Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 38 (1897)
- Issue
- Heft 2 (7.1.1897)
- Date
- 1897-01-07
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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«aotirat. Saigons. M ». Der Israelit. Ein Genlrat-Hrgan für das orlhodore Iudenthmn. Begründet von Dr in Utainf. Do«««»st»g, d«« 7. Ja« ua» 5SS7 (1897). Leitender Artikel. Jtomfon Krptzürl Httstz usti Me ZsmlitWe KelW»»geselWft jnltanMurt a.p. Von Director Dr. Mendel Hirsch. XVIII. Grundlegend sind die Aufsätze des ersten Jahrgangs. Es liegt in der Natur der Sache, daß er mit ihnen zunächst in allen Beziehungen den Boden des Verständnisses herzustellen sucht und die Eigenart seiner Anschauungen ausspricht, wie er sie auf Grund seiner Forschung gewonnen hat. Wir nennen hier zuerst den Artikel: D e r I u d e und seine Zeit. In ihm weift er den Widersinn der landläufigen Phrase vom „zeitgemäßen Judenthum" nach. „Zeitgemäß" kann doch nur heißen: den in einer Zeit herrschenden Ansichten und Verhältnissen der Menschen gemäß. Diese Ansichten aber sind seit Jahrtausenden in stetem Wechel begriffen und in jeder Zeit sehr verschieden bei den einzelnen Völkern. Und allen diesen, vielfach einander diametral entgegengesetzten Ansichten sollte das Judenthum sich anzupassen haben?? Man braucht den Gedanken nur auszudenken, um die Absurdität dieser Forderung einzusehen. Aber überhaupt: das Judenthum, das offenbarte Wort und Gesetz des lebendigen Gottes, bestimmt, der Menschheit die ewigen Wahrheiten zu bringen und damit gestaltend auf die Zeiten zu wirken, sollte sich von den zwischen Wahn und Wahrheit schwankenden Ansichten der sterblichen Menschen gestalten lassen?? Das Judenthum war nie zeitgemäß — und deßhalb war es auch nie leicht, Jude zu sein — es k a n n nie zeitgemäß sein, bis zu jenem Ziele, wo einst die Zeiten — gottgemäß sein werden. Im Dienste der Herbeiführung dieses Zieles steht ein jeder Jude durch treue Erfüllung des Wortes seines Gottes. „Nie und nimmer wird er auch nur eine Faser seines Judenthums opfern, nie und nimmer wird er sein Judenthum zeitgemäß gestalten. Aber er wird gern Alles bei sich heimisch machen, wo ihm seine Zeit dem Judenthum Gemäßes bietet, wird es in jeder Zeit als seine Aufgabe betrachten, vom Standpunkte seines Judenthums die Zeit und ihre Verhältnisse zu würdigen, uminjederZeit,mit den von jeder Zeit gewährter! neuenMitteln, in den von jederZeit gestalteten neuenVerhältnisssen den Gei st seines alten Judenthums in immer neuer Blüthe zu entfalten, und die Aufgabe seines alten Judenthums, in immer reicherer Fülle, mit immer neuer Treue, voll und ganz zu lösen." (I, 14—25.) Haben diese Worte schon aufgehört actuell zu sein? Haben sie schon überall volles Verftändniß und volle Würdigung gesunden? Der Aufsatz:Die jüdischen Eeremonialgesetze beginnt mit den Worten: „Einen Kranz Immergrün müßten die Söhne und Töchter der Zeit auf das Grab des Mannes pstanzen, der zuerstdas Wort„„Ceremonialgesetz"" im jüdischen Kreise ausgesprochen! Sein Name müßte blühen, so lange Jünglinge und Jungfrauen, Männer und Frauen die heiligsten Pflichten verletzen, ohne daß auch nur der Schatten eines Skrupels die Ruhe ihres Gewissens störe. Denn mit diesem Worte hat er unbewußt Speer und Schild, Helm und Panzer der jungen Weisheit geschmiedet." Es giebt vielleicht kein Wort, | das also gleichzeitig das äußerlich Feierliche und