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Der Israelit · 1897-01-11 · Heft 3 (11.1.1897) · page 2

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Journal
Der Israelit
Volume
38 (1897)
Issue
Heft 3 (11.1.1897)
Date
1897-01-11
Page
– (sequence 2)
Language
German
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38 Singer, der, obwohl cr Zndc, auch mn Unterstützung der Kirchenbauangelegcnhciten ersucht worden sei: den Stadtv. Vogtherr, der bekunden werde, daß Frlrr. v. Mirbach in seiner Zeugenaussage im „Vorwärts"-Prozesse unrichtige Aussagen gemacht habe; den Rechtsanwalt Easscl, der, obgleich er Jude, auch in Kirchcnbauangclcgcnhcilcn um seine Unterstützung angegangen sei; ferner die Redakteure Dr. Oertel und Obcrwmder. welche bezeugen sollen, daß in konservativen Kreisen große (Entrüstung über Herrn o. Mirbach's Unterstütznngsgcsuche bei Juden herrsche: D Frau v. Koszielska geh Bloch und Frau v. Mendelssohn geb. Warschauer, welche bezeugen sollen, daß sie an Besprechungen eines Damenkränzchcns über d e Förderung von Kirchcnbauten sich bethciligt haben, an welchen auch Frhr. v. Mirbach sich bethciligt habe. Angckl. Schwcnnhagen erklärt ferner, daß cr auf alle diese Anträge verzichten würde, wenn die Anklage auf 1*8 beschränkt werden würde. Oberstaatsanwalt Drescher beantragt in längerer Ausführung die Ablehnung der sämmtlichen Bewcisanträge. Das Verfahren des Angeklagten Schmennhagcn zeige, was sich ein Gerichtshof Alles bieten lassen müsse von einem Angeklagten, dein cs offenbar nur darauf ankomme, die Sache zu verschleppen. Die Anklage sei dem A> geklagten schon vor Wochen und Monaten zugestellt worden: bis zu dieser Minute habe er geschwiegen und komme nun plötzlich mit diesen Anträgen, welche ihm vielleicht nicht alle würden abgeschnittcn werden können. Aber voraussichtlich dürfte der größte Theil der Bewcisanträge sich durch die Vernehmung des Freiherrn v. Mirbach erledigen lassen. Zn Betreff der Tbatsache. für deren Wahrheit der Stadtverordnete Borgmann vernommen werden sollte, sei cs ja bekannt, daß derselbe cS abgclelnt habe, die Stadtverordneten-Versammlung für einen Zuschuß zum Bau der Kaiser-Wilhelm-Gedächtnißkirchc zu erwärmen. Daß der Stadtv. Singer in gleicher Weise vom Frciherrn v. Mirbach angegangen sei, sei einfach univahr Herr Singer sei nur gebeten worden, bei der Debatte in der Stcrdtvcr ordneten-Vcrsammlnng das Andenken an den Kaiser Wilhelm I. zu schonen, und dies sei auch geschehen. Ob auch der Stadtv. Gaffel von Herrn von Mirbach angegangen ivordcu sei, lvürde sich durch die Vernehmung des Herrn v. Mirbach erledigen lassen- Wenn die sozialistische Presse auS dem Umstande, daß Freiherr v. Mirbach in dem früheren Prozesse sich in Betreff eines Zeitpunktes im Zweifel befand, gegen denselben den Vorwurf des fahrlässigen Meineides gemacht hätte und der Angeklagte sich hierüber aus das Zeugnis; des Stadtverordneten Vogtherr berufe, so sei dies gegenstandslos. Der Lvkalvcrciu, dein der Bankpräsidcnt v. Dechend Vorstand, batte nur die Ausgabe, im Fnteressc der Armenimb Krankenpflege zu wiAen, mit dem Kirchenbau hatte er nichts zu thun Bei der Gründung dieses Vereins seien fast nur christliche Bankhäuser hcraugczogcn worden Tie genannten jüdischen Damen ständen ebenfalls in gar keiner Beziehung zum Kirchcnbau, sie verfolgten ebenfalls nur den Zweck, Werke der Menschenliebe zu thun und Arrren und Kranken ohne Unterschied tcr Konfession Gutes zu thun. Zum Schlüsse betont der Oberstaatsanwalt, daß cr es dennoch vorzichen würde, einigen Anträgen des Angeklagten Schwcnnhagen stattzugeben, denn, um sich prosais.i auszndrückcn, auf den Leim, einen Theil der Anklage falten zu lassen, gehe cr nicht. Als Zeuge aufgernfeu, erklärt Freiherr v. Mirbach Folgendes: Wir haben es hier mit einem Zeitnngsarükel zu thun, welcher zu denjenigen Schmähungen gehört, deren sich ein Theil der sogenannten christlich-sozialen und antisemitischen Blätter seit einer Reihe von Zähren gegen Thron, Regierung, Kirchcnbehörden und hochstehende Beamte schuldig macht. Die