Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 38 (1897)
- Issue
- Heft 2 (7.1.1897)
- Date
- 1897-01-07
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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20 Adresse auf der Redaction Ihres Blattes niederlegen würden, um eine Uebersicht über den Umfang des Vereins zu erlangen und bitte ich Sie, Herr Redacteur, gefl. Nöthiges zu veranlaffen. (Geschieht hiermit. Red.) Bei dieser Gelegenheit sei mir gestattet, auf eine Sache aufmerksam zu machen, auf die zwar schon zu wiederholten Malen in Ihrem geschätzten Blatte hingewiesen wurde, die man aber nicht oft genug unseren Glaubensgenossen in Erinnerung bringen kann. Ich meine die Berücksichtigung jüdischer Handwerker. Es wird Niemand verlangen, daß man da, wo man bei dem jüdischen Handwerker schlechter und theurer bedient wird, man doch an ihn sich wenden solle, auch liegt es mir himmelfern den verwerflichen Grundsatz unserer Feinde zu adoptiren und den Schlachtruf „Kauft nicht bei Juden" in den Satz «Kauft nur bei Juden" umzuwandeln, aber es giebt Fälle, wo die Umgehung des jüdischen Handwerkers geradezu unverantwortlich ist. Da geben sich die Führer irgend einer Gemeinde, ja auch oft von Religionsgescllschaften die Mühe, einen jüdischen Bäcker in die Stadt zu bekommen. Der Bäcker kommt, er backt vorzüglich, Preis und Qualität lasten nichts zu wünschen übrig, und was thun die Mitglieder der Gemeinden? Sie beziehen nach wie vor ihren Bedarf beim Nichtjuden, theilweise aus Bequemlichkeit, der jüdische Bäcker wohnt vielleicht etwas weiter oder das Verbot von "o: bv -bn erscheint ihnen so gering, „ daß sie nach wie vor von Nichtjuden hergeftellte Milchbrode in ihrer Haushaltung verwenden. Der jüdische Bäcker, den man unter Versprechung goldener Berge in die Stadt gelockt hat, sieht sich in seinen schönen Erwartungen getäuscht. Die Juden kommen nicht, die Nichtjuden, die auch am Sonnabend frisches Brod haben wollen, kommen ebenfalls nicht und die Existenz einer jüdischen Familie ist bedroht. Hier ist es, wo dringend Abhilfe geschafft werden muß und dies kann man ohne Vereine, ohne Verband, nur mit einem bischen Pflichtbewußtsein und gutem Willen. Sulz unterm Wald. Am heutigen rav feierte die hiesige jüdische Gemeinde einen Freudentag, galt es doch die Amtseinführung ihres neuen Rabbiners des Herrn Dr. Selig Bamberger aus Senn he im. Derselbe, ein Enkel der früheren Distriktsrabbiner von Würzburg und Aschaffenburg und der Sohn des weit und breit durch seine Frömmigkeit und Gelehrsamkeit bekannten Rabbiners von Sennheim, hat feine Rabbinatsstudien an dem Bethhamidrafch in Berlin gemacht. In Anbetracht des bevorstehenden rv»n ma -jot und der durch den Synagogenbau finanziell sehr stark belasteten Gemeinde war im Einverständniß mit dem Herrn Rabbiner von einer größeren, kostspieligen Festlichkeit Abstand genommen worden. Wir wollen darum nur von dem Kernpunkt derselben, der Predigt, einiges berichten und zwar möchten wir die herrliche Rede nicht mit einigen Phrasen abmachen, sondern, was für die geehrten Leser des „Israeli" gewiß intereffanter sein wird, vom Inhalt einiges, wenn auch nur skizzenhaft mittheilen. Nach einem einleitenden Gebete, das zugleich ein Dankgebet für die Vergangenheit und die Bitte enthielt, unter Goller Schutz und Beistand auch den neuen Pflichten gerecht werden zu können, ein ^my fCKj nyn zu sein, folgte das Thema der Predigt, die Bedeutung des t&s mir tetor. Nach der Gottesoffenbarung am Sinai, nachdem Israel verkündet war, daß seine Lebensaufgabe fei, ein rvbvv urnp rsi n':m zu sein, da mußte das jüdische Volk erst durch langjährige Belehrung und Unterweisung über den Inhalt des Gottesgesetzes befähigt und würdig werden, das Land, das seinen Vätern verheißen war, zu betreten. Als Glanzperiode für die Aufrechterhaltung der mir wird die Zeit Chiskia's gerühmt, der trim» 712 überall im Lande errichtete, so daß von fr bis yntr 'iss kein pxn oy gefunden wurde, und der Segen blieb nicht aus, Sancherib ließ sein mächtiges Lager als ein Leichenfeld vor Jeruschalaim's Mauern zurück bw bzn. das Joch der Feinde mußte weichen infolge des Oels, das in den Lehrhäusern brannte, damit Tag und Nacht im Gotteswort geforscht werden konnte. Auch in den nb:- Zeiten, in den bittersten Verfolgungen war eS die mir, die Licht und Glück in den Wohnungen unserer Ahnen verbreitete, und so verstehen wir, daß das mir- Lernen die erste unserer Obliegenheiten ist, so daß es heißt: Es ist dazu verpflichtet iw w fpr *w, das Kind beginne mit dem ',:h rrat mir und schreite vorwärts, bis er als jpr (mrn mp nr) die Tiefen der Thora erforscht, und für 'jyi mry werden die herrlichen Beispiele von Hillel und R. Elasar b. Charsum angeführt. Darum betrachte er es auch als seine erste Pflicht belehrend zu wirken durch das Beispiel und das Wort und besonders auf die Jugend wolle er sein Augenmerk richten, deren leicht empfänglichen, unschuldigen Gemüther der Belehrung so zugänglich sind und wünsche er, daß Schule und Haus gemeinsam dem Kinde die herrliche Gabe mit auf den Lebensweg geben, die köstlicher als alle irdischen Güter und Fertigkeiten, einen gottvertrauenden, unerschütterlichen Charakter, daß sich an ihnen erfülle: Und alle deine Kinder, sind sie Gottesschüler, dann wird mächtig sein der Friede deiner Kinder. — Möge es dem Herrn Rabbiner vergönnt fein in ungetrübter Schaffenskraft und Freudigkeit die Verwirklichung seiner Ideale mit Gottes Hilfe zu erreichen srm. H. St. Mannheim, 26. Dez. (Verein für jüdische Geschichte und Literatur.) Unter den historischen Männern der jüdischen Literaturgeschichte