Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 38 (1897)
- Issue
- Heft 1 (4.1.1897)
- Date
- 1897-01-04
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
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11 werthe Akribie verbindet, nimmt man gern zur Hand; man wird immer Neues finden und Vieles lernen. Auch die vorliegende Schrift bringt viel WissenSwerthes, und es sind nicht allein die gelehrten Anmerkungen, die wir als werthe Gabe entgegennehmen, es ist der nach der ersten Ausgabe und nach den Glossen des R. Ehananel zum Talmud berichtigte Text des Aruch, der die Schrift so werthvoll macht. Dem Vers, ist hier vielfach Gelegenheit geboten, auch den Aruch haschalem von Kohut an vielen Stellen zu berichtigen. Als Beispiel für die Bedeutung der Heranziehung der ersten Ausgabe möge Folgendes dienen, wo der Vers, sich selbst berichtigt. Aruch a. v. n: heißt es rrrpas ’ie n »np rv:rh xrps; daß hier ein Fehler sich eingeschlichen hat, ist klar, die rte hat hier nichts zu schaffen. Im *py tob zu Berachoth korrigirte der Vers, nach Or Sarua das Wort in *nps, diese Korrektur mußte aber jedem verdächtig erscheinen, da keine Aehnlichkeit der Buchstaben für eine solche sprach und auch stilistisch sich diese bemängeln ließ. Nun hat der Vers, durch die erste Ausgabe die sichere Korrektur geben können, diese ließ nämlich nSsn. Ich möchte glauben, daß ursprünglich in der Handschrift auch die mater lectionis gestanden hat. Möge der Vers, recht bald die Fortsetzungen zu anderen Tractaten erscheinen lassen. Zeitungsnachrichten und Correfpondenzen. Deutschland. Aus Baden. Der zehnte Jahresbericht des Vereins zur Förderung des Handwerks und der technischen Berufsarten unter den Israeliten des Großherzogthums Baden zeigt wieder viel Erfreuliches. In der Fürsorge des Vereins befanden sich 62 junge Handwerker der folgenden Gewerbe: Bäcker, Büglerinen, Buchbinder, Buchdrucker, Elektrotechniker, Graveur, Installateur, Kleidermacherinen, Kupferschmied, Möbeltapezier, Möbelschreiner, Mechaniker, Lithograph, Metzger, Photograph, Schneider, Schreiner, Schuhmacher, Tapezierer und Polsterer, Techniker, Zahntechniker, Sattler. Mit geringen Ausnahmen sprechen sich die Lehrherrn nur lobend über das gesittete Betragen, den Fleiß und die Fortschritte der Lehrlinge, insbesondere über deren unverkennbare Neigung zur Erlernung und zum späteren Betriebe des Handwerks als Lebensberuf aus. Die Zahl der Vereinsmitglieder beträgt nahezu 900 in den drei Abtheilungen Frriburg, Karlsruhe und Mannheim. Das gefammle Vereinsvermögen hat die Höhe von 17,667 M. 36 Pfg. erreicht. Der Verein zeigt sich in Anbetracht der Erziehung zu einem anständigen Lebens berufe sehr segensvoll. W. O efterr.-Ungar. Monarchie. Wien, 17. Dez. Welche Zustände jetzt in Wien herrschen, illnstrirt ein freches Attentat, welches letzter Tage an zwei Doktoranden, die man für Juden hielt, verübt wurde. Der Student erzählt: „Gestern Abend gingen wir, um uns zu erholen, ein wenig in der inneren Stadt spazieren. Eben bewunderten wir eine Auslage in der Rothenthurmstraße, als drei Burschen im Alter von 20 bis 22 Jahren sich an uns herandrängtcn. Plötzlich packte mich der Eine ohne jede Veranlassung am Barte und sagte, indem er höhnisch lachte: „Bist ein schönes Jüderl." Im ersten Moment war ich vor Schrecken über die Attaque des Menschen, den ich nie zuvor gesehen, ganz sprachlos. Ebenso mein Freund. Die Kumpane des Strolches überhäuften uns mit einer Fluth antisemitischer Schimpfworte und umdrängten uns in geradezu unheimlicher Weise. In meiner Hcimath hätte ich den beispiellos frechen Burschen einfach zu Boden geschlagen. Hier aber, wo mir die herrschende beklagenswerthe Strömung angesichts der Menge, die sich im Nu um uns angesammelt hatte, Reserve auferlegte, faßte ich meinen Angreifer anl Arme und ließ ihn, trotz der drohenden Haltung seiner Freunde und des johlenden Pöbels, nicht früher aus, als bis meiit Freund einen Wachmann requirirt hatte. Wir sind aus Konstantinopel, römisch-katholischer Konfession. Ich bin seit längerer Zeit in Wien, um meine Rigorosen an der hiesigen Universität abzulegen, während mein Freund Coyounian vor Kurzem hier eintraf, um technischen Studien obzuliegen. Ich bin, wahrscheinlich wegen meines Bartes, schon wiederholt als Jude beschimpft worden, worüber ich mich jedoch stets mit Verachtung hinwegsetzte. Mein Frennd aber ist über unser heutiges Abenteuer derart aufgeregt und entrüstet, daß er sobald als möglich das gastliche Wien verlassen will." Budapest, 21. Dez. Die Erzählung eines fürchterlichen, empörenden Vorfalles, dessen Helden etwa hundert Bauern aus dem nahe bei der Hauptstadt gelegenen schwäbischen Dorfe Buda-Förs waren, macht jetzt die Runde durch die hiesigen Blätter und erregt natürlich, wie die Menschett schon sind, Indignation nicht nur gegen die hundert Bestien, die er allein angeht, sondern gegen den schwäbischen Stamm, der im Allgemeinen, trotz kleiner Reibereien unter den eng zusammenwohnenden Nationalitäten, in hoher Achtung steht ob seiner Neinlicheit, Redlichkeit und Wirthschastlichkeit. Ein armer Hausirer, vermuthlich ein Jude, war in das Dorf gekommen und hatte im Wirthshause den Bauern Allerlei verkauft. Nack- Erledigung des Geschäftes bat der arme Teufet, man möchte ihm den Weg zur Bahn weisen. Einige Burschen machten sich detm auch auf, aber wie sich bald zeigte, nicht in bester Absicht. Sie fingen mit