Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 38 (1897)
- Issue
- Heft 3 (11.1.1897)
- Date
- 1897-01-11
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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39 1 armer Kinder im Johannis Stift verwendet wurden. Also Geld von Christen gezeichnet für humanitäre Zwecke und nicht zu Kirchenbauten! Ich selbst hatte von jener Versammlung nicht einmal etwas gewußt und befand mich gerade ans einer Dienstreise. Wie stimmt zu allen diesen Thatsachcn die Legende des Berichterstatters, wenn er mit verachtendem Hohn von den Berliner Bankjudeu spricht, die mit mir in jener Versammlung den Kirchenbaufonds begründet batten, nrrd rrrich bcu Judengcldsammler nennt ' Nt eine Sammlun: gen für Kirchenbauteu begannen erst im Jahre 1889. Wenn der Berichterstatter sag', daß die Gestunden das Geld hergegeben hätten, so ist cs wichtig, hier die Wahrheit zu tonstatircn: Ich sammelte danrnls n einigen Monaten über l'/a Millionen Mart. xMn diesen traben ivaren bethciligt: Das Königshaus mit über 900 000, wohlhabende evangelische Kirchengemeinden Berlins mit 900 000. einige 90 nur befreundete Edellente mit 120 0(10 uub einige so nrir befreundete bürgerliche Evangelische, meist Berliner, mit 20O OO0 M. Diese siebzig Geber sind sännntlich evangelisch und gehörten zum größten Thcile dem Evangelisch-Kirchlichen Hilssverein an. Aber der Berichterstatter knüpft rroch weiter an die Bersanrinlung bei Herrn v. Dcchend eine .'sicibc der sonderbarsten Erfindlingen. Es rvird geschickt Unwahres als Thatsache geschildert und damit ans die Leichtgläubigkeit des großen Publikums spetulirt. So erzählt er. ich hätte im Austrage Ihrer Majestät der Kaiserin im Anschlüsse an jene Versanrrnlrlng den Kircherrbarr rnit den Juderr ernstlich irr die Hand genommen, ich sei der Vermittler zaischeir der Börse rrnd denr kaiserlichen Hose geworden und hätte schlicßlickr ---- wie er sich in seiner höhnischen Weise ansdnicki - mit den holden Gatrirrrren der Juden ein Ntissionekr äirzcherr gcgrnndct. In dieses Kränzchen seien die Hosdanren eingetreten rrnd ich solle nrich beirrüht habeir, auch noch Ihre Majestät die Kaiserin in dasselbe hiiieinznziehen. In einem Ar itel des „E)cncrala»zeigers" stand, daß Ihre Majestät sich bereits an einem Kränzchen bethciligt habe Der Berichterstatter benutzt dann noch die Gelegenheit die Minisierfrauen zu verdächtigen, er' scheut sich nicht vor der Behauptung, daß durch diese jüdischen Missionstränzchen eine weibliche Nebenregierung geschaffen sei, welche ihren Einfluß auch auf die Politik übe. Seiner Frechheit aber setzte er die Krone auf durch die Behauptung, daß in diesen Kränzchen die Entstehung der berücht gt>n anonymen Berleumdungsbriefe zu suchen sei, ja, er wagt es auszusprechcu, daß dort auch wohl Gelder zur Unterdrückung der Schriften des Rechtsanwalts Friedmann gesammelt worden seien. Mit größerer Frivolität gehen selbst die böraitigstktt Anarchistenblätter nicht vor und dies kennzeichnet zur Genüge den Bcrichelsiattcr und seine Presse. Nirgends mehr als bei der Fabel von dem jüdischen Missionskränzchen tritt se'ue Hebsucht so deutlich hervor, wenn man mit seinen Erzählungen die Wahrheit vergleicht. Zur Erhaltung der Diakonissen-Stackonen, zur unentgeltlichen Armenpflege hatte sich nämlich unter dem Pivtektorate Ihrer Majestät der Kaiserin die „Berliner Frauen Hilfe" gebildet aus evangelischen Frauen und Jungfrauen cller Kreise und Stände. Dieser segensreiche Verein, an welchem schon über 5000 Frauen und Jungfrauen betheiligt sind, ist an die evangelischen Kirchengemeinden angeschlossen. Ihre Majestät die Kaiserin versammelt jährlich zu eingehender Besprechung die VorstandSdamcn um sich, Ihre Majestät hält peckönlich jährlich die von Tausenden besuchte Generalversammlung ab, sie geht in die Diakonissen- Stationen, die Hofdamen arbeiten in den verschiedenen Zusammenkünften des Bezirkes mit, die Herren des Vorstandes, zu denen auch ich gehöre, besuchen die Zusammenkünfte der Damen und cs