erhalten. Dieser Orden wird von der Königin von England an die Offiziere des freiwilligen Heeres verliehen und zwar in den Kolonien auf Vorschlag des Gouverneurs. Es ist eine ho';e und um so ehrenvollere Auszeichnung, als sie m den Kolonien nur äuß rst selten verliehen wird. Feuilleton. Aus finsterer Zeit. Geschichtliche Erzählung von Rud. Lacher. 6) (Alle Rechte Vorbehalten.) „Ihr seid Wohlthäter der Menschheit," fiel Sibicho begeistert ein. „Hoch! auch die Juden dieser Stadt sollen vernichtet werden! Bruder FlagellantuS helft uns, dies zu vollbringen." „Wohlan! Mein Plan ist längst gemacht, doch hängt sein Gelingen wesentlich davon ab, daß einige meiner bußfertigen Brüder in die Stadt gelangen. Mit Eurer Hilfe dürfte sich dies leicht bewerkstelligen lassen, da Ihr uns wohl einige Eurer Klostergewänder herausschicken könntet, aus daß wir als friedfertige Johannitermönche zu verschiedenen Zeiten durch die Thore gelassen werden." „Es fei! Sogleich nach der morgigen Frühmesse sollen Euch die Mönchskutten" werden, aber was dann?" „Dann werden wir eine kleine Kriegslist anwenden. Wir werden ein Haus anzünden."- Die drei frommen Brüder sahen sich an, denn sie glaubten ein Geräusch hinter der Eiche, worunter die verhängnißvolle Unterredung stattfand, vernommen zu haben, doch beruhigte Herr Kunz von der Ange die beiden Johanniter, indem er sagte: „Es war wohl nur ein Windstoß. — Es ist kühl und wir werden^deßhalb besser daran thun, in mein Zelt hineinzugehen." Die beiden Johanniter folgten dem Sprecher in dessen einfach ausgestattetes Zelt. Dort fuhr Herr Kunz fort: „Also, meine geliebten frommen Herren, unser gottgefälliger Plan ist, daß wir ein Haus auf dem Römerberge anzünden, und alsdann die Bürger beim Löschen davon zu überzeugen suchen, daß die Juden diesen Brand verursacht. Die kleine List wird sicher erlaubt sein und die Absolution ist uns gewiß." Franziskus und Sibicho freuten sich sehr über den wohldurchdachten Plan des Flagellantenführers und versprachen nochmals, schon am nächsten Morgen die gewünschten Mönchsgewänder liefern zu wollen, worauf sie sich unter herzlichen Abschiedsgrüßen entfernten. Bei ihrem Austritt hörten sie wieder dasselbe Geräusch, das sie und Herr Kunz vorhin in ihrer Unterredung gehört hatten. Aus Neugierde schlichen sie sich vorsichtig an den kleinen Stachelbeerstrauch heran, hinter welchem sie einen Flagellanten gewahrten, der jedoch zu schlafen schien. Es war ein schlanker, bleicher junger Mann mit dunklem Haar. „Er scheint zu schlafen," flüsterte Franziskus, furchtsam nach einer Lanze schielend, die in Griffweite des blassen Schläfers lag. „Merkwürdigerweise sieht der ja einem Juden gar ähnlich," bemerkte Sibicho, worauf Franziskus versetzte: „Das ist durchaus keine allzugroße Seltenheit. Sollte mich gar nicht wundern, wenn er wirklich ein Jude wäre, da sich heutzutage gar Biele taufen lassen, und das natürlich nur scheinbar, um den Verfolgungen zu entrinnen. Doch ob Jude oder Christ, lassen wir ihn schlafen." Mit diesen Worten entfernten sich die beiden Johanniter. 6. Kapitel Noch waren die beiden Mönche nicht weit gegangen, als der Schläfer sich erhob und ihnen mit hastigen Schritten nacheilte. Es war Juda, der Verlobte Rahels. Er konnte den Beiden sehr gut unbemerkt in einiger Entfernung folgen, da der Vollmond die linde Sommernacht hell erleuchtete. Er schritt zwischen den unregelmäßig zerstreut liegenden Zelten der Geißler hindurch, nur selten von einem

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.