Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 38 (1897)
- Issue
- Heft 2 (7.1.1897)
- Date
- 1897-01-07
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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18 zugleich innerlich Hohle einer Handlung zu bezeichnen vermag, wie Ceremonie. Eine Ccrcmonie nicht mitmachen, kann nie ein Verbrechen sein. Für Ceremonien braucht man keine Opfer zu bringen. Unermeßlich sind die geradezu verheerenden Folgen, die die unnatürliche Verbindung dieses Wortes mit einem großen Theile des Gottesgesetzes für die jüdische Pflichttreue gehabt hat. Nachdem die Gemüther einmal gewöhnt worden waren, diese mit dem entschiedensten Ernst gegebenen Gebote, mehr als die Hälfte der Verbote und mehr als^Zweidrittcl der Gebote, als „Ccremonialgesetze" zu denken, war's ja die natürlichste Consequenz, zu lehren: mit Ceremonialgesetzen braucht man — nicht viel Ceremonie zu machen. Man macht sie mit, so lange sie nicht lästig sind, das kleinste Opfer aber wäre Thorheit. Diese Consequenz entspricht so sehr dem gesunden Menschenverstände, daß man sie nicht einmal zu lehren braucht. — Er geht dann eine Reihe dieser Gesetze durch, zeigt, wie vorzugsweise bei ihnen es heißt: .,Für alle Geschlechter!" „ein ewiges Gesetz," „wo ihr auch tvohnen möget," daß ferner gerade die ersten, gleichsam constituirenden Gesetze zu ihneu gehören — Gott erklärt die N i ch t b e s ch n e i d u n g für B u n d e sbruch —- und du willst die Bcschneiduug eine Ceremonie nennen? Gott nennt die Heilighaltung des Sabbaths ein ewiges B ü n d n i ß — und seine Entweihung wäre bloß die Unterlasiung einer Ceremonie? — Und wenn Gott die anzustrebende Lauterkeit deines Innern, die Reinheit deiner Seele an den Nichtgcnuß von Rewela, Teresa, Blut und den verbotenen Thicrcn knüpft — da wäre dies alles nichts weiter als Ceremonie? „Fort darum nrit diesem Worte aus dem Kreise des göttlichen Gesetzes! — Vergessen wir nie, daß derselbe Gott, der: „Ehre Vater und Mutter!" spricht, derselbe unmittelbar zuvor: „Gedenke des Sabbaths, ihn zu heiligen!" gesprochen." In dem Artikel: Der Religionsunterricht verwirft er den sogenannten systematischen Religionsunterricht mit seiner Glaubens- und Pflichtenlehre und dringt auf das Lernen der Thora. „Jeder Gottessatz, jedes Gotteswort ist ein Sonnenaufgang — und statt eure Kinder in den Strahl der Morgenröthe zu führen, begnügt ihr euch, sie — einen Tagesanbruch in einem Salongemälde bewundern, oder sic eine Morgenhymne eines Dichters lesen zu lassen!" — Der Siwan-Artikel dieses Jahrgangs: ry*2tr •;r,*w jr.s fw, bespricht die Kürze des Thorafestes, das Schweigen des schriftlichen Gotteswortes von der BestiinmungIdieses Festes7zum Feste der Gesetzgebung und die Abwesenheit jeglichen Symboles. Wir heben nur den letzten Punkt hervor. Das Symbol dieses Festes müßte naturgemäß ein Symbol für die Thora sein, ein solches aber gicbt cs ebensowenig für die Thora wie — für Gott, weil sie einzig ist wie dieser. Die Symbollosigkcit ihres Festes weist also auf ihre Einzigkeit hin, sie ist sui generis und es kann ihr deßhalb mit Folgerichtigkeit auch keine andere Bezeichnung beigelegt werden, mtb gälte dieselbe auch als die heiligste in anderen Kreisen. Er zeigt, wie die Thora deßhalb nicht nur ihrem Ursprünge, sondern auch ihrem Inhalte nach nicht das ist, was man gewöhnlich Religion nennt, wie sie noch weniger Theologie und CultuS genannt werden könne, und welche unheilvollen Folgen die Beilegung solcher ihrem Wesen nicht entsprechenden, ihm vielmehr geradezu widersprechenden Bezeichnungen gehabt habe, indem man aus diesen; ihr willkürlich beigelcgten Namen Consequcnzen zog, die ans sie eben deßhalb in Wahrheit feine Anwendung finden. Aus der Rubrik der belehrenden Aussatze nennen wir noch kurz die Artikel: Der jüdische Sabbath, die an der Hand der einzelnen Stellen seiner Anordnung im Gesetze den Sabbath in der reichen Mannigfaltigkeit seines das ganze jüdische Leben gestaltenden Einflusses darstellen. (Jahrg. I und kl.) Feiner eine Artikelserie: Das jüdische Weib (Jahrg. X und XL) Sodann eine Studie über: Die S chemo ne E s r e. Ihr Ergebnis; ist die Feststellung, — das richtige Wort wäre eigentlich Entocckung, wie bei so vielen Resultaten seiner Forschung, — daß die Reihenfolge der einzluen Berachoth in der Schemone-Esre sich mit den einzelnen Thamid-Opserhandlungen aufs Genaueste deckt und sich somit als deren Wort- Uebertragnng darstellt. Er weist mit Evidenz nach, wie die ersten drei Berachoth der Lin und den sie eiuteitenbeu HanAungen entsprechen, die mittleren der nropn, der Darbringung der dem Altarfeuer zu übergebenden Gliedergruppen und zwar in derjenigen Reihenfolge, wie sie in Joma (25) und Thamid r rcipirt ist, die letzten drei Berachoth aber bnit euer nn:e. (Jahrg. XI und XII.) Von den größeren Arbeiten, die eigentlich selbstständige Werke bilden, nennen wir die Grundlinien einer jüdischen Symbolik. Dieselbe ist in den Jahrgängen III bis VII enthalten. Bei der hohen Bedeutung, die gerade diese grundlegende Arbeit für die wissenschaftliche Würdigung seiner Forschung auf vielen Gebieten des Judenthums und für die Erkenntnis; desselben in einem großen Theile seiner Gesetze hat, halten wir es für recht, mit einigen Worten auf ihren Inhalt hinzmveisen. Er erinnert zunächst daran, wie jüdische Symbolik eine Wissenschaft sei, die das umfassendste Studium, den weitesten Ilmblick, die ruhigste Besonnenheit und die selbstverleugnendste Hingebung an den Gegenstand der Forschung in Anspruch nehme. Sie werde