gtebt wohl kein Werk in Berlin, welches so viel Liebe, Versöhnung, freudiges Opfer für den Nächsten und christliche Duldung in der Stille durch die That predigt, wie gerade dieses Werk — und jedes Jahr dehnt sich die allgemein beliebte Arbeit weiter aus — und dies Alles beschmutzt der Berichterstatter mit seinem Geifer. Er stellt mich als die Seele des von ihnr geschilderten Treibens hin. Er greift auf die kläglichen Verleumdungen bei den Geldsammlungrn für die Kaiser Wilhelm-Gcdächtnißkirche zurück. Die Grundlosigkeit dieser Verleumdungen ist längst festgestellt worden, aber eS wurde auch noch daS Bubenstück ersonnen, mich eines fahrlässigen Meineids zu bezichtigen. WaS meine ausgedehnten Beziehungen zu jüdischen Damen betrifft, so möchte ich nur sagen, daß ich kaum eine Jüdin kenne, da sich meine Thätigkeir, aufer meinem Dienst bei Hose, fast ausschließlich auf kirchliche Vereine erstreckt. Aber ich weiß von vielen humanitären Vereinen, wo sich jüdische Damen große Verdienste und Anerkennung erwarben, und ich spreche es hier aus, daß ich dieses gehässige, prinzipielle Verdächtigen und Beschimpfen ohne Unterschied von alledem, was von jüdischer Seite komm», weit von mir zurückweise und für unchristlich erkläre. Wenn die Juden früher nichts gaben, wurden sie verdächtigt, jetzt werden sie verdächtigt, wenn sie geben. Der Berichterstatter wirft mir vor, daß mich jüdische, demokratische und freisinnige Zeitungen vertheidigt hätten, und hat dabei natürlich die Absicht, mich in bestimmten Kreisen zu verdächtigen und zu beleidigen. Damit beweist er nur, daß diese Zeitungen mehr auf Wahrheit und Recht halten, als die Blätier seiner Gesinnungsgenossen. Wenn er behauptet, daß sich meine StandeSgenofsen von mir zurückzögen, womit er abermals eine Verdächtigung und Beleidigung bezweckt, so ist auch hiervon daS gnade Gegentheil wahr. Ec schließt sein Pamphlet mit fetter Schrift und klagt, daß den Konservativen die Einsicht zu spät käme und sie sich schon vor fünf Jahren von allem jüdi,chen Kirchenbauschwindel voll Verachtung hätten zurückziehen müssen. Trotz der ausführlichen, in den meisten Blättern bekanntgegebenen Jahresberichte über Kirchenbauteu, aus denen erhellt, daß die vielen Millionen für einige 30 Kirchen nur von Evangelischen herrühren und daß nur bei der Kaiser Wilhelm-Gedächinisckirche, wie es immer bei einem solchen National-Denkmal geschieht, sich einige patriotische Israeliten mit insgesammt minimalen Beiträgcn bethciligt haben, bleibt der Berichterstatter dabei, daß die ihnr verhaßten Geldjuden die Kirche erbaut haben. Daß bei den in den letzten sechs Jahren für Kirchenbauteu in und um Berlin verwendeten 22 Millionen Mark das .»cönighaus mit tveit über 4 Millionen, die reicheren evangelischen Gemeinden mit fast 5 Millionen, der Magistrat von Berlin mit über 9 Millionen, die Stadtsynodc, Obcr-Kircheuralh und Konsistorium mit über 2 Millionen, andere Gemeinden mit über 1 Million und evangelische Bürger mit über 7 Millionen bethciligt sind und daß durch das treue Zusammenwirken des Königshauses, der kirchlichen Behörden, der städtischen und kirchlichen Körperschaften und tausenden Evangelischen aus allen Ständen, Kreisen und Parteien die Neichslianptstadt ans ihrer erschreckenden Kirchennoth gerettet worden ist und daß dies in Berlin allein durch die Versöhnlichkeit und das gegenseitige herzliche Vertrauen erreicht ivorden ist, lvomit sich die jahrelang in kirchlichen und politischen Kämpfen getrennten Evangelischen freudig zu gemeinsamer 'Arbeit die Hand reichten: das Altes nennt der Berichterstatter — Indischen Kirchcnbanschwindcl Der „Generalanzeiger" trägt als Aushängeschild die Burg Hoheiuollern Darunter steht als Motto: Vaterland, Monarchie, Ehristenthnm. Sein Vaterland ist wüste Demagogie, Monarchie, Thron und Herrscherhaus bewirft er mit Kolh, sein Ehristenthum ist ein Deckmantel, hinter dem sich die schändlichste Verlcumdungssucht und fanatische Hetzslicht gegen Mitmenschen birgt. ( Fortsetzung folgt in der Beilage».