Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 38 (1897)
- Issue
- Heft 5 (18.1.1897)
- Date
- 1897-01-18
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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82 dukte in die Höhe treiben, diesmal aber hat die Thalsache größeren Werth, da es ein amtliches Organ die „Gazetta" für Handel und Industrie die offizielle Zeitung des Finanzministeriums ist, welche den Sachverhalt mittheilt. In Sytchecka wurden 24 Posten Flachs verkauft, davon ging die Hälfte in Commission nach Petersburg, wo sie 301 /2 Rubel per 10 Pud erzielte, die andere Hälfte, welche an jüdische Aufkäufer loco verkauft wurde, brachte einen Preis von 3 L1 /4 Rubel per 10 Pud. Trotzdem gehen die Beschränkungen der Juden immer weiter. So bestimmte kürzlich der Minister, daß der neugegründeten Volhy- Nische Gesellschaft von Hopfenproduzenten und Händlern nur 10°/o Juden angehören dürfen und im Kiewer Distrikt wurden neuerdings 111 Juden ausgewiesen. Aus Warschau wurden von 2562 jungen Leuten, welche zur Conscription berufen wurden, 301 Christen und 267 Juden genommen. Da aber diese Ziffer nicht ausreichte, wurden nach 140 Juden des weiteren ausgehoben, so daß Warschau, obwohl die Juden bei weitem nicht die Hälfte der Bevölkerung bilden, in diesem Jahr 407 und 801 Christen zum russischen Heere stellte. England. Hüll. Dem intereffanten Bericht des hiesigen Board of Guardians entnehmen wir die interessante Thalsache, daß sich unter den jüdischen Einwanderern, die vom Kontinent in diesem Hafen ankommen, auch solche finden, deren einziger Beruf die Bodenbearbeitung ist. Der Board of Guardians läßt sich angelegen sein, diese Leute nach Irland weiter zu senden, wo sie Arbeit finden, wie er die Eisenarbeiter nach Birmingham, Mützenmacher und Schneider nach Leeds, Cigarrenmacher nach London schiebt, weil sie in diesen Städten Beschäftigung finden können. Lebhafte Klage hat der Board zu führen über unreelle Schiffsagenten in Hamburg und an anderen Plätzen, und sehr häufig muß er einschreiten, um arme Auswanderer aus den Klauen dieser Vampyre zu reiten. > Wersonalien- -f Würzvurg EOli' 'l p'iP DIO verstarb dahier im Greisenalter von 81 Jahren Frau 9t a n n e t t e Hirsch, Wilkwe des rühmlichst bekannten Herrn Tr. Maier Hirsch, vormaligen Rabbiners in Braunsbach. Ihrem Wunsche gemäß wurde sie auf dem Friedhofe zu Untcrbalbach bei Mergentheim zur Erde bestallet, wo auch die irdischen Reste ihres thcuern Gatten und seiner Familie ruhen. Sr. Ehr würden Herr Rabbiner Dr. Sänger von Mergentheim hielt die Grabrede, in der die zahlreichen Tugenden, welche die selig Verblichene in ihrem wechselvollen Leben bethätigte, sowie das besondere Gottvertrauen, das sie stets auszeichnete, hcrvorg-hoben wurden. An der Seite ihres ehrwürdigen Gatten, der schon nach neunzehnjähriger glücklichster Ehe ihr entrissen worden ist, hat die Heimgegangene alle jene herrlichen Tugenden entfaltet. wie sie nur eine?n ntPN in des Wortes edelster Bedeutung zn üben vermag. Sie war in der That n?jn mcy die Krone ihres Gatten, dessen Andenken sic bis an ihr Lebensende in einer Weise heilig gehalten hat, die geradezu bewundernswerth zu nennen ist und nach dessen Intentionen auch auf ihre Umgebung einzuwirken sie stets bestrebt war. Nicht minder war sie H’JD mNDP der Schmuck ihrer Kinder, ihrer ganzen Familie, von welcher jedes Mitglied mit wahrhafter Verehrung und Begeisterung zur frommen Greisin emporblickte. Ihr Wirken beschränkte sich aber nicht auf die engen Grenzen ihres Hauses. Tic Wohlthätigkeit, die sie am liebsten in der Stille übte, hat viele Thronen getrocknet, manche Noth gelindert. Ihre Bescheidenheit und ihre Zuvorkommenheit gegen Jedermann machte sie in allen Kreisen dauernd beliebt. Möge nun der theueren Dahingeschiedenen der Lohn ihres edlen Strebens und ihres frommen Wirkens zu Theil werden, den sie in reichstem Maaße hin jeden verdient hat. Feuilleton. Aus finsterer Zeit. Geschichtliche Erzählung von Rud. Lacher. -">) (Alle Rechte Vorbehalten.) Er hatte richtig geahnt. Kein freudiges Willkommen war es, das ihm bereitet ivurde. Er fand sein Haus in großer Aufregung vor. Der junge Ritter von Marpurg, der zum größten Erstaunen Abraharn's bei dessen Ankunft in seinem Hause weilte, empfing ihn. „Seid gegrüßt, Abraham!" sprach er traurig, „und habt Dank im Namen meines verstorbenen Freundes, des hochseligen Kaisers, dessen Seele Gott lohnen möge nach ihren großen Verdiensten." Abraham drückte schweigend mit nassen Augen die biedere Rechte des edlen Ritters. Der Schmerz eint eben gar stark. „Abraham," fuhr der Ritter fort, „es ist ein trauriger Empfang, den ich Euch leider bereiten muß." Bestürzt forschte der greise Arzt nach der Ursache dieser bedauerlichen Eröffnung. Von lautem Schluchzen Nabels und Mirjams unterbrochen, erzählte Herr von Marpurg: „Durch einen Zufall getaugte es zu meiner Keuutniß, daß die Johanniter-Mönche Franziskus und L-ibicho Euere Schwester Mirjam beim Stadtgericht der Hcrerei beschuldigen wollen." Abraham erbleichte u?id fiel schwer in einen Stuhl. „Mein Plan, Euere Schwester und Euch alle zu retten, ist gemacht. Mirjam muß sofort fliehen und zwar allein. Ihr habt einen Vetter in Heidelberg. Dort wird sie eine sichere Stätte finden, und hört, wie sie gefahrlos dahin gelangen soll. Ich werde morgen gen Heidelberg reisen mit einem kleinen Heergcfolge. Mirjam und Juda werden als Landsknechte verkleidet, diesem Gefolge angehören.