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Der Israelit · 1897-01-04 · Heft 1 (4.1.1897) · page 1

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Journal
Der Israelit
Volume
38 (1897)
Issue
Heft 1 (4.1.1897)
Date
1897-01-04
Page
– (sequence 1)
Language
German
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XXXVIII. Jahrgang. M J. Ein Aenlrat-Hrgan für das orlhodoXe ZudenIHum. Begründet von »r. Uehnr^nn in Msinz Montag, den 4. Januar 5657 (1897). Leitender Artikel. Rückblick. Mainz, den 3. Januar. Ein Rückblick auf die markantesten Ereignisse des verflossenen bürgerlichen Jahres zeigt uns Betrübendes und Erfreuliches in reicher Fülle. Aber eine sorgfältige Prüfung der an unserem geistigen Auge vorüber gleitenden Geschehnisse führt zu der tröstlichen Thatsache: rrwrc moa nz:u ,-na nana, daß das Erfreuliche, das Betrübende denn doch Gott sei Dank reichlich überwiegt. Die feindselige Gesinnung, die sich gegen Juden und Judenthum seit einer Reihe von Jahren in besonders fühlbarer Weffe geltend macht, hat äußerlich zwar von Wer: Ausdehnung und Gehässigkeit nichts eingebüßt> aber die Faiseure, welche die Drachensaat des Haffes mit vollen Händen in die breiten Schichten des Volkes streuen, verfallen täglich mehr und mehr der: Verachtung aller gebildeten Klassen. Da, wo wie in Oesterreich's Kaiserstadt beispielsweise es diesen Feinden Israels gelungen ist, sich die Herrschaft zu sichern, macht sich ein Niedergang alles gesunden Lebens und Strebens in einer Weise bemerklich, daß den eigenen Anhängern davor zu grauen anfängt. In einem großen politischen, gegenwärtig in u n s e r e r Reichshauptstadt sich abwickelnden Prozeß, in dem die höchsten Würdenträger des Reiches als Zeugen fungiren, hat der Richter vor aller Welt den bedeutsamen Antheil konstatirt, den die vorlautesten antisemitischen Preßtrabanten an der Jntrigue und Niederträchtigkeit haben, welche die Triebfedern des ganzen an die Oeffentlichkeit gelangten Gebahrens bilden. Sie werden heute von Niemand mehr ernst genommen und jede politische Partei scheut den bloßen Schein irgend welcher Verbindung mit ihnen. Bei einem Blick auf das Schicksal unserer Glaubensgenossen in den einzelnen Ländern, bleibt das Auge zunächst bei dem Staate heften, der die größere Hälfte aller auf der Erde bekannten Juden in sich schließt, bei Rußland. Das Schicksal der russischen Juden hat sich äußerlich noch wenig gebessert, und ob die nächste Zukunft eine Besserung bringt, muß immer noch als eine offene Frage gelten. Unser sehr gut unterrichteter Petersburger Correspondent hat, wie die geehrten Leser dieser Zeitschrift wissen, seither abwechselnd günstige und ungünstige Nachrichten zu berichten gehabt. Geben wir uns der Hoffnung hin, daß der jugendliche Kaiser, dessen hoher Gemahlin vornehmlich große Toleranz gegen Andersgläubige nachgerühmt wird, seinen jüd. Unterthanen die Sonne seiner Gnade in Zukunft scheinen lasse. U n g a r n hat im verflossenen Jahr das tausendste Jahr seines Bestandes durch eine große Landesausstellung und verschiedene andere öffentliche Akte gefeiert, bei welchen sich unsere Glaubensgenossen in hervorragender, patriotischer Weise betheiligten. Was das innere jüdische Leben in diesem Lande betrifft, so ist daselbst von der Bildung einer neuen jüdischen Sekte zu berichten, die von dem überlieferten, historischen Judenthum sich losgesagt hat, deren Mitglieder nur dem Namen nach noch als Juden sich geriren. Durch solche Sonderbundsbeftrebungen verliert der jüdische Stamm nichts als einige ihm bereits abgestorbenen Aeste, die durch ihre gänzliche Lossagung von dem jüdischen Lebensbaum bald ihrem Verhängniß verfallen werden. Es ist dies eine Etappe auf dem Wege zwischen dem Judenthum und dem Taufbecken. Das Judenthum verliert an diesen Fahnenflüchtigen so wenig, wie das Christenthum an ihnen gewinnt. — Eine ähnliche Etappe auf diesem Wege ist die in Ungarn nunmehr staatlich anerkannte Eivilehe zwischen Christen itnb Juden. Es ist eine recht charakteristische Ironie des Schicksals, daß die erste jüdisch-christliche Civilehe, welche in Ungarn geschloffen wurde, bereits wieder geschieden werden soll. Der Scheidungsprozeß ist bereits eingeleitet, wie die ungarischen Tagesblätter berichten. Der Staat hat

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