Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 38 (1897)
- Issue
- Heft 1 (4.1.1897)
- Date
- 1897-01-04
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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4 jüdischen Abiturienten aus der Religion zu bearbeiten waren. 1895. Der Werth des Lebens nach den heiligen Schriften (hum. Gymn. Würzburg). Der Beruf Israels (Real-Gymn. Würzburg). 1896. Das Leben und Wirken Jesaias (Real- Gymn. Würzburg). Unser Verhalten gegen Menschen, Pflanzen und Thiere (Realschule Würzbura). 1894. Inwiefern ist der Dekalog die Grundlage aller monotheistischen Religionen? (Hum. Gymn. Würzburg.) An anderen Anstalten wurden dann noch Aufgaben über den Eid, das Gebet, die Offenbarung auf Sinai u. a. m. gestellt. Ist aber der fakultative Religionsunterricht zu verwerfen? Sicherlich und zwar aus folgenden Gründen: 1) Muß es auf die nichtjüdifchen Schüler einen eigenthümlichen Eindruck machen, wenn sie sehen, daß ihre jüdischen Kameraden keinen Religionsunterricht haben; drängt man dadurch denn nicht mit Gemalt dem nichtjüd. Schüler die falsche Ansicht von der Bevorzugung der Juden auf? 2) Muß ein fakultativer Religionsunterricht in dem Kinde nicht unbedingt die Ansicht Hervorrufen, daß der Religionsunterricht nur ein nebensächlicher Unterricht sei, der sogar weniger Beachtung als das obligatorische Turnen oder Zeichnen verdiene und etwa dem Singen gleich zu stellen sei? 8) Endlich kann nur durch einen obligatorischen Religionsunterricht dem jüd. Religionslehrer die Stelle im Lehrerkollegium eingeräumt werden, die der Wichtigkeit keines Faches entspricht und die er auch in Bayern schon seit Jahren besitzt. A. Wetzlar, stud. pliil. (Wir stehen aus anderem Standpunkte als der Herr Einsender. Der obligatorische Religionsunterricht hat nach unserer Ansicht keinen Zweck, weil nicht jeder jüdische Religionslehrer auf dem Boden des j ü di scheu Gesetzes steht und seinen Unterricht und sein Leben danach einrichtet, und das ist unserer Ansicht nach der einzige Grund, der hier maßgebend sein kann. Wenn nur ein Kind frommer, gesetzestreuer, jüd. Eltern durch solchen Unterricht lässig in der Beobachtung unserer heiligen Lehre wird, so schadet das mehr, als wenn „alle jüdischen Religionslehrer die Stellung im Lehrercollegium nicht einnehmen, die ihnen in Folge der Wichtigkeit des Religionsunterrichts zukäme." Red. d. Israelit.) Oester r.-U n g a r. M o n a r ch ie. Budapest, Ende Dezember. Der letzte Dag des Ehanukahsestes, Sonntag der 6. d. M., gestaltete sich zu einem denkwürdigen Zeitpunkte in der culturellen Entwicklungsgeschichte der israel. Religionsgemeinde. An dentselben weihte sie ihre im 7. Bezirke, an der Ecke der Wesselenyi- und Kerteszgasse mit einem Kostenaufwande von über 200,000 fl. neuerbaute Volks- und Bürgerschule für Knaben feierlichst ein, nachdem der regelrechte Unterricht darin schon Anfangs Oktober ohne Sang und Klang begonnen. Zu der um 10 Uhr eröffneten Feierlichkeit erschienen : In Vertretung des Cultus- und Unterrichtsministcrs Schulinspector königl. Rath Dr. Carl Veredy; von Seite des hauptstädtischen Municipinms Oberbürgermeister Carl Rath; Bürgermeister Josef Markus, Magistratsrath Julius Rozsavölgyi als Leiter des hauptstädtischen Unterrichtswesens, Reichstagsabgeordneter Dr. Carl Morzsanyi als Vertreter des 7. Bezirkes und Bezirksvorsteher Waszilievics. Bei dieser Gelegenheit ergriff Oberbürgermeister Carl Rath das Wort und sprach mit voller Wärme Folgendes von der Estrade herab: „Ich erfülle eine angenehme Pflicht, indein ich anläßlich der Einweihung dieser Schule dem Vorstande der Pester israelitischen Religionsgemcinde im Flamen des hauptstädtischen Municipiums den aufrichtigsten und innigsten Gruß entbiete für die Munificenz und patriotische Opferwilligkeit, mit der sie diese Schule errichtete. Die Gemeinde hat nicht blos die Pflicht erfüllt, die sie zufolge des von der Hauptstadt erhaltenen Grundes auf sich nahm, sie hat weit mehr als ihre Pflicht gethan. Die Einweihung dieser neuen Schule ist demnach auch für die Hauptstadt ein Frcudentag, da sie dadurch um eine allen pädagogischen und hygienischen Anforderungen entsprechende Unterrichts-Anstalt bereichert wurde. Diese neue Schule gehört zu jenen Lehranstalten, auf welche die Hauptstadt mit Stolz blicken kann. Ich wünsche, daß die Gemeindevorstehung durch die ihre gehörige Berufsauffassung so glänzend doeumentirende Anstalt ein ewiges Andenken erhalte." Endlich flehte der Oberbürgermeister noch Gottes Segen auf die neue Bildungsstätte herab, welche sich würdig an die übriges! ähnlichen Anstalten der Metropole anreiht. Rach dieser von wiederholten Eljenrufen unterbrochenen Ansprache erschien Schulinspector Dr. Carl Veredy aus der Estrade und sprach fast wörtlich Folgendes: „Den Lorbeer der Anerkennung hat Ihnen bereits der Oberbürgermeister für die großartige Schöpfung überreicht, die wir soeben eingeweiht. Auch ich kann die Gelegenheit nicht vorübcrgehen lassen, ohne einige Worte an Sie zu richten, denn es ist kein gewöhnliches Institut, das wir jetzt seiner Bestimmung übergeben, sondern ein solches, welches das Muster einer neuen Idee, einer neuen Richtung sein