C.ueUe, auS welcher hier geschöpft ist, ist Unwahrheit und Hetzsucht. Sic rechnen darauf, daß gegen sic nicht ciiigeschritten wird, weil sich naturgemäß jeder anständige Mensch, namentlich wenn cr in einer höheren Stellung ist, vor öffentlichen Prozessen scheut. Auch ich würde meinetwegen allein eine Klage nicht angestrengt haben. Aber das Maß der Dreistigkeit, mit welcher man jetzt sogar schon Zhre Majestät die Kaiserin, die Hofdamen, den ganzen Hof zu verdächtigen und mit welcher man das hehre Kirchbaniver k, welches durch den Schutz des Kaisers und der Kaiserin und durch die Mitarbeit tausender von treuen Evangelischen so Großes geleistet hat. in den Staub ju ziehen sucht, ist zu groß, als daß mau nicht einmal das Schweigen brechen und der Frivolität öffentlich die Maske vom Gesicht reißen müßte, zumal noch immer viele anständige Leute sich durch foldjc Zeitungsberichte irremachcn lassen. Feder einzelne Satz des Artikels des „Generalanzeigers" eulhäU eine Unwahrheit oder eine boshafte Entstellung. Schon die gegen mich gerichtete Ucberschrist „Der Zndengeldsammler für die Berliner Kirchcnbantcn" ist gewählt, um mich hcrabzlis.tzen und zu verdächtigen und um Zudcuhctzc zu treiben. Der Verfasser des Artikels beginnt mit der Erzählung „von crgenthünrlichen Machenschaften der weiblichen Mitglieder der jüdischen Hospartci". Nicht etwa um Frrthümcr oder Mißverständnisse zu entschuldige..' — sondern um Erfindungen vorzubeugen. Der Größe seiner bewußten Unwahrheit ist er sich selbst bewußt, indem er weiter sagt, daß der Herausgeber der Zeitung schon früher wegen ähnlicher ..Enthüllungen" Monate Festung erhalten hat. Aber das bekümmert den Verfasser des Artikels nicht, cr hat die Dreistigkeit, nicht nur die Verleumdung aufrecht ,;n erhalten, sondern sogar noch anszusprechen, daß der Herausgeber ungerecht vcrnrthcilt sei. Der dann folgende Ziihalt der Erzählung über den Hofpredigcr Stöcker und die Berliner Kirchenbautcn ist ein Phantasiegespinnst und darauf berechnet, die Allerhöchste Person Seiner Moj.-stät des Kaisers bei den Antisemiten hcrnbznsctzeu. Roch verwerflicher ist die Erfindung, daß die Juden seinerzeit einen Ausschuß eingesetzt hätten, nni (ydb für Kirchenbautcn zu geben, sich damit bei den Majestäten bcticbt;u machen und dadurch die Entfernung Stöckcr's zrr erreichen. Als plumper Vorrvand für di. sc Erfindung ivird eine Versammlung bei dem verstorbenen Präsidenten der Reichsbanl v. Deckend im Oktober 1*86 gcuonrurcn, in welcher, rvic der Artikelschrciber weiter erfindet, der Geldgruudstock für die Kirchcirbanten vorr den Baukjrrdcn gezcichu t worden sei. Mit der Versamnrlung verhielt es sich so: Herr v. Dechrud ivar Schatzmeister des Berliner Lokalvercins, eines Ziveigvereius des „(Evangelisch- Kirchliche» Hilfsvercins". Der Berliner Lokalverein hat mit Kirchcirbanten nicht das Geringste zu thun. Seine Hauptarbeit, deren segensreiches Wirken dem hochverdienten treuen Manne, dem Herrn v. Dcchcnd, irr erster Linie zrr verdanken ist, besteht irr der Gründung nird Erhaltung von jctz: 10 Diakonissen-Statroircrr, welche mit fast 100 Schwestern irr Berlin und seinen Vororten irnerrtgcllliche Armcn-Krairkcnpflcgc treiben, und zrvar an allen Armen rmd Verlassenen ohne Unterschied der Konfession. Die Erhaltung dieser Station erfordert jährlich 100,000 M. Für dieses herrliche Werk und ähnliche Arbeiten rein humanitärer Art intcrcssirte H. v Dechend die Eheitz der großen Berliner Bankhäuser und lud dicjelben zu einer Besprechung am .1 Oktober 18*8 zu sich. Unter deir Eingeladenen bcsarrd sich ein einziger jüdischer Ehcf cirrcs Bankhauses, der Herr v. Blcichrödcr, der aber am Erscheinen verhindert war. Die Erschienenen waren snnrnrtlrch Ehrrsterr. Es wurden gegen 20<»()00 Nk. gezeichnet, von denen 100000 M.;»r rßrnier krankcnpslegc für alle Konfessionen, ea. 80 000 M für die Magdalcncn-Sache, ca. 80 000 M. für unentgcltliche Krankenpflege in den Gemeinden, ca. 20000 M. für entlassene Strafgefangene und ca. 10000 M. für Erziehung

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