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Der Israelit · 1897-01-07 · Heft 2 (7.1.1897) · page 10

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Journal
Der Israelit
Volume
38 (1897)
Issue
Heft 2 (7.1.1897)
Date
1897-01-07
Page
– (sequence 10)
Language
German
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26 Statt Herbeiführung einer richtigen Auffassung derjenigen Abschnitte anzustreben, welche von anderer Seite mißdeutet und den c'trnpn -•-« als Makel au: gedichtet werden; statt gerade solche Abschnitte heranzuziehen, welche seitens der Reform aus deren „Gebetbüchern" ansgemerzt werden — Opfer, Priestersegen — erscheint hier das Entgegengesetzte: Das sollte vorzuschlagen oder zu sanktioniren für möglich gehalten werden?! — Und was soll man endlich noch dazu sagen, wenn ein „Normalplan für den Religionsunterricht in den Elementarschulen und Neligionsschulen" in der Volksschule schon den Chuimsch- Unterricht in solch unerhörter Weise verkümmert? Nach demselben beginnt nämlich der Ehumesch-Unterricht mit JsaL's Opferung — Wajero — und zwar mit derBegründung: „D i e S ch ö p s un g s g e s ch i ch t e, dem Texte und d e m Inhalte nach schwierig, fällt für die ersten Jahre fort" (und kommt in der Sonntagsschule zum Vorschein und VersiändnißMan traut seinen Augen und Ohren kaum, die weitere Aeußerung zu vernehmen: „Dem bisherigen Uebersetzen dieses Theiles ist es zuzuschreiben, daß den Zöglingen in der Schule und im Leben das innige Verstau dniß für die Eigenschaften Gottes als Schöpfer und Erhalter fehlt"!!! Wir glauben nach diesen Worten eines weitern Eingehens auf dieses Pentateuch-Programm, dessen Eintheilung, Auswahl und Auslassungen — enthoben zu sein. Ohne übrigens die guten Absichten des Verfassers jenes Vorschlags und Lehrplans in Zweifel ziehen zu wollen, müssen wir es unumwunden aussprechen, daß eine solche Behandlung des Pentateuch- Unterrichts geeignet ist, die vorhandenen Mißstände bezüglich der Religionsschule zu vermehren, die Jugend des Schutzes, der durch die Thora zu gewinnenden Glaubenstreue zu berauben — nicht aber „Herzenbildung" zu erzielen. — Führet der Jugend das Chumesch in einem solchen unkenntlichen, unverständlichen und unscheinbaren Gesichte vor, dann habt Ihr dem Judenthume eine unheilbare Wunde geschlagen, — was Gott verhüten mögeSeien wir vielmehr bestrebt, die ri*n zu erhalten und unserer Jugend einzuprägen. Zeitungsnachrichten und Correspondenzen. Deutschland.? Marburg, 5. Januar. Ein Vorgang, dem ein gewisser symptomatischer Charakter nicht abzusprechen ist, hat sich in der am 16. Dezember v. I. stattgesundenen amtlichen Lehrerkonserenz des Kreisschnlinspektions- Bezirks Marburg abgespielt. Das referierende Mitglied der Konferenz sprach über die entsittlichenden Wirkungen der Thierquälerei und über die Aufgaben, die der Schule aus diesem Gebiete erwachsen. Das Thema war den diesseitigen amtlichen Lehrerkouserenzen von seiten der Königs. Negierung in Kassel zur Behandlung empfohlen worden. Im Verlaufe seines Vortrages erwähnte der Referent das Schächtverbot im Königreich Sachsen und sprach die Hoffnung ans, daß auch die übrigen deutschen Regierungen dem Vorgehen Sachsens bald folgen möchten. Aus eine Erörterung der Schächtfrage bezw. ans eine Rechtfertigung des Vorgehens der sächsischen Regierung ließ sich der Referent überhaupt nicht ein, so daß in jedem unbefangenen Zuhörer der Glauben erweckt werden konnte, daß die thierquälerische und damit entsittlichende Eigenschaft das Schächtens außer Frage stehe. Trotzdem war die Aeußerung, wie sich später zeigte, ganz bona tick«- ausgesprochen worden und bei dem kompilatorischen Charakter des Referat offenbar einer thierschützlerischen und dein Schächtritus feindlich gegenübersteh-nden Schrift entnommen. Vor Beginn der Diskussion nahm der Vorsitzende der Konferenz, der Kgl. Kreisschulinspektor Dr. Seehaußen, Veranlassung, auf eine Arbeit *) des in der Konferenz anwesenden Provinzialrabbinen Dr. Munk hinzuweisen, die das gleiche Thema zur Behandlung habe. Der Vositzende verlas daraus eine Anzahl von Stellen, welche die ethische Seite der Frage besonders scharf hervorkehrten. Es entbehrte nicht eines gewissen ironischen Beigeschmacks, daß wenige Augenblicke, nachdem eine der wichtigsten Institutionen des Judenthums als thierquälerisch und inhuman und bamit als unsittlich bezeichnet worden war, von anderer Seite das Werk eines geistigen Vertreters desselben Judenthums als Beleg für die ethische Verderbnis der Thierquälerei angeführt werden konnte. Bei der sehr lebhaften Diskussion, die sich an das Referat hierauf anknüpste, wurde die Schächtfrage zuerst von dem Kgl. Ortsschulinspektor der katholischen Schule, Pfarrer Dr. Weber, angeschnitten. Ec stehe, so führte er etwa aus, den Bestrebungen für Thierschutz anerkennend und wohlwollend gegenüber und so könne auf diesem Gebiete zur sittlichen Gesundung unseres Volkes noch vieles Gute und Nützliche geschehen. Indem er *) „Was ist Thierschutz und wie soll die Pslicht der Schonung der Thiere und Pflanzen in der israelitischen Schule gelehrt werden?" Vortrag, gehalten in der 27. Jahresversammlung der Israel. Lehrerkonferenz Hessens von Dr. L. Munk, Provinzialrabbiuer. — Auf Beschluß der Konferenz dem Druck übergeben — Marburg, N. G. Edwert'sche Verlagsbuchhandlung 1806. — Der Antrag aus Drucklegung des Vortrages war s. Z. von dem in jener Konferem anwesenden Vorsitzenden des hessischen Thierschutzvereins, Rektor Peter—Cassel geftellt?ivorden. Derselbe bezog auch mehrere Hundert Crcmplare des Vortrages, um diesen in weitern Kreisen zu verbreiten.

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