Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 38 (1897)
- Issue
- Heft 2 (7.1.1897)
- Date
- 1897-01-07
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 93% known words query
- IRI
…/2446951-2448705-2448708--43160-2492195- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
XXKTDI Jahrgang. Erste Beilage tu M 2 iw ^Israelit". Leitender Artikel Jur Uormallehtplan-Frngr für jiid. Schulen. Die bezüglich des Religionsunterrichts bedauerlichen Schulverhältnisse haben bekanntlich seit Jahren die Verhandlungen über Herstellung eines Normallehrplanes hervorgerufell. Naturgemäß ist der jeweilige religiöse Standpunkt der Verfasser von Einfluß auf deren Elaborate, daher der eine den h e b r ä is ch e n Unterricht auf ein unerläßliches Minimilm beschränkt wissen möchte, der andere hingegen so viel als möglich für denselben zu gewinnen sucht. W i r haben es selbstverständlich nur mit dem letztern zu thun; auch bei diesem gibt sich aber auch eine Strömung kund, die für höchst bedenklich erachtet werden rnnß. — Während es sich nämlich bei früheren Berathungen iiub Verhandlungen über Lehrpläne für isr. Schulen nur unr Katechismen und dergleichen Schulbücher und um Schulverhältnisse handelte, ist rnan nun an der Arbeit den rn'n-Unterricht zu tangiren! Für diesen Grundstein der Emuno für das Kind, wie für den Erwachsenen, soll eine Auswahl statuirt werden, so daß Wirkung und Einfluß dieses allerwichtigsten Lehrgegenstandes in bedenklichster Weise bedroht sind. — Der Eindruck des xi-??vxre 2c. k. auf das jugendliche Gemüth ist, seitdem die Thora gegeben, stets ein so mächtiger, der mit himmlischer Flamrnenschrift sich einprägt und den heutzutage mehr als je zu erhalten nöthig, um gegen die schlüpfrigen Gefahren des spätern Lebens als Waffe dienen zu können. — Wenn ein bekannter Apostat (Schriftsteller), wie scheint in einem lichten Momente, schreibt: „Ja, es ist ein altes, schlichtes Buch, bescheiden, wie die "Natur, auch natürlich wie diese; ein Buch, das werkelthätig und anspruchslos aussieht, wie die Sonne, die uns wärmt, wie das Brod, das uns nährt; ein Buch, das so traulich, so segnend gütig uns anblickt — und dieses Buch heißt nur kurzweg, das Buch, die Bibel. Mit Fug nennt man diese auch die heilige Schrift; wer seinen Gott verloren hat, der kann ihn in diesem Buche wiederfinden, und wer ihn nicht gekannt, dem weht hier entgegen, der Odem des göttlichen Wortes;" so muß der jüdische Lehrer und Pädagoge gewiß sein unverwandtes Streben darauf richten, diesen beseligenden Eindruck der Thora in richtiger, ungeschmälerter Weise zu wecken und einzuprägen, um späteren nachtheiligen Einflüssen^so viel als möglich entgegen zu wirken. Bevor das Gift der Versuchung oder des Unglaubens dem jugendlichen Blicke nahet, sei es durch sogenannte unterrichtliche Aufklärung oder durch Lektüre, muß es dagegen zu wappnen gesucht werden, muß die aufrichtige Ueberzeugung und Erkenntniß dem jugendlichen Herzen eingeprägt werden, daß die Thora ein Ganzes, daß „wer die Göttlichkeit eines einzigen Wortes der Thora leugnet, gegen ihn das Schristwort sich richtet: Das Wort des Ewigen hat er verachtet und sein Gebot zerstört (Talmud Synhedrin 99 u); die Erkenntniß. daß selbst eine scheinbar unwichtige Erzählung der Thora von höchstwichtiger, tiefster Bedeutung, wie beispielsweise mrne cetrrn cryn (Chulin 60 b); die Erkenntniß, daß, wie Maimonides (Mischna-Commentar Synhedrin Kap. 10) erläutert: me»« ctr £•*: cn ps men px' '£5 fen 7 bxrv" rem 'x 'n erx pr: : rnfe nivn . nsrn,T nmc nirer ’n rrr fern nrr;n „Kein Unterschied ist zwischen den Thora-Worten „die Söhne Ehams" re. x. und dem ersten der Zehngebote und dem Schma Jisroel, denn all dies ist Gottes Wort, alles die Gotteslehre, die vollkommne, reine und heilige"; — das muß vor allem Ziel und Grundlage des jüd. Religionsunterrichts sein. Run läßt sich ja nicht behaupten, daß das Uebersetzen des ganzen Pentateuch in den Mittelschulen allenthalben ausführbar ist; dann darf aber wenigstens der Eindruck des Ganzen der Thora nicht geschädigt werden und muß daher der Pentateuch in fortlaufender Ordnung soweit immer thnnlich dnrchgenommen werden. Wohl muß es zuweilen dem Lehrer anheim gegeben werden, welche Sidros er nach der Verhältniffen der Schüler x. durchzunehmen für geeignet hält; eine all gern e i n stipulirte Auslese der Thora-Abschnitte f e stzusetzen aber, wäre ein gefährliches Vorgehen, jener heiligen Verpflichtung, die Ueberzeugung von der Göttlichkeit von der Thora nach halligst der Jugend einzuprägen — im höchster Grade zuwider. — Was soll man aber demnach von einem von gewisser Seite für Mittelschulen vorgeschlagenen Lehrplan halten, der u. A. im Pentateuch-Uebersetzen vom Lehrplan ausschließt: Die Begebenheit n;fen nn (Thurmbau, Sprachverwirrung), tmnrn prra (Verheißung des n*£ve*, Gottesbund mit Abraham), Mila- Gebot, Gid-Iianosdie Begebenheit und Verbot, Verkauf der Erstgeburt, Segnung Jakobs, Verkauf Josephs, Segnungen der Stämme, Israels, Knechtschaft in Egypten :c. re. Errichtung der Mischkon, Opfer, Nasir, Sota, Priester und Leviten-Gebote, Poro Adumo, Verbot des Blutgenusses, Kisui-Hadom rc. rc.?