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Der Israelit · 1897-01-04 · Heft 1 (4.1.1897) · page 2

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Journal
Der Israelit
Volume
38 (1897)
Issue
Heft 1 (4.1.1897)
Date
1897-01-04
Page
– (sequence 2)
Language
German
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2 Wohl die Kraft zusammenzubringen, nicht aber auch zusammenzuhalten, was nach Gottes 'Villen geschieden sein soll. Ueber die Geschichte des Antisemitismus ttt Deutschland haben wir gegen Ende des vergangenen Jahres unter der Überschrift: „D i e E n tw i ck e l u n g des Antisemitismus z u r st a a t s m ä n n i s ch e n Partei" eine Uebersicht gegeben. Daraus erhellte, daß der Radauantisemitismus im Abnehmer: begriffen, daß aber der Judenhaß unter dem Deckmantel der feineren Formen in mancher Hinsicht gefährlicher zu werden droht. Dagegen sind in unserem Vaterlande in: vergangenen Jahre unverkennbare Thatsachen zu registriren, welche eine sichtliche Erstarkung und öffentliche Anerkennung des gesetzestreuen orthodoxen Judenthums bekunden. In W e st p h a l e n, wo Anhänger eines ausschweifenden, fanatischen Reformjudenthums seit Jahren das Heft der Gemeindeleitung in Händen haben, sind die in der ganzen Provinz zerstreuten Bekenner des orthodoxen Judenthums zu einem „Verein zur Wahrung der religösen Interessen deS Judenthums in der Provinz Westphalen" zusammengetreten. Dieselben haben zur Leitung ihrer religiösen Anliegen einen Rabbiner berufen, der seine Stelle schon mit dem 1. April d. I. antreten wird. Im Gro ß herz og thit m Hessen hat die Landesregierung das Schisma zwischen dem historischen Judenthum und dem Reformjudenthum als bestehend anerkannt, indem sie für die gesetzestreuen Gemeinde:: der Rabbinate Darmstadt und Gießen, neben den bereits seit Jahren daselbst amtirenden Reformrabbinen, die Stelle eines orthodorci: Rabbiners staatsseitig zur Besetzung ausgeschriebei: hat. Die in ihrer Alleinherrschaft bedrohten Reformjuden ließen es nicht an Denunciationen und Verdächtigungen gegen das historische Judenthun: und seine Bekenner fehlen, um diesen hochherzigen Akt staatsseitig geübter Gewissensfreiheit zu hiutertreiben. Aber alle angewandten Mittel und Mittelchen verfingen nichts. Der gerade, biedere Gerechtigkeitssinn der höchsten Landesbehörde ließ sich durch sie nicht beeinflussen. In unsere Freude über diese herzerhebendct: Erfolge des orthodoxen Judenthums mischt sich für uns das Gefühl schmerzlicher Wehmuth darüber, daß es unseren Vätern und Großvätern, die mit Einsatz ihres ganzen Lebens für diesen Sieg der GewissenSfreiheit gerungen, nicht mehr vergönnt war, ihn zu erleben. Dasselbe gilt von einer andern, erfreulichen Thatsache, welche das vergangene Jahr endlich verwirklicht hat, wir meinen die Inangriffnahme des Baues eines großen Spitals in Jerusalem. Fast seit einen: viertel Jahrhundert hat eine Zahl auserlesener Edler in Israel ihr Wort und ihre That für die Tilgung dieser Ehrenschuld der jüdischen Zerstreuten eingesetzt, ohne daß es ihnen gelingen wollte, die sich ihnen entgegen stellenden Schwierigkeiten und Hindernisse zu beseitigen. Sie mußten ihre irdische Wirksamkeit verlassen, ohne einen Erfolg ihrer hingebenden Thätigkeit zu erleben. Ihren Kindern und Nachfolgern erst ist es vergönnt, diese Saat, von Gott gcsäet, zu ernten. Warum sollte der Gedanke an die so früh Heimgegangenen Säer nicht einen bitteren Tropfen in die Freude der Schnitter mischen? Wie hat sich doch seit dem Heimgang dieser Edlen ei:: Umschwung in der jüdischen öffentlichen Meinung 511 Gunsten aller das heilige Land betreffenden Anliegen vollzogen! Wenn sie dieses Interesse erlebt und das Bewußtsein davon mit in die Ewigkeit genommen hätten, wie hätten sie darin einen reichen Lohn für alle Mühen und Sorgen erblickt, mit welcher sie für diese heilige Sache eintraten! In den thätigen Sympathien, die sich für die Errichtung eines großen jüdischen Spitals in Jerusalem allenthalben geltend machen, findet dieses Interesse einen imponirenden Ausdruck. Wir haben der Bedeutsamkeit des großen Unternehmens wiederholt an dieser Stelle Ausdruck gegeben. Wenn wir heute darauf zurückkommen, so geschieht cs zur Eonstatirung des freudigen Bewußtseins, wie Angesichts dieser großen That alle Differenzen, Parteiungen und Verschiedenheiten zurücktreten, die sonst ein gemeinsames Wirken aller jüdischen Stammesgenossen unmöglich machen. Vor der sittlichen Höhe dieses Gedankens schweigt der Hader der Parteien und alle reiche:: sich einmüthg die Hand, um ein Werk der Bruderliebe zu errichten ans dem uns allen gemeinsam heiligen Boden unseres Vätererbes. Die Waffe :n der einen und die Baukelle in der anderen Hand, so haben nufere nun in Frieden ruhenden Vorgänger die Zeit ihres Lebens und Wirkens in der Bresche gestanden. Die Strömung der Zeit verlangte damals die entschiedene Führung des Kampfes; die Baukclle mußte feiern. Daß in den: Land unserer Väter, daß in der Realisirnng eines so bedeutsamen Gedankens auf den: heiligen Boden endlich ein Moment gefunden ist, der uns alle als Brüder zum gemeinschaftlichen Ausbau um eiu großes Ziel ladet, das erachten wir für ein günstiges Omen von einer Bedeutsamkeit, die den hohen Zwecken und Zielen nicht Nachsicht, welchem das große 'Werk in erster Reihe gilt. Der schmerzliche Gedanke, daß unsere großen, in die Ewigkeit eingegangenen Vorbilder diese Krönung ihres Wirkens und KämpsenS nicht mehr mit uns feiern, mildert eine Erwägung, welche die Weisen in: Midrasch Jalkut unseres Wochcnabschnittes durch folgende Bemerkung anregen: 'k*2 *:cts erm rx 712er: örrrrr nex .*rr;xv ^x m am rrc* 22b mn nn xrn rre nrsp ":-r „Rabbi Jehuda sagt: Wer beim 'Neumond zur

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