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Der Israelit · 1897-01-11 · Heft 3 (11.1.1897) · page 5

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
38 (1897)
Issue
Heft 3 (11.1.1897)
Date
1897-01-11
Page
– (sequence 5)
Language
German
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^WMWMWMWW^V^WWWWWWWDWMjWWWMWWMPWWWWWWWW 41 Tafel und der sonstigen gefundenen Gegenstände sind im Universitätskolleg in London aufgestellt. Der große Stein selbst, auf dem die Inschrift sich befindet, ist dem Museum zu Ghizeh überliefert. Gelnhausen. Vergangenen Sonntag wurde die alljährliche, ordentliche Generalversammlung des hiesigen „Literatur-Vereins Mendelssohn" abgehalten. Der Verein, welcher nunmehr auf ein dreijähriges Bestehen zurückblickt, bat sich Dank einer umsichtigen Leitung prächtig entwickelt. Er zählt jetzt 42 Mitglieder und verfügt über eine reichhaltige Bibliothek, einen Journal-Lesezirkel und über ein eigenes Lesezimmer. Die Mitglieder wurden im verfloffenen Jahre mit 4 Vorträgen erfreut und zwar: 1) Die Genesis der Literaturvereine (Herr Saly Geis), 2) Hillel und seine Zeit (Herr Lehrer Strauß), 3) Nathan der Weise (Herr Provinzialrabbiner Dr. Koref, 4) Die Maccabäer (Herr Lehrer Strauß.) Die Einnahmen beliefen sich auf M. 344.7 t, die Ausgaben auf M. 284.15. Der Vorstand besieht aus den Herren S. Geis, A. Meyer, Jac. Moritz, Max Stern und Lehrer Strauß. Aus Baven. Mit Bedauern muß ich hier mittheilen, daß der in der zwanziger Jahren geschlossene Friedhof in Karlsruhe durch Gewalt seinem Charakter entzogen werden soll. Die „Bad. Landeszeitung" schreibt hierüber: „Die Verbreiterung der Kriegsstraße beim „Grünen Hof" und der Einfahrt der Kromnstraße soll nun vom Stadtrath ernstlich angeftrebt werden. Zur Ausführung ist nöthig, daß der alte israel. Friedhof geöffnet wird, was aus religiösen Gründen nur auf dem Wege der Expropriation geschehen kann, denn es ist den Israeliten verboten, einen Begräbnißplatz zu veräußern. Die Einfahrt der Kronenftraße wirs alsdann von ll M. auf 27 M. verbreitert, indem das jetzige OktroihäuSchen entfernt und ein neues weiter zurückstehendes erbaut wird. Der Gehweg an der Kriegsstraße wird bis zur Bausiucht verbreitert, wozu Herr Bildhauer Nußberger etwa 37 Qm. von seinem Grundstück abtreten muß. Was dann noch von dem iSr. Friedhofe übrig bleibt, wird in öffentlichen Anlagen umgewandelt; wird nicht gar viel fein." — Nach unserer Ansicht könnte Karlsruhe bestehen, ohne diesen ehrwürdigen Platz seinem seitherigen Charakter zu entziehen. W. Oe st e r r.-U n g a r. M o n a r ch re. Wien. Am 24. Dezember spielten sich in und vor dem Rathhause bewegte Szenen ab. Wie alljährlich am Weihnachtstage hatten sich auch Heuer Hunderte von Armen eingefunden, um im Armendepartemeut eine kleine Geldunterstützung zu erbitten. Verhärmte Frauen mit blassen Kindern auf den Armen, hinfällige Greise, Männer in dürftigen Kleidern, kurz Leute, denen man auf den ersten Blick das Elend und die Noth von den Gesichtern ablesen konnte, wollten die sonst immer an diesem Tage zur Vertheilung gelangenden Spenden im Betrage von zwei Gulden per Person in Empfang nehmen, Spenden, auf die sie um so sicherer rechnen zu können vermeinten, als Heuer das „Manna der Armen", der Schnee, für die Nothleidenden absolut keinen Verdienst abwarf. Sie sollten sich aber in ihren Erwartungen getäuscht sehen. Man wies die Bittenden im Rathhause ab, und als die Menge sich nicht entfernen wollte, wurde über Auftrag des Bürgermeisters Sicherheitswache requirirt und diese mußte die Schaar der Hungrigen aus dem Rathhause hinausdrängen. Eine Frau rief, wie die Wache sie herausdrängte: „Wenn ich jetzt nach Haus komme, muß ich meine Kinder umbringen, damit sie nicht verhungern, und der christliche Bürgermeister hat es am Gewissen". Ein Mann auf Stelzen, ein verkrüppelter Soldat, schrie fortwährend: „Wo ist Lueger, der Allen hilft? Die da drinnen werden heute Champagner saufen und wir verhungern". — In Teschen wurde der christlich-soziale Agitator Pater Stojalowsky verhaftet. Schweiz. Zürich« Durch die antisemitische Preffe ging dieser Tage folgende Notiz: (Einverbrecherischer Arzt.) Das bildschöne Fräulein Gamser aus Chur ertränkte sich nach einer Konsultation bei Dr. Meyer aus Zürich, der Spezialist für Kehlkopskrankheilen ist. Sie hinterließ einen Zettel, auf dem die Worte standen: „Der Arzt ist schuld an meinem Tode!" Die Unter« suchung ergab, daß Meyer gegenüber einer Reihe von Patienten unsittliche Handlungen begangen hat Das Bezirksgericht Zürich verurtheilte Meyer zu 8 Monaten Arbeitshaus, 5000 Fr. Geldstrafe und zu fünfjähriger Einstellung seines Berufs. Meyer ist Jude. Der Fall erregt großes Aufsehen. Hierzu wird aus Zürich geschrieben: Der mir übersendete Zeitungsausschnitt, betreffend Sittlichkeitsverbrechen eines Dr. Meyer zu Zürich ist in fast allen Stücken der Wahrheit entsprechend und ist jedenfalls einer hiesigen Zeitung nachgedruckt. Nur eine Kleinigkeit ist dabei passirt. Die Worte: „Meyer ist Jude" sind einfach hinzugelogen, mit einer naiven Frechheit, die der Komik nicht entbehren würde, wenn es nicht so furchtbar traurig wäre, wie durch ähnliche unzählige Tropfen von boshaften Lügen der Fels des germanischen Rechtsgefühls an vielen Stellen ausgehöhlt worden ist, und eine vollständige Vergiftung des Sinnes für Wahrheit und Recht namentlich in weiten Kreisen der akademischen Jugend eingeriffen ist.

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