Mannheim
Compact Memory

Der Israelit · 1897-02-14 · Heft 4 (14.2.1897) · page 19

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
38 (1897)
Issue
Heft 4 (14.2.1897)
Date
1897-02-14
Page
– (sequence 19)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
94% known words query
IRI
…/2446951-2448705-2448710--43208-2492245
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

71 dachte mit besonderer Rührung seines Lehrers, D r. Israel Hildesheimer, welcher das Ideal seines Lebens gewesen, zu dem er bewundernd und nacheifernd bis heut emporgeschaut und dem er bis an sein Lebensende tiefste Ehrfurcht entgegenbringen werde. Er bitte ein Huldigungstelegramm dem Meister zu senden. Unter begeistertem Beifall geschah es, und so gestaltete sich schließlich das Fest zu einer begeisterten Ovation für das greise allverehrte Oberhaupt des conservativen Judenthums in Deutschland. An das Diner schloß sich ein Festspiel an. Es war ein prächtiger Tag, um dessen reichen Inhalt der Jubilar sich wobt verdient gemacht habe. Auch wir rufen dem verehrten Manne zu : „Gott stärke Dich und mehre Deine Tage zum Wähle Deiner Gemeinde und zur Ehre des Judenthums!" Oesterr.- Ungar. Monarchie. CO Wien, 8. Januar. In der vergangenen Woche habe ich der jüd. Volksküche in der Krummbaumgasse (Leöpoldftadt) hier einen Besuch abgestattet, um das Treiben und Leben in dieser Humanitären Anstalt kennen zu lernen und zugleich auch mein bescheidenes Abendessen einzunehmen. Es ist dies eine Anstalt, auf die unsere Cultusgemeinde mehr stolz seine darf, als auf manchen ihrer mit himmelragenden Thürmen versehenen Tempel, die fast die ganze Woche hindurch leer stehen. Gleich beim Eintreten in die Volksküche erblickt man eine schwarze Tafel, auf der mit Kreide das Menu für die Abendtafel der Armen verzeichnet steht. Ohne lange zu überlegen, entschied ich mich für Knödel mit B mschel (gehackte Lunge), welches Gericht sammt einen: Stücke Brod dazu, 10 Kreuzer (20 Pfg.) kostet. Ich erlegte nun bei der nebenan sitzenden Kassirerin meinen Obolus, wofür sie mir die zwei entsprechenden Marken einhändigte. Ich verfügte mich mit denselben in den Speisesaal, an dessen obern Ende sich die in Reinlichkeit erstrahlende Küche befindet. Ein eisernes Gitter scheidet die Küche von dem Speisesaale. Ich übergab der Oberköchin meine zwei Blechmarken, wofür sie mir das von mir gewählte Gericht, sammt Brod und Eßzeug überreichte. Absichtlich oder zufällig war nur der obere Therl des Speisesaales erleuchtet, während der untere Theil halb im Dunkeln lag. Ich zog mich dorthin zurück, und verzehrte dort behaglich mein Nachtessen. Nachdem ich meinen Hunger gestillt, begann ich meine Saalgenossen zu mustern. Alle Altersklassen, vom 10jährigen Kinde bis zum 80jährigen Greis, vom Schulmädchen bis zur ehrwürdigen Matrone, waren hier vertreten, und alle diese Armen und Enterbten des Glückes freuten sich der angenehmen Wärme, die im Saale herrschte und labten sich an den erhaltenen Speisen. Ich erinnerte mich dabei der herrlichen Worte des Propheten Jefaias: rc tonn enne -an'? njn*? d*® xbn: „Brich den Hungrigen dein Brod und erbitterte Seelen bringe ins Haus", denn hier in dem Saale wird der Hungrige gespeist und der vor Kälte Erstarrte gewärmt. Ich dankte im Geiste jenen edlen Männern und Frauen, die mitgeholsen, dieses Asyl für Hungernde und Frierende zu gründen, und so den Armen eine kleine Erholungsstätte geschaffen. Zwanzig Jahre werden nun seit der Gründung dieser Volksküche vergangen sein, und seitdem haben hunderttausende von Armen hier Atzung und Erwärmung gesunden. Möge dieses echt jüdisch-humanitäre Institut für ewig blühen und gedeihen, zum Wohle der Armen und zum Ruhme unserer Gemeinde! Budapest, 6. Jan. Am Sabbat hat hier eine intereffante Feier stattgefunden. Herr Julius Adler hat dem Bethause des hiesigen israelitischen Knabenwaisenhauses eine Thora-Rolle und Herr Jacob Deutsch den dazu nöthigen silbernen Schmuck gespendet. Sabbat Abend wurde diese Thora-Rolle feierlich ihrer neuen Bestimmung übergeben. Nach dem Minchagebet wurde den 680 Waisenknaben eine Jaule verabreicht, wobei Dr. Visentei die Knaben in einer schwungvollen Rede ermahnte, stets gute Israeliten zu sein. Der Rabbinatsverweser in Seprös, Rabbi Elias Feld mann, wurde, weil er in einem benachbarten Orte ein Brautpaar ohne Erlaubniß des dortigen Rabbiners getraut, zu einer Geldstrafe von 50 fl. verurthcilt. Merkwürdigerweise hat der oberste Gerichtshof hier erst im vergangenen Sonrmer entschieden, daß. da nun in Ungarn die Civiltrauung die Hauptsache ist, so könne die religiöse Trauung von Jedermann, auch, wenn er kein autorisirter Rabbiner ist, vorgenommen werden. Der „Pesther Lloyd" hat jetzt eine Subscription zur Anschaffung von Winterkleidern für die Zöglinge der jüd. Lehrer-Präparandie hier eröffnet, die allgemeinen Anklang findet. Es laufen schon zahlreiche Spenden ein. Mittheilungkn den jüd. Arinenverelnru «nd für dirselden. (Sämmtliche jüd. Wauderbettelverelue und «affen für Durchreisende sind gebeten, uns Mittheilungen über Erfahrungen, die fie auf dem Gebiete ihrer THLtigkeit machen, zukommen zu lassen) Augsburg. (Warn u u g.) Wir theilen Ihnen hierdurch zur geft. Veröffentlichung in Ihrem gesch. Blatte mit, daß Josef Samuel aus Kopenhagen, auch Samuel Josef, der in Wahrheit Walter Valentin aus Seekach heißen soll, hier als Nichtjude entlarvt wurde. Er treibt sich seit Jahren herum und be-

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.