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Der Israelit · 1897-01-21 · Heft 6 (21.1.1897) · page 2

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Journal
Der Israelit
Volume
38 (1897)
Issue
Heft 6 (21.1.1897)
Date
1897-01-21
Page
– (sequence 2)
Language
German
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94 MWMW Scheeren de» Nasir,derLeviten,dasWaschen und Baden überall, wo es offenbar nicht den Zweck der Säuberrnz von physischer Unreinheit hat, das Salben, wo es offenbar nicht die Pflege der Haut bezweckt, sind dies anderes als s y m b o l i s ch e H a n d - lun ge n? Ueberhaupt, wo eine körperliche Handlung oder Unterlaffung, deren natürliche Wirkung nur körperlich ist, ausdrücklich zu einem geistigen Zwecke angeordnet ist und nach dem Gesetze geistige Wirkungen zur Folge hat, da kann diese Handlung nur in symbolischer Bedeutung zu diesem Zwecke und dieser Wirkung sich verhalten, es muß die angeordnete Handlung oder Unterlaffung selbst einen geistigen Inhalt haben, sie muß Ausdruck eines abstrakten Gedankens sein, und wir haben unabweisbar Symbolisches vor uns. So ist crrp, Heiligung, die Ertheilung eines geistigen Charakters an Personen und Dinge, die nur durch die von dazu Befugten über dieselben ausgesprochene Bestimmung erworben werden kann. NurGedankenundWillensausdruck heiligt. Spricht nun das Gesetz: Machet Gewänder für Aharon ihn zu „heiligen", damit er mir als Piiester diene! Dies sind die Gewänder :c. Bekleide damit Aharon und seine Söhne und salbe sie und bevollmächtige sie und heilige sie rc. Dies aber thue, um sie zu heiligen: Nimm einen Stier und zwei Widder rc. und Mazzoth rc. rc. Und bade sie rc. und nimm die Gewänder und bekleide sie rc. rc., führe den Stier vor das Stifiszelt rc., opfere den Stier und nimm von seinem Blute und gib davon auf den rechten Ohrknorpel Aharons rc. und seiner Söhne und auf den Daumen ihrer rechten Hand und ihres rechten Fußes rc. und nimm von dem an den Altar gegoffenen Blute und von dem Salböl und sprenge es auf Aharon und feine Gewänder rc.: „so wird er und seine Gewänder heilig und seine Söhne und ihre Gewänder mit ihm!" — so haben wir offenbar eine ganze Reihe von Handlungen, die in ihrer Zusammenfaffung nichts als den Gedanken der Heiligung zum Priesteramte ausdrücken können. Die Gewänder an sich, deren Bekleidung, die Opferung des Stieres und des Widders, die Bestreichung und Befprengung mit deff n Blute und dcm Salböl rc. muffen Gegenstände und Handlungen fymbolicher Bedeutung fein, weil als deren Produkt die Heiligung und Weihe des Priesters dasteht. „Wenn wir überhaupt an dieser Stelle auch nur vorläufig bedenken, wie der jüdische Tempel wesentlich für das göttliche Gesetz errichtet erscheint, das göttliche Gesetz allein in seinem Allerheiligsten thront, Weihe und Rückkehr zu diesem Gesetze nach unterlassener Pflicht, nach geübtem Vergehen, die ausgesprochenen Zwecke der in diesem Tempel vorzunehmenden Handlungen sind, Verzeihung, Reinheit, göttliches Wohlgefallen die Früchte sind, die dort geerntet werden sollen; wenn wir bedenken, wie somit sittliche Zwecke es sind, die von dem Gesetzesheiligthum insbesondere, sowie ja überhaupt von dem göttlichen Gesetze angestrebt werden: so kann es keinem Zweifel unterliegen, daß alle Veranst a l t u n g e n und Handlungen, die die Erreichung dieser Zwecke vermitteln sollen, geeignet sein müssen, auf das sittliche Moment im Menschen einzuwirken. Auf das sittliche Moment vermag man aber von Außen nur durch Weckung bestimmter Vorstellungen und G e d a n k e n einzuwirken. Der Tempel selbst und alle damit gegebenen Veranstaltungen und Handlungen müssen daher M i t t e l sein, solche Vorstellungen und Gedanken hervor zu rufen, die in geeigneter Weise auf das sittliche Moment einzuwirken vermögen, das ganze Heiligthunr mit allen damit in Verbindung stehenden Gesetzen, die positiven und die negativen, was das Heiligthum fordert und was es zurück weist, kündigt sich somit in seinem symbolischen Charakter an, und wir werden in mnw cnnp v© ein ganzes Gebiet symbolischer Gesetze zu erwarten zu haben." — „Derjenige aber, der etwa die syinbolische Bedetttung der Opfer in Zweifel ziehen wollte, der wolle nur einmal vorläufig das Opfer des Widders in Erwägung nehmen, den Abraham „„an derStelle seines Sohnes,"" ^2 nnr, zum Opfer brachte. Es hatte Gott die höchste Probe von ihm gefordert, die Opferung Jizch a k's, der den ganzen Zweck seines mehr als hundertjährigen Lebens forttragen sollte, in dem er daher seine ganze Vergangenheit und Zukunft hingeopfert hätte. Gott hatte es gefordert. Abraham hatte gehorcht, wurde aber im Vollzüge selbst von Gott zurückgehalten. „„Lege keine Hand an den Jüngling, rief ihm ein Engel vom Himmel zu, und thue ihm nicht das Geringste. Denn jetzt habe ich erkannt, daß du gottesfürchtig bist und hast mir deinen Sohn, deinen einzigen Sohn nicht vorcnthalten. Da Hub Abraham seine Augen auf und sah, siehe da war ein Widder, darauf ward er vom Dickicht an seinen Hörnern festgehalten! Da ging Abrahanr hin imb nahm den Widder und brachte ihn zun: Ganzopser an die Stelle seines Sohnes."" Wenn hier in diesem Opfer nicht eine Hingebung symbolisch zum Ausdruck kam, die in ihrer Bedeutung dem geforderten Sohnesopfer ebenbürtig gleichkam oder dieses noch in ihrem Folgenreichthum überragte, wenn da das Opfer nichts anderes wäre, als wie der Heide seinem Götzen etwas Liebes von seiner Habe opfert: in welcher Parallele stände da ein sol-

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