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Der Israelit · 1897-01-11 · Heft 3 (11.1.1897) · page 11

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Journal
Der Israelit
Volume
38 (1897)
Issue
Heft 3 (11.1.1897)
Date
1897-01-11
Page
– (sequence 11)
Language
German
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47 leidigend seien. Der Brrrhe'diger verwahrte seinen Clienten noL gegen den Vorwurf, daß der „Generalanzeiger" seine am Kopf sichende Devise verleugnet habe. — Der Angeklagte Sedlatzeck schließt sich den Ausführungen seines VertheidigerS an und werft die vom Oberstaatsanwalt gegen sein Blatt und die antisemitische Partei erhobenen Vorwürfe als unhaltbar zurück. — Der GerichiShof berieth nur kurze Zeit. Bet der Veröffentlichung deS UrtheilS hob der Vorsitzende Folgendes hervor: CS fei angenommen worden, daß der Angeklagte Sedlatzek den vom Mitangeklagten Schwennhagcn verfaßten und ihm zugesandien Artikel unter Kennrniß und Billigung deS JnhaUeS in den „Grneralanrriger" aufg"iiommrn habe Der Artikel, wklcher als eine einheitliche Ha dlung anzusrhen sei, enthalte sowohl Beleidigungen im Sinne deS Z lf*5 wie 186. Bei der Errafabmessung könne demzufolge nur der schwerere Paragraph in Bettacht kommen. AuS den vom OberftaatSonw.'lt angeführten Gründen und be, dem Hohn und der Herausforderung des Gerichts auf Erkennung eines höheren Strafmaßes sei der Angeklagte Schwennhagen zu einem Jahre, der Angekagte Sedlatzek zu vier Monate« Gefängniß verur,heilt worden. Dem Beledigten, Herrn v. Mirbach sei die PublikationSbefugniß im „StaarSanreiger" und im „Generalanze ger" zugesprochen worden. Bei dem früheren Verhalt'« d's Ang'klagttn Schwennhagen sei derselbe sofort in Haft zu nehmen. Der Letzte erklärte, die Sttase sofort antreten zu wollen. Zeitungsnachrichten und Correfpondenze«. Deutschland. Berlin, 3. Jan. lieber die frühere Verbindung des Polizeiagenten Norman-Schumann mit Stöcker und der Redaction des „Volt" schreibt der frühere Nedacteur des „Volk" in der „Zeit": Schumann hat sich zur Zeit der Untersuchung gegen den Schächter Buschoff in Fanten wegen Ermordung des Knaben Hegemann unter dem Namen „Schmidt" von der Nedaction des „Volk" vorgestellt und erklärt, er wolle das Material, welches er für die „Germania" und andere Blätter in Xanten gesalnmelt, auch dem „Volk" mittheilen. Das „Volk" erhielt denn auch Mittheilungen des „Schnridt" über den Buschoff-Vrozeß, die indessen nur zum Theil Verwendung fanden Als dann später wegen dieser Veröffentlichungen das Strafverfahren eingeleitet wurde, wurden von der Redaction des „Volk" in Fanten direkt Erhebungen gepflogen und dabei mit Hilfe der Herren Bürgermeister Schloß und Kaplan Breffer festgestellt, daß Schmidt-Schumann in Xanten mindestens eine zweideutige Rolle gespielt hatte. Das ihm für die „Germania" übergebene Material war mit erheblichen Entstellungen in der Leipziger „Neuen Deutschen Zeitung" veröffentlicht worden und dann von dort aus in vielen Zeitungen übergegangen. Berlin, 3. Jan. In dem Nachruf, den die Mittheilungen des Vereins zur Abwehr des Antisemitismus dem verstorbenen Georg v. Bunsen, einem der Gründer des Vereins widmen, wird folgendes Schreiben Bunsens an den Geh. Kommerzienrath Magnus, d. d. 20. Juni 1880, wiedergegeben: Verehrtester Herr Gcheimrath! Gestern Abend nahm die Frau Kronprinzessin eine Gelegenheit wahr, von der „Judenhetze" und der „schönen Geduld' zu reden, welche die Juden an den Tag gelegt. Im Laufe dieses Gespräches habe ich dann der hohen Frau von Ihrer Absicht, das Lefstng-Denkmal zu errichten, erzählt. Auf meine Aeußerung. daß gerade jetzt der Augenblick mir gekommen zu sein scheine, wo gar Mancher sich freuen würbe, seine Gesinnung zu bekunden und damit einer ebenso frechen als unerwarteten Agitation entgegenzutreten, ging sie lebhaft bejahend ein. „Ich Hope, daß man weiß, wte scharf und entschieden der Kronprinz und ich sie mißbilligen", rc. . . . Ganz der Ihrige G. v. Bunsen. Aachen, 5. Jan. (Dr. Max Anton Loew als antisemitischer Wanderprediger in Deutschland). Der Hof- und GerichtSadvocat Dr. Max Anton Loew in Wien ist vor mehreren Jahren aus dem Judenthume aus- und dem Katholizismus beigetreten. Im Laufe der Jahre „mauserte" sich der Mann unaufhörlich, bis er sich zum Bertheidiger des berüchtigten antisemitischen Pfarrer- Deckert in Weinhaus bei Wien durchgemausert hatte. Jetzt scheint er die tiefste Stufe erreicht zu haben; er ist antisemitischer Agitationsredner geworden. Sein erstes Debüt hatte er vor einigen Wochen in unserer Stadt im Verein „Christenschutz", wo er zwei Vorträge hielt; er sprach über seine früheren Glaubensgenoffen in einer Weise, die dem Antisemiten Ahlwardt oder dem Stempelfälscher Schneider alle Ehre gemacht haben würde. Am Schluffe der Versammlung brachte Loew einen Toast auf-Lueger aus. Tiefer kann der Apostat wohl kaum mehr sinken. Hildesheim, 4. Januar. Dem Bericht für das Jahr 1805 über die Thätigkeit des Vereins zur Förderung von Handwerken und sonstigen bürgerlichen Berufsarten unter den Juden der Synagogengemeinde und des Landesrabbinalsbezirks Hildesheim entnehmen wir, daß deffen Bemühungen, weitere Kreise innerhalb des hiesigen Landrabbinatsbezirks für die VereinSintereffen zu gewinnen, nicht ohne Erfolg gewesen sind. Die Direktion hofft, daß auch fernerhin in richtiger Würdigung der Vereinsziele von den Synagogen-Gemeinden resp. deren Mitgliedern unserer Kaffe die Beiträge zugeführt werden, zugleich ersucht sie, um die an sie herantretenden Ansprüche nach Wunsch erfüllen zu können, besonderdurch Gewinnung neuer Mitglieder für den Verein nach Möglichkeit thätig zu sein. Der Jahresbeitrag beträgt nur 2 Mark. Die Einnahmen betrugen 818 Mark 6 Pfg., die Ausgaben 577 Mark 85 Pfg. Kaffenbestand am 31. Dezember 1895 240 Mark 21 Pfg. Das Capitalsvermögen de» Vereins incl. Kaßenbestandes betrug am 31. Dezember 1895 8590 Mark 21 Pfg. Es erhielten Beihülfen im Betrage von

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