Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 38 (1897)
- Issue
- Heft 4 (14.2.1897)
- Date
- 1897-02-14
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
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(2arls des Vierten zu werden, doch läßt sich dies mit Bestimmtheit annehmen. Abraham hatte eine schwierige Mission zu erfüllen. Der schlaue, selbstsüchtige Carl wußte mit seiner diplomatischen, trugvollen Politik, die seine ganze Negierung kennzeichnet, Kaiser Günther mit Verträgen aller Art so lange hinzuhalten, bis er ein Heer und Geldmittel gesammelt, um alsdann dem Wunsche der deutschen Geistlichkeit zu willfahren und Günther 51t bekriegen. Carl, dem es mehr auf die Wohlfahrt seines geliebten Böhmenlandes ankam und der Deutschland auch später stets nur als Stiefkind behandelte, hätte sich damals wohl mit einer entsprechenden Summe Geldes begnügt und dem kranken Günther von Schwarzburg die deutsche Kaiserkrone verkauft, doch es sollte anders kommen. Nachdem Abraham etwa drei Monate in Spever geweilt hatte, traf plätzlich die Nachricht ein, Kaiser Günther sei seinem Leiden erlegen. Carl, der ein ansehnliches Heer bereits hatte anwerben lassen, wurde es leicht, die Anerkennung seiner Gegner zu erzwingen und stand bereits im Juni desselben Jahres als allseitig anerkannter Kaiser des römischen Kaisereiches deutscher Nation da. Betrübten Herzens reiste Abrahanr nach Frankfurt zurück. Umsomehr betrübt, als in den letzten Tagen seines Aufenthalts der schwarze Tod in Speyer auftrat und der Pöbel bereits versucht hatte, die Juden zu vertilgen, aus Rache dafür, daß sie die Brunnen vergiftet und dadurch die fürchterliche Plage herbeigesührt haben sollten. Doppelt bekümmert und in großer Angst um die Seinen, ritt der greise jüdische Medikus seiner Heimath zu. Schwere Sorgen, düstere Ahnungen begleiteten ihn auf seiner Heimreise. (Fortsetzung folgt.) crddis d?.9 Ymt Aossphme iräfi« zu Keinmgsn-'Uestsrburg, grb. von Sprunrr. Kennt das Gebet ihr wohl, dem tausend Thräncn stießen. In Zions alter Sprache ward es aufbemahrt, Und ein Jahrhundert hat's dem andern überwiesen, Da Poesie und Andacht sich in ihm gepaart. Die frischen Ranken all' von kindlichem Empfinden, Bon menschlichem Erinnern, mächtig, groß und gut, Als zartes Blüthcnnetz um dies Gebet sich winden, Das hoch als Felsen ragt in Sturmesfluth. Es ist die duftend süße, blaue Wunderblume, Die, von des Lebens Schmutz und Unrath unberührt. Ein Engel einst gebracht zum jüd'schen Heiligthume, Und der vom Himmel stammend Himmelsglut gebührt. Die tiefsten Fibern all' von eines Menschen Wesen, Sie laben sich an ihrer Schöne, ihrem Duft, Sie sprengt der Eltern Gräber, der geliebten Wesen. Und dringt voll Glut hinein auch in die tiefste Gruft. Das Kaddisch bürgt den Eltern ihres Kinds Gedenken, Es schwingt sich unmittelbar zu Vaters Thron. Und flehet, daß er ihnen mog' den Frieden schenken. Und mit Barmherzigkeit die Liebe ihnen lohn'. Führwahr, kein schöner Band giebt's, fester zu verketten Den Himmel und die Erd', die Eltern und das Kind: Es hat gewiß die Kraft, auch solche noch zu retten, Die ganz verwildert schon beinah' verloren sind. Du trittst aus diesem ewig ruhelosen Leben In ein gcheimnißoolles dunkles Jenseits ein, Doch unbelohnt blieb nicht dein mühsam irdisch Streben Des Kinds Gedenken, seine Dankbarkeit sind dein. Bist du gewandelt auf dem weiten Erdenrunde Auch in der Armuth Kleid und liehest nichts zurück, Du lebst doch fort in deines frommen Kindes Munde, Dein Angedenken ist sein Erbe, ist sein Glück! *) Aus dem soeben erschienenen Bande „Dichtungen" (Kassel 1897, Fisher u. Eo) Der „JSraelit" erscheint wöchentlich zweimal, Montags and Donnerstags, jedeSmal in mindestens zwei Bogen. Preis pro Vierteljahr bei der Post 3 Mark ohne Bestellgeld. Man abonnirt ganzjährig, halbjährig oder vierteljährig. Alle Buchhandlungen und Postämter nehmen Bestellungen an. — Der Buchhandel verkehrt Lurch « F. Kteinacker, Leimig, Roßplatz 16. — Inserate 25 Pfennig die 4spaltige Petitzeile oder deren Raum. Preis der Zeile im Reclametheil 75 Pfennig. — Directe Francozusendung unter Streifband pro Jahrgang für Deutschland und Oesterreich 14 Reichs-Mark oder 8 fl. österr., für's Ausland 16 Reichs-Mark, an die Expedition franco einzusenden. €if»t Rücksendung von an die Redaktion eingesandten Manusertpten findet nicht statt, man bittet deshalb, stch von allen Einsendungen eine Copie zurückznbehalten. Inhalt (Hauptblatt). Leitender Artikel: Samson Raphael Hirsch und die Israelitische)'Religionsgesellschaft zu Frankfurt a. M. — Zeitungsnachrichten und Eorrcspondenzen: Deutschland: Aus Süddcutschland. Hamburg. Amberg. Dresden. Desterr.-Ungar. Monarchie: Aus Ungarn. — Vermischtes. — Feuilleton: Aus finsterer Zeit. Geschichtliche Erzählung von Rud. Lacher. (Fortsetzung) Inhalt der ersten Beilager Leitender Artikel: Paris, Braunschweig, Arad. — Zeitungsnachrichten und Corrcspondenzcn: Deutschland: Mainz Berlin. Burgkunstadt. — Vermischtes. Inhalt der zweite« Beilage: Literarische Umschau. — Zeitungsnachrichten und Correspondenzcn: Deutschland: Mainz. Frankfurt a. M. Kattowitz. Oesterr.-Ungar Monarchie: Wien. Budapest. — Mittheilungen aus den jüd. Armenvereiuen und für dieselben. — Personalien. — Vermischtes. Pädagogische Beilage: 'Bericht über die Thätigkcit des Verbandes der jüdischen Lehrervereinc im deutschen Reiche für das Jahr 189«'». Verantwortliche Redaction: Oscar Lehmann in Mainz. — Expedition des „Israelit", Schottstraße Rr. 2, Mainz. Druck und Verlag der Joh. Wirth'schen Hofbuchdruckerci-Actien-Gesellschaft in Mainz. Hierzu drei^Beilagerr