Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 38 (1897)
- Issue
- Heft 2 (7.1.1897)
- Date
- 1897-01-07
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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19 jedoch von den einander entgegengesetztesten Seiten perhorrescirt: von den Vertretern der gewissenhaftesten Pflichttreue und von denen des entschiedenen Abfalls. Er weist nun nach, wie beioes seine inneren Gründe habe. Mit dem Sr)nrbolisiren religionsgesetzlicher Gegenstände und Handlungen ist nämlich, so führt er aus, oft ein unverantwortliches, leichtfertiges Spiel getrieben worden. Mit gänzlich principloser Unvesonnenheit hat man sich an die symbolische Auffassung lmb Deutung derselben gewagt, und geistreiche uitb nicht geistreiche Köpfe haben dies als ein freies, unkontrollirbares Feld betrachtet, auf dem ein Jeder seine ersten besten Einfälle in die Bestimmungen des göttlichen Gesetzes hineintragen könne. Dazu kommt, daß auch vielleicht mancher geglaubt hat, durch symbolische Auffassung eines Gesetzes sich von der Erfüllung desselben mit dem Vorgeben dispensiren zu können, mit der Erfassung des Inhalts habe man ja den Kern, die Handlung dürfe er nun als bedeutungslose Schale bei Seite werfen. Da sind nun allerdings ernste, gewissenhafte Diener des göttlichen Gesetzes mißtrauisch geworden und sie hielten sich lieber von jedem solchen Versuche symbolischer Deutung fern, als, wie sie meinten, sich und das Gottesgesetz den Gefahren solchen mißbräuchlichen Spieles auszusetzen. Mit noch größerer Entschiedenheit aber wird auf der entgegengesetzten Seite einem jeden Versuche einer Symbolik des jüdischen Gesetzes entgegengetrcten. Der Grund dafür liegt .auf der Hand. „Die Erfüllung des jüdischen Gesetzes war den modernen Zeitbestrebungen lästig geworden; mit einem mächtigen Schritte hatte die Praxis eines großen Theiles ver Zeitgenoffen den lästigen Hemmschuh bei Seite geworfen und forderte nun lauipochend von der nachhinkenden Theorie eine systematische Rechtfertigung des bereits vollzogenen Luit rmcomM Die Theorie ließ auch nicht lange auf sich warten. Man verwies alle die lästig gewordenen Bestimmungen des göttlichen Gesetzes in die Kategorie uneihebllcher Kleinlichkeiten, nichtsbedeutender Aeußerlichkeiten, auf welche unmöglich Gott, der Gesetzgeber dieser Bestimmungen, einen so bedeutenden Werth legen könne, ersann allerlei Rücksichten aus damalige Zeit- und Ortsverhältniffe, die den Gesetzgeber als Motive für die damalige Zeit mögen geleitet haben, die aber für unsere Zeit und unsere Beziehungen der Gegenwart alle Geltung verloren, und beruhigte auf diese Weise die Gewiffen, die mit einem so großen Theile heiliger, von Gott gebotener Pflichten gebrochen hatten. Wie unbequem und ungelegen mußte nun natürlich einer solchen Theorie ein Wort entgegentreten, das auf den ernstesten Ernst hinweist, mit welchem Gott in seiner Gesetzgebung gerade die Erfüllung von diesen Bestimmungen fordert, die man als lästige Kleinlichkeiten" bei Seite schieben möchte, und das zugleich eben diesen sogenannten Aeußerlichkeiten einen Inhalt vindicirt, der sie über allen Wechsel der Zeiten und Räume mit der Ewigkeit der ihnen innewohnenden Idee hoch emporhebt. Die Leugnung aller Symbolik im göttlichen Gesetze ward dieser Theorie vollständig zum Bedürfniß." Es wird also zuerst die Frage beantwortet: Giebt es überhaupt eine jüdische Symbolik? Giebt es insbesondere eine Symbolik im jüdischen Gesetze? Mit anderen Worten: „Sind wir zu der Annahme berechtigt, oder gar genöthigt, daß Gott in seinem Gesetze die Herstellung von Gegenständen und die Ausübung von Handlungen angeordnet hat, damit uns durch diese Gegenstände und Handlungen bestimmte Begriffe und Wahrheiten zu immer erneuter und nachhaltiger Erinnerung und Beherzigung gebracht werden?" — Zeitungsnachrichten und Correspondenzen. Deutschland. Berlin, 1. Januar. Man schreibt uns: Der Leitende Artikel in Nr. 104 Ihres geschätzten Blattes „Samstag und Feiertage geschlossen" erfreute sich nicht mir in allen hiesigen Kreisen, die ein besonderes Interesse an dem darin behandelten Gegenstand haben, des größten Beifalls, er hat sogar eine gewisse Aufregung in weiteren Kreisen hervorgerufen. Daß heutzutage am Ende des lv>, Jahrhunderts sich noch Leute finden sollen, die nicht nur aus angestammter Gewohnheit oder aus Pietät gegen die Eltern am Samstag ihren Laden geschlossen halten, sondern die es aus innerster Neberzeugung thun und nicht etwa in einem Dorfe cm der polnischen Grenze, sondern hier im Herzen Deutschlands, das klingt manchen Menschen so absonderlich, daß sie nichts Eiligeres zu thun hatten, als darüber eine Lokalnotiz in die hiesigen politischen Blätter setzen zu lassen, in der die Lust der Leser nach „Ungeheuerlichkeiten" befriedigt werden muß. Thatsächlich soll infolge Ihrer Anregung hier schon eine Vorberathung einer kleinen Zahl von Getreuen stattgefunden haben und will inan denulächst mit einem Circular und einer Anzeige in Ihrem Blatte an die Oeffentlichkeit treten. Einer der betreffenden Herren soll sogar bereit sein zur Anlegung eines Fonds eine größere Summe zu spenden. Es wurde auch die Frage angeregt, ob nicht der rührige Hamburger Stellenvermittlungs- Verein des Herrn Jacobsen geeigneter sei, die Sache in die Hand zu nehmen, doch scheint man sich hierüber noch nicht schlüssig gemacht zu haben. Jedenfalls wäre es gut, wenn einstweilen alle Diejenigen, die geneigt sind, der Vereinigung beizutreten, ihre