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Der Israelit · 1897-02-14 · Heft 4 (14.2.1897) · page 18

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Journal
Der Israelit
Volume
38 (1897)
Issue
Heft 4 (14.2.1897)
Date
1897-02-14
Page
– (sequence 18)
Language
German
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70 ziehen ist. Es ist daher auf's Innigste zu wünschen, daß von dieser günstigen Gelegenheit reichlicher Gebrauch gemacht werde. —n— ZetturrgSirachrichrett und Correfpondenrerr. Deutschland. Mainz, 8. Jan. Zu dem in Nr. 105 des Israelit erschienenen Artikel: Der Verein zur Wahrung der religiösen Interessen des Judenthums in der Provinz Westfalen, theilen wir auf mehrfache Anfragen ergänzend mit, daß Geldsendungen an den Rechnungsführer des Vereins, Herrn Dr. med. Rubens in Gelsenkirchen zu richten sind. Frankfurt a. M. Im Verein für jüdische Geschichte und Literatur sprach am 4. Jan., Herr Rabb. Dr. L. A. R o s e n t h a l aus Pr. Stargard über Mose Chaim Luzzatto, den Dichter und Cabbalisten. Dieser merkwürdige Mann war 1707 in Padua geboren, als Sohn eines wohlhabenden Seidenhändlers. Schon früh wurde er unterrichtet und auch in den Talmud eingeführt. Sein Talmudlehrer war Jesaja Basan. Dieser und Isaak Chaim Cantarini hatten großen Einfluß auf seine Entwickelung. Auch die klassischen Sprachen und ihre Dichter waren Lazzatto nicht fremd. Seine dichterische Begabung zeigte sich schon in einem Traumgedicht auf Cantarini, das er im 14., nach Anderen im 17. Lebensjahre verfaßte. Ferner schrieb er 150 Psalmen, ein Drama „Simson und die Philister" u. A. Auch in die Kabbala scheint er früh eingeführt worden zu sein; Italien war ja immer das Land der Kabbalisten und der Dichter. Man beschäftigte sich in Italien gern mit jener Welt, wie es Dante auch that. Dann haben die falschen Messiafle Salomo Molcho und Sabbathai Zebi, sowie die Schriften von Isaak Lurie in Italien den Boden für die Kabbala bereitet. Luzzatto wurde mächtig davon ergriffen und er schrieb eine Rachahmung des Sohar, eine Erklärung zum Buch Kohelet, im Ganzen 25 kabbalistische Schriften. Er hatte sich so hineingelebt, daß er sich zuletzt als ein besonderes Werkzeug der Gottheit ansah. Dadurch erregte er Anstoß. Durch die Bemühungen von Mose Chagis und Kätzenellebogeu in Altona gelang es, ihm das Versprechen abzunehmen, von der Kabbala zu lassen. Er verheirathete sich und lebte in Italien. Eme Streitschrift Juda Modena's gegen ihn tvar der Anlaß, daß der Bann gegen ihn ausgesprochen wurde und er Italien verlaßen mußte. In Frankfurt glaubte er Hülfe zu finden; allein hier beredete ihn Jacob Cohn, von der Kabbala abzulassen. Er gab auch das Versprechen unter der Bedingung, daß er vom 40. Jahre an in Palästina sich mit der Kabbala beschäftigen dürfe. Luzzatto ging nach Amsterdam, wo er bei Mose Chagis Ausnahme fand. Als er das 40. Lebensjahr erreicht hatte, wanderte er nach Safed aus; allein in Ptolemäus wurde er mit seiner ganzen Farüilie von der Pest hingerafft. Der Redner schilderte die kabbalistische Weltanschauung und suchte nachzuweisen, wie zwei von Luzzatto verfaßte Hochzeitsgedichte, Migdal Os und Lajesscharim Thilla voll von kabbalistischen Anspielungen seien. Der Vortrag fand vielen Beifall. B. Kattowitz, 6. Januar. Heut beging unser sehr verehrter Rabbiner Herr Dr. Jacob Cohn sein 25jähriges Amtsjubilä'um, und der herrlich schöne Verlauf der Festlichkeiten gab ein beredtes Zeugniß von der Stellung des Jubilars in unserer Gemeinde und von den innigen Beziehungen, welche die Confessionen unserer Stadt mit einander verbinden. Das Fest galt aber nicht nur der Person unseres Rabbiners, sondern der gesetzestreuen Idee, welche er allezeit würdig vertrat. Von allen Seiten liefen Glückwünsche ein. Zu Hunderten brachten Telegramme Grüße aus der Ferne. Der deutsche Rabbiner-Verband, das Berliner Rabbiner-Seminar, der oberschlesische Gemeindebund, das israelitische Waisenhaus in Rybnik, die Nachbar-Gemeinden, die Gemeinde Kattowitz, die Stadtverordneten dieser Stadt, das Gymnasium, der Thierschutzverein, der Landwehr- und Kriegerverein — — doch wer nennt alle die Namen, die in Deputationen dein Jubilar glückwünschend nahten! Der Vorstand beschloß eine bedeutenoe Gehaltserhöhung, die Gemeinde überreichte ein werthvolles Ehrengeschenk, der oberschlesische Rabbiner-Verband einen kostbaren silbernen Pokal, ehemalige Schüler einen Silberkasten, die jüd. Gymnasiasten eine Salonlampe, der Jungfrauenoerein eine Klvstallkrone u. s. w. u. s.w. Vormittags fand in der Synagoge ein Festgottesdienst statt, bei welcher der Jugendfreund des Jubilars, Rabb. Dr. Rosenthal aus Breslau die Festrede hielt. Tiefbewegt antwortete der Jubilar. Nachmittags fand ein Diner im Hotel de Prasse statt, an welchem der Gvmnasialdirektor, der erste und zweite Bürgermeister, Die Rabbiner von Ratibor, Gleiwitz, Sohrau, Königshütte, Tarnowitz, Zabrze, die Mitglieder des Ausschusses des oberfchlestschen Gemeindeiiundes, Dr. H. Hildesheimer namens des Rabbiner- Seminars und viele andere Personen von Stellung und Rang theilnahmen. Den Kaisertoast hielt Stadtrath Wiener - Kattowitz. Auf den Jubilar sprach Rechtsanwalt Epstein, aus besten Familie Dr. Rosenthal-Breslau. Ferner hielten wirkungsvolle Ansprachen Dr. Münz, Dr. Deutsch, Dr. Goldschmidt, ArntsgerichtSrath Lewy u. v. a. Besonders ergreifend war es, als Dr. Hirsch Hildesheimer im Namen seines greisen Vaters dem theueren Schüler Segensgrüße uberbrachte. Tiefergriffen dankte Dr. Cohn uno ge-

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