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Der Israelit · 1897-01-04 · Heft 1 (4.1.1897) · page 6

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Journal
Der Israelit
Volume
38 (1897)
Issue
Heft 1 (4.1.1897)
Date
1897-01-04
Page
– (sequence 6)
Language
German
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i MC-«^ 6 schon gemacht, durch eine große Zahl localer Branchen, aber von jetzt an werden sie organisirt sein, in System gebracht mit den Regeln, die von der Convention angenommen wurden. Die Jüdinnen, welche unternommen haben, ihre Dienste ihrem Volke zu weihen, sind Frauen, von denen man sagen muß, daß sie ihres Erfolges gewiß sind, indem sie wissen, wie sie ihn zu gewinnen haben. „Wir kennen keine Convention von Weibern, selbst keine Convention von Männern, deren Discussionen erhabener gewesen wären ihres Gehaltes nach, als jene, die in Turedo-Hall gehalten wurden. Wegen ihrer Gelehrsamkeit, Würde, philosophischen Qualität, rel. Geistes, ihrer wahren Aufrichtigkeit und Ernstes ragen sie weit über das Gewöhnliche hervor. Wir wür den gerne einige hervorheben, aber wir könnten dies kaum thun, ohne Andern ungerecht zu iverden. Wenn selbe in einem Bande gesammelt sind, iverden sie bestehen als eine Ehre der jüdischen Frauen der Vereinigten Staaten von Amerika." „Jüdinnen der striktesten orthodoreu Richtung mischten sich mit anderen von mehr liberaler Schule auf dieser Convention und alle suchten dasselbe Ziel durch dieselben Mittel zu erreichen. Die Liberalität der Delegationen ging noch weiter, denn sie bewillkommten die Worte der Frauen, die nicht zu ihrer Race gehörten. Sie ging noch weiter, denn sie machte sich im Applause kund, der da folgte, als die Depesche der Xukioual Women's Christian, 'IVmpnranrr ('nion in St. Louis verlesen wurde: „Herzlichen Gruß, Nur arbeiten miteinander für Gott und Menschlichkeit"." „Die herzliche Antwort, welche der tagenden christlichen Convention abgesandt wurde, war dem Judenthum Amerikas würdig. Alan kann sagen, daß ein großer Fortschritt zu verzeichnen ist durch die frommen, religiösen, humanitären Arbeiten der ersten Convention jirdischer Frauen." Feuilleton. n Aus finsterer Zeit. Geschichtliche Erzählung von Rud. wacher. 1. Kapitel Es war ein gar trübes Jahr, das Jahr 134Y. Nie wird die Welt, nie wird das Judenthum eS vergessen. Länderverheerende Kriege, Aufruhr und Aberglaube vereinigten sich um die Mitte des vierzehnten Jahrhunderts mit dem Schlimmsten von Allen, dem schwarzen Tod, als ob die Welt untergehen hätte sollen. Im Januar des genannten Jahres saßen im hellerleuchteken Gemache an einem Freitag Abend der ehrwürdige jüdische Arzt, Abraham Halevi, ein Greis von über achtzig Fahren, dessen Freund und Diener Kalonymos, ebenfalls ein Achtziger und die schöne Rahel, die jugendliche Enkelin Abraham's bei Tische. Das Zimmer, in welchem die Genannten sich befanden, war gar prächtig ausgestattet; weit prächtiger, als man das bei den oft verfolgten und meist in Armuth lebenden Inden damaliger Zeit vermnthen mochte. Allerdings war das Prunkgemach, wie wir es getrost nennen können, der Welt verborgen; denn durch einen langen finsteren Gang und einige abwärts führende steinerne Stufen gelangte man in dasselbe. Hier aber gewahrte man Einfachheit und Prunk seltsam vereinigt. Die Wände waren mit kostbaren, gewirkten Teppichen behängen. Ein Schrein mit verschnörkelten Verzierungen, die aus blankem Messing bestanden, nahm fast eine ganze Wand ein. Auf schön geschnitzten Borden, welche an den übrigen Wänden angebracht waren, standen kostbare goldene und silberne Gefäße verschiedener Bestimmung. Doch all' diese Gegenstände standen einem großen silbernen Pokal mit goldenen Henkeln nach, der auf dem Tische vor Abraham Halevi stand. Eine wohlige Wärme, die aits dem Feiler eines schönen Kamins im Hintergründe des großen Zimmers ausstrahlte, durchströmte, mit Wohlgerüchen vermischt, das Gemach; ganz im Gegensatz zil draußen, wo Schnee die engeil Gassen uub Häuser des Frankfurter Ghetto in eine glitzernde Decke hüllte. Das Gespräch am Tische des jüdischen Arztes drehte sich ilm die ebeil vollzogene Wahl Günthers von Schwarzburg uub dessen gestern erfolgten, festlichen Einzilg. Gerade hatte Kalonymos in eifrigen Mieden sich über Günthers Gegenkaiser Karl, den reichen, schlauen Lützelburger, wie er ihn nannte, geäußert. Er schloß mit den, an den ernsten Arzt gerichteten Worten: „Ihr kennt ihn ja selbst, Abraham." „Gewiß, werd' ich doch nie vergessen, wie er nlich vor siebzehn Jahren zu sich rufen ließ, ilm sich sich von mir in der jüdischen Sprache lrnd der Sternenkunde unterrichten zu lassen". „Erzähl' doch was vom schönen Wälschland oder vom herrlichen Hispanien, Großvater!" bat die liebiche Enkelin, indem sie den ehrwürdigen Greis mit ihren großen, schwarzen Allgen bittend ansah. „Was ich bis jetzt immer erzählte, waren Erlebnisse, die, wenn sie auch llicht immer sreildiger, so doch auch nie trauriger Natur waren. —■ —" Der Greis wurde durch heftiges Klopfen an der Hausthür unterbrochen. Kalonymos, der unwillig hinaufgestiegen war, um zu öffnen, kehrte alsbald zurück, um Abrabam mitzutheilen, daß eine Magd da sei, die den Arzt auffordere, sofort zilin Schultheißen Herrn von Marpnrg zil kommen. Kalonymos

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