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Der Israelit · 1897-01-21 · Heft 6 (21.1.1897) · page 4

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Journal
Der Israelit
Volume
38 (1897)
Issue
Heft 6 (21.1.1897)
Date
1897-01-21
Page
– (sequence 4)
Language
German
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xfu^y 'MWb^wr* 96 Männer, die jsich in menschenfreundlichem Wettstreit mit den beiden Anstaltsorganen unseres Hauses zur Errichtung eines Neubaues vereinigt haben, und wünschen deren Bestrebungen zum Heil und Wohl unserer Heilanstalt für Arme das beste Gelingen. Möchte das Wort ihrer Bitte, die sich an sämmtliche Glaubensgenoffen der Kaiserrestdenz und des ganzen deutschen Vaterlandes richtet, nicht ungehört dahingehen, sondern in den Herzen edler Menschenfreunde in Nah und Fern einen mächtigen, lebendigen Wiederhall finden. Der Rechnungsabschluß verzeichnet 36993,45 M. an Einnahmen und 29301,59 M. an Ausgaben. Aus Mittelfrauken, 15. Jan. Im Hauptblatte von Nr. 104 des „Israelit" wird auf Seite 5556 die schöne herzerquickende Mahnung abgedruckt, welche das Dozentenkollegium des Rabbinerseminars in Berlin ihren in die Praxis entlaffenen Hörern mit auf den Weg gibt, ihnen darin an's Herz legend, in ihrer Amtswirksamkeit den idealen Mächten des Menschenlebens immer größeres Gewicht zu verleihen und durch keine materielle Lockung sich zur Zulassung von verderblichen, unjüdischen Neuerungen verleiten zu laffen. Der Wortlaut dieser Ermahnung hat mir — und sicherlich ebenso vielen anderen — ein wahres Labsal bereitet. — Auf derselben Seite der Zeitschrift befindet sich ein Bericht über eine Synagogeneinweihung inAmberg. Außer diesem zufälligen räumlichen, scheint zwischen diesen beiden Elaboraten kein sonstiger Zusammenhang zu bestehen, und doch sieht der Eingeweihte in diesem unbeabsichtigten Nebeneinanderdruck einen neckischen Zufall, der, wie oft, das Zusammengehörige und zu einander in gewiffer innerer Beziehung Stehende nebeneinander gerückt hat, wie dies der Leser gleich sehen wird. Mit der den 16 Familien Ambergs aufgegangenen Erkenntniß, daß sie zur Verrichtung ihrer Andacht einer würdigen Stätte benöthigten, verband sich auch die andere, eigenartigere, daß an dieser Stätte ihre Gewiffen nur dann für Gott würdig erweckt zu werden vermögen, wenn die Winde der Erhebung und der Aufklärung aus den Pfeifen einer Orgel oder eines Orgelchors ihre Gemüther berühren würden. Auch sanftlockende Damenstünmen sollten in dem neuen Bau dazu beitragen, die Herzen der 16 Amberger Familien ihrem himmlischen Vater zuzuführen. In den anderen kleinen und größern Gemeinden weiß man das Ziel der Erhebung des Gemüths auf einfacherem Wege zu erreichen; richtige Selbsterkenntniß sagte dagegen den Ambergern, daß dieses Werk bei ihnen etwas schwieriger sei und zu seiner Erreichung ein etwas größerer Apparat, als in der Regel üblich, nöthig sei. So wurde denn die Einweihung ihrer Synagoge mit Harmoniumklang und Damengesang vorbereitet. Nun straten Hindernifie auf, deren Bewältigung den 16 Familien^Ambergs Gelegenheit bot, den durch fremde Hilfeleistung beim Synagogenbau ersparten Opfermuth nunmehr bei der Einweihung in's schönste Licht treten zu lasten. Die Rabbiner der Oberpfalz — Schüler des Berliner Rabbinerseminars — versagten ihre Mitwirkung, wenn die Einweihungsfeier in der beabsichtigten Art vor sich geben sollte, auch der Lehrer — ein „Würzburger Finsterling" — revoltirte, und es blieb den Ambergern nach langer Verhandlung nichts anders übrig, als sich einen Rabbiner aus dem benachbarten Regierungsbezirke zu verschreiben und auch einen auswärtigen Lehrer für Geld und gute Worte zur Mitwirkung bei der Einweihungsceremonie zu bestimmen. Da das Musikinstrument ein geliehenes war und wieder zurückgegeben werden mußte, jo kann der Ortslehrer vorerst wieder in seine Amtswirkung treten, bis ein frohes Ereigniß in der Familie eines Gemeindemitglieds sich einstellt, für welchen Fall dasselbe in Bethätigung frommer Gesinnung ein Harmonium zu stiften beschlossen hat. Sollte das erwartete Ereigniß noch lange auf sich warten lassen, dann hofft man durch den „Landesverein in Fürth" das so wichtige Andachtsmittel bewilligt zu erhalten. Dann wird es auch an der Zeit sein, die nunmehr außer Wirksamkeit gesetzten Damen wieder zu Ehren zu bringen, und findet sich bis dahin kein Rabbiner, der diesen Gesang — weil, wie Ohrenzeugen berichten, wenig bestrickend und die Sinne fesselnd — nicht als rt'nv bezeichnet, dann ist es allerdings um die Stellung des Lehrers in der Gemeinde geschehen. Doch man ist gebildet, tolerant — wen kümmert dies? b. Rußland. Petersvurg, 14. Jan. Die „Birshewyja Wjedomosti" schreibt: Der größte Theil der ausländischen Engroß-Firmen, die sich mit dem Aufkäufe von russischen landwirthschaftlichen Erzeugnissen beschäftigen, bedienen sich zu diesem Zwecke jüdischer Eommissionäre. Diesen Umstand erschwert insofern die Entwickelung des Absatzes unseres Hopfens nach dem Auslande, als die jüdischen Eommissionäre nicht überall die freie Aufenthalts-Berechtigung haben, und daher immer seltener diejenigen Rayons besuchen, die gern ihre Produkte absetzen möchten, und nicht die Möglichkeit haben, ihre Erzeugniffe unmittelbar nach dem Auslande zu erportiren. In Anbetracht dessen beabsichtigt die Regiernng, die den freien Zugang zum inneren Rußland hemmenden Maßregeln dadurch theilweise zu beseitigen, daß sie den jüdischen Commissionären für Hopfen und einige andere landwirtschaftliche Erzeugnisse die freie Aufenhalts-Berechtigung ertheilen, im Falle sich dieselben als Vertreter solider Auslands-Firmen erweisen.

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