Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 38 (1897)
- Issue
- Heft 2 (7.1.1897)
- Date
- 1897-01-07
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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21 ragt besonder» einer an Größe und Bedeutung unter seinen Zeitgenossen hervor: Al Charisi, der Makamendichter. Da» an Wirken, aber auch an Entbehrungen reiche Leben jene» von der breiten Masse seiner Glaubensgenossen wenig gewürdigten, verdienstvollen Mannes in eingehender Weise zu beleuchten, war die Aufgabe des Herrn Bezirksrabbiners Dr. P. Kohn aus Ansbach, des Redners am gestrigen Vortragsabende im Casinosaale, der wie immer sich von einer zahlreichen Hörerschaft besetzt zeigte. Von dem Leben Charisi's wisse man, führt Redner aus, außerordentlich wenig und zwar aus leicht begreiflichen Gründen. Man begnügte sich damals mit der einfachen Kenntnißnahme wichtiger geschichtlicher Momente, ohne sie, worin das heutige Verfahren einen wohlthuenden Gegensatz bilde, der Nachwelt zu überliefern. Charisi (Jehuda ben Salomo) wurde Ende des 12. Jahrhunderts geboren. Ueber seinen Geburtsort schweigt er selbst, doch verzeichnen verschiedene Biographien des Dichters Jeres in Spanien als den Ort seiner Wiege. Heine bezeichnete ihn als einen Holteianer, habe aber insofern nicht das Richtige getroffen, als ein tief religiöser Zug über seiner ganzen Entwickelung lagere und auch in seinen Makamen den beredtesten Ausdruck finde. Ein unwiderstehlicher Wandertrieb erfüllt das Leben des Dichters; in Frankreich, Egypten, Persien, Griechenland, besonders aber im Gelobten Lande wurde er freundlich aufgenommen, obwohl sich in damaliger Periode die Neigung zeigt, dem Dichterberufe jede Berechtigung abzusprechen. Dieser Wandertrieb prägt sich wohl auch aus in der ganzen Entwickelung feines Charakters. In Marseille übersetzte er das bedeutendste Werk des Maimonides (den Mischnakommentar). Ungemein reich ist sein Wirken auch auf medizinischem Gebiete. Vor allem gebührt nach der Ansicht des Redners ihm das Verdienst der Verbreitung altgriechischer Lebensanschauungen in dem Occident. So fremdartig uns die Welt des Dichters entgegenträte, so ertönten dennoch verwandle Saiten in der Poesie unseres Dichters Friedrich Rückert, dem großen Meister der Sprache und genialen Bildner des Wortes. Diesem Beherrscher aller Formen der Poesie habe man auch die Uebersetzung verschiedener Makamen des Dichters zu verdanken. Redner gibt hierauf eine Definition des Begriffes Makamen, der, von dem Worte „Sitzung" abgeleitet, bezeichnet, was aus dem Stegreif, und in improvisirtem Vortrag erzählt wird. Hieraus entstand später die künstliche Form der Prosa mosaikartig in dieselbe eingestreuten Gedichten. Diese Makamen bildeten eine hervorstechende Grundform der arabischen Dichtungen. Sie kranken an dem Uebelstande, daß sie leicht ermüden, selbst wenn sie eine Fülle der köstlichsten Gedanken bergen. Redner gibt uns ein charakterisirendes Bild an der Lektüre eines Jahrgangs der fliegenden Blätter, bei deren Durchblätterung sich ebenfalls bald eine gewisse Gleichgültigkeit bemerkbar mache. Die Liebe zur Berufsfreudigkeit in der Uebersetzung arabischer Makamen ließen in ihm den Entschluß reifen, selbstständig in der hebräischen Sprache Makamen zu dichten. Er wurde der eigentliche Führer in der Muse der spanischen Dichterheroen. Charisi klagt bitter über den Verfall der Dichtkunst, ohne jedoch bei seinen Zeitgenossen ein Entgegenkommen zu finden. Schon damals machte sich ein markanter Grundzug der Gegenwart geltend, für alle Unternehmungen einen Mäcen zu haben, der sich in liebevoller Fürsorge eines aufstrebenden Talents annimmt. Redner schildert nun in großen Zügen das unftäte, oft an Entbehrungen reiche Wanderleben des Dichters, der bald in der Steppe, bald auf hoher See ist, auf allen möglichen Gebieten sich durchs Leben schlug, immer von Humor und Lebensfreude beseelt. Die zu seinem Schaden auch ihm anhaftende Selbstlosigkeit war ein Zug der Epigonen seiner Zeit. Redner gibt nun eine Blüthenlese der Hauptwerke Charisis, unter denen die „50 Makamen", eine Makame, die Bedeutung des Weines für die 12 Monate des Jahres behandelnd und der Tachkemoni, letzterer durch seinen sprühenden Humor, dichterische Fälle und Reichthum der durch seine mannigfachen Lebenserfahrungen sich auszeichneten. Die Uebersetzungen von Professor Kemps und Fr. Rückert, von denen der Vortragende einige recitirt, zeichnen sich durch einfache anspruchslose und doch gefällige Form au». Unter reichem Beifall schloß Redner seine interessanten Ausführungen. Vermischtes. < Luzern Am 1. Januar 1897 waren es 25 Jahre, daß Herr Marx Moos als Cantor, Schschct und Religionslehrer in der israel. Gemeinde Luzern fungier'e. Der Jubilar versieht sein Amt mit seltener Pflichttreue und erfreut sich bei der ganzen Gemeinde der größten Beliebtheit. Am DDE' erschienen die Vorstände der israel. Gemeinde bei dem Jubilar, um ihm Glückwünsche, sowie ihren Dank für seine bisherige Thätigkcit abzustatten. Eine Ehrung des Jubilars hat sich die Vorstandschaft für später Vorbehalten. Möge es Herrn Moos noch recht lange vergönnt sein, im Dienste der Gemeinde Luzern thätig zu sein Feuilleton. Aus finsterer Zeit. Geschichtliche Erzählung von Rud. Lacher. 2) Dort in der Ecke, jene beiden alten Frauen befinden sich in einem solchen Gespräch. Die eine erzählte jedesmal, wenn die Rede auf jenes Thema kam, — und das war zweiundfünfzig bis sechsundfünfzig Mal im Jahr, wie ihr einst die sämmtlichen Sachen verbrannten, da sie nach dem Saalhof gegangen war, um den verstorbenen, guten Kaiser Ludwig zu sehen. Ihre Nachbarin hörte ihr stet« an-