Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 38 (1897)
- Issue
- Heft 1 (4.1.1897)
- Date
- 1897-01-04
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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3 rechten Zeit Gottes segnend gedenkt, der hat gleichsam Gottes Herrlichkeit empfangen. Es heißt nämlich hier: „Dieses Neulicht ist euch der Anfang der Monate" und es heißt anderwärts: „Dies ist mein Gott und ich will ihn auf entsprechende Weise verehren." Die rechte Zeit für den Gottespreis beim Anblick des Neumonds ist die Zeit, wenn der Neumond noch wenig aus seinem Dunkel sichtbar hervortritt. Wir hätten vielleicht die Zeit, in welcher der Mond in seiner Fülle als Vollmond am Firmament auf die Erde niederstrahlt, für geigneter für den Preis Gottes beim Mondesanblick gehalten. Nicht so die göttliche Weisung. Wie Gott vor dem anbrechenden Morgen die Nacht noch einmal in ihrer ganzen Finsterniß dem nun anbrechcnden Tageslicht zur Neberwindung hinstellt, so läßt er den leuchtenden Silberstreif der Mondsichel ans tiefem, nächtigen Dunkel anfleuchten. So hat nach der lieber lieferung, unmittelbar vor der Erlösung aus Egypten, die Tyrannei ihrer Zwingherrn die Geknechteten den auferlegten Druck noch einmal in seiner ganzen Unerträglichkeit fühlen lassen. Sie hatten seufzend unter diesem gesteigerten Druck jetzt weniger als je die Erlösung erwartet. Deshalb hat Gott den Führern seines Volkes dieselbe Erscheinung an dem Nachthimmel gezeigt, wo sich aus der mondlosen Finsternis; der Nacht der neue Lichtstreif ringt. Die große Masse mochte damals die über dein Volke ausgehende Gottesherrlichkeit kaum gewahren und' noch weniger fest an sie glauben. Diese Ueberzengnng erlangten die Geretteten erst, als ihre Feinde vom Meere bewältigt, diese wunderbare Errettung ihnen das durch die Jahrtausende klingende Lied am Meere abrang. Damals sahen sie Gottes Einschreiten in ihr Geschick, das sie laut mit Sangesworten feierten. Aber Gottes Herrlichkeit war scholl früher, war schon in Egypten aufgegangeu. Wer ein Auge, wer Verständniß für die lichten Spurell hat, in denen Gottes Herrlichkeit sich auch im nächtigstell Lebelisgeschick bekundet, der empfängt Gottes Herrlichkeit. Der erblickt „die rechte Zeit'' zum Gottespreis, da, wo andere verzweifeln und an der Zukunft irre werden. Das war das Eharakteristische unserer vom Kampf lliutosten Väter. Sie lvnßten, daß dieser Kampf 311111 Frieden führt, beschall' war selbst ihr Kämpfen ein Friedenswerk. Sie waren so tief davon durchdrungen, voll der Wahrheit, von dem endlichen Siege ihrer Sache, daß sie dieses Sieges gewiß waren, auch wenn sie selber ihn nicht erlebell sollten. Mit diesem felsenfesten Vertrauen auf Gott und seine heilige Sache wollen wir unseren Blick von der Vergangenheit auf die Zukunft richten und Gott um Einsicht und Beistand bitten, nach dem Vorbild unserer Altvordern seiner heiligen Sache für alle Folge zu dienen. bn :;z?r bx ey rrn uw» ::sy rt rr Zeitungsnachrichten und Correspondenzen Deutschland. Berlin. Ein politischer Pastor ist auch der Pfarrer Werner in Beckendorf, der früher zu den Stöcker'schen Christlich-Sozialen gehörte, jetzt aber für die Naumannsche national-soziale Partei agitirt. Wie Pfarrer Werner im „Reichsboten" mittheilt, ist ihm eine Verfügung des evangelischen Oberkirchenraths vorgetegt worden, welche er, wenn er nicht auf sein Pfarramt sofort verzichten null, als ein Verbot seiner bisherigen sozialpolitischen Thätigkeit ausfassen muß. Nach Lage der Dinge hat er sich entschlossen, bis auf Weiteres auf eine öffentliche Thätigkeit zu verzichten. Der politischen Thätigkeit des Herrn Stöcker hat der Oberkirchenrath noch nichts in den Weg gelegt, obschou gerade auf ihn das bekannte Wort des Kaisers gemünzt war: „Christlich-Sozial ist Unsinn." Würzburg, 27. Dezbr. Wir Bayern haben nun se.t ungefähr 20 Jahren den obligaten Religionsunterricht und fühlen uns ganz glücklich dabei. Es ist ja selbstverständlich, das; ein zweistündiger Religionsunterricht nicht genügend sein kann, und es wird deßhalb ein jeder irgendwie religiöser Vater seinen Söhnen sicherlich aus eignen Mitteln einen Privat Religionsunterricht geben lasten und es ist auch gar nicht unmöglich, daß neben den obligatorischen Neligionsstunden noch fakultative eingesetzt werden, wie es z. B. seit Jahren Herr Dr. Eahn in Fulda mit Erfolg thut. Aber, was soll der obligatorische Religionsunterricht leistend Er soll vor allem dreierlei: 1) die Schüler mit der Bibel bekannt machen, 2) dieselben mit den ethischen und allgemein menschlichen Vorschriften unserer hl. Religion vertraut machen und 3) und dies halte ich wenigstens für einen Hauptbestandtheil des Religionsunterrichts an Gymnasien, um dem leider so stark unter den Gymnasiasten schon sich findenden Atheismus und Pantheismus entgegenzutreten und bei den Schülern eine positive (jüdische) Lebens¬ und Weltanschauung zu bewirken. Es sind dies 3 Punkte, bei deren Ausführung, so groß auch sonst die Verschiedenheiten sein mögen, Neologie und Orthodoxie sich wohl die Hände reichen können. Ich glaube, daß ich diese meine Meinung am besten illustriren kann, wenn ich die Themata anführe, die bei den m den letzten Jahren abgehenden bayerischen Maturitäts- und Reifeexamen